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18.09.2015

14:15 Uhr

Neue Billig-Akkus

Batteriespeicher vor schnellem Durchbruch

VonFranz Hubik

Steigende Strompreise, sinkende Fördersätze und neue Billig-Akkus: Der Traum der Energieautarkie wird rentabel. Ab 2019 lohnt es sich, Solarstrom vom Dach zu speichern und selbst zu verbrauchen – vielleicht sogar früher.

Solarakkus für jedermann stehen vor dem Durchbruch. dpa

Installation einer Solaranlage

Solarakkus für jedermann stehen vor dem Durchbruch.

DüsseldorfOb Öko-Idealist oder konservativer Geschäftsmann: Jeder Eigenheimbesitzer, der noch etwas Geld übrig hatte, schraubte sich in den vergangenen Jahren eine Solaranlage aufs Dach. Schließlich wurde die Investitionsbereitschaft üppig vergoldet. Jede Kilowattstunde Sonnenstrom, die ins Netz eingespeist wird, entlohnt der Staat mit einer fixen Vergütung – garantiert auf 20 Jahre. Für viele ein schöner Nebenverdienst oder eine zusätzliche Rente. Und allemal besser verzinst als Sparbücher.

Mittlerweile gibt es da aber ein Problem: Die Bundesregierung hat die Vergütung für Solarstrom drastisch gedrosselt – von einst mehr als 50 Cent pro Kilowattstunde auf aktuell etwa zwölf Cent. Die simple Formel: Solaranlage plus Förderung ist gleich satter Gewinn funktioniert so nicht mehr. Weil die Strompreise in Deutschland unentwegt steigen, macht aber gleichzeitig eine andere Rechnung immer mehr Sinn: Solarmodule plus Batteriespeicher.

Fünf Wege in die Energie-Unabhängigkeit

Brennstoffzelle

Autarke Energieerzeugung (nur Strom): 80 bis 100 Prozent

Das geräuschlos arbeitende Gerät gewinnt aus Erdgas Wasserstoff und wandelt diesen in Wärme und Elektrizität um.

Kostet: ca. 25 000 Euro

Spart an Strom- und Heizkosten: rund 540 Euro inklusive Einspeisevergütung

Rechnet sich: frühestens nach 24 Jahren

Vorteil: Zweifache Brennstoffausnutzung, leicht nachrüstbar, geringer Wartungsaufwand. Sehr leiste.

Nachteil: Noch nicht ausrechend langzeiterprobt, erst wenige Geräte am Markt. Weiter abhängig von fossilem Brennstoff.

Mini-Blockkraftwerk (BHKW)

Autarke Energieerzeugung (nur Strom): 50 Prozent

Ein Verbrennungsmotor produziert über den Generator Strom. Die Abwärme wird für die Warmwasserbereitung genutzt.

Kostet: 17 000 Euro

Spart an Strom- und Heizkosten: Einfamilienhaus (EFH) rund 570 Euro, Mehrfamilienhaus (MFH) mind. 1500 Euro

Rechnet sich: EFH nicht unter 30 Jahren, MFH ab 5 Jahren

Vorteil: Die doppelte Ausbeute spart bis zu 60 Prozent Primärenergie. Nachrüstbar und für viele Gebäudetypen geeignet.

Nachteil: Eignet sich nur für Häuser mit hohem Wärmebedarf. Basiert auf fossilem Brennstufen. Wartungsintensiv.

Sonnenkollektor

Autarke Energieerzeugung: 50 Prozent

Der Kollektor leitet die Sonnenwärme in einen Speicher. Ein Stab erhitzt das Wasser fürs Baden, Spülen und Heizen bei Bedarf nach. Der Dachstrom versorgt elektrische Geräte.

Kostet: ca. 30 000 Euro

Spart an Strom- und Energiekosten: rund 625 Euro inklusive Einspeisevergütung

Rechnet sich: nach etwa 29 Jahren

Vorteil: Basiert auf bewährter Technik, und es ist kein separates Heizsystem notwendig. Weitgehend wartungsfrei.

Nachteil: Wegen des hohen Strombedarfs für den Heizstab extrem lange Amortisationszeit. Geringer Autarkiegrad.

Fotovoltaik/Wärmepumpe/Batterie

Autarke Energieerzeugung: 80 bis 100 Prozent

Ein Teil des Solarstroms treibt die Pumpe an, die der Außenluft oder dem Erdreich Wärme fürs Heizen entzieht. Der Rest wird selbst verbraucht oder verkauft.

Kostet: ca. 35 000 Euro

Spart an Strom- und Heizkosten: rund 1765 Euro inklusive Einspeisevergütung

Rechnet sich: nach etwa 13 Jahren

Vorteil: Hohe Unabhängigkeit von Energiepreisen. Hoher Eigenverbrauch des Stroms günstiger als Einspeisung.

Nachteil: Teuer, wird entabler, falls der Bund den Batteriekauf bezuschusst. Nur bei südlicher Dachausrichtung rentabel.

Fotovoltaik/Wärmepumpe/Batterie/Wind

Autarke Energieerzeugung: 85 bis 100 Prozent

Mit dem Dachstrom betreibt der Hausbesitzer Kühlschrank und TV oder speichert ihn in einer Batterie. Die Wärmepumpe stellt heißes Wasser fürs Heizen und Duschen bereit.

Kosten: Ca. 43 000 Euro

Spart an Strom- und Heizkosten: rund 2020 Euro inklusive Einspeisevergütung

Rechnet sich: nach etwa 15 Jahren

Vorteil: Höchste Unabhängigkeit von steigenden Energiepreisen. Das Windrad gleicht im Winter den niedrigen Solarertrag aus.

Nachteil: Sehr teuer, aber Bund plant Zuschüsse zur Batterie. Windrad in manchen Bundesländern genehmigungspflichtig

Spätestens ab 2019 wird es wirtschaftlich attraktiv, eine Photovoltaikanlage in Kombination mit einem Lithium-Ionen-Akku zu kaufen sowie bereits bestehende Solarpaneele mit einem Batteriespeicher aufzurüsten. Zu diesem Ergebnis kommen Experten der Unternehmensberatung PWC in einer Analyse zum Heimspeichermarkt, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.

Demnach sind die Zeiten, in denen Batteriespeicher nur eine Nische in der neuen Energielandschaft darstellen, bald vorbei. Solarakkus für jedermann stehen vor dem Durchbruch. Die Lithium-Ionen-Technologie ist weitgehend ausgereift. Die Preise sinken. Der Kaufanreiz wird immer größer.

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Der US-Elektroauto-Hersteller Tesla Motors bietet künftig auch Akkus an: Powerwall nennt das Unternehmen die Energiespeicher für die heimische Solaranlage. Das Konzept scheint vielversprechend. Und die Zahlen?

„Das Geschäftsmodell der privaten Photovoltaikanlage ändert sich gerade grundlegend“, sagt Norbert Schwieters. Um diesen Befund zu untermauern, genügt dem PWC-Energieexperten eine schlichte Grafik. Abgebildet ist die Entwicklung des Strompreises und der Einspeisevergütung auf Solarstrom. Während sich die Förderung für Grünstrom, der ins Netz eingespeist wird, bis 2020 auf etwa 6,8 Cent pro Kilowattstunde halbieren dürfte, klettert der Strompreis laut PWC-Prognose im gleichen Zeitraum auf rund 34 Cent pro Kilowattstunde. Die Folge: Es wird von Jahr zu Jahr nicht nur rentabler selbst Solarstrom zu erzeugen, sondern die Sonnenergie vom Tag auch für die Nacht- und Abendstunden zu speichern.

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