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28.09.2015

09:55 Uhr

RWE, EnBW, Eon

Energieversorger flirten mit Start-ups

VonLisa Hegemann

Impulse aus der Gründerszene: Immer mehr Versorger beteiligen sich an Start-ups und streben auf Zukunftsmärkte. Die Gründer sollen den Energieriesen nicht nur helfen, sich für die Zeit nach dem Atomausstieg zu wappnen.

Thermondo-Mitgründer Philipp Pausder (r): Das Start-up ermöglicht den Heizungskauf am heimischen PC. Marco Urban f�r Handelsblatt

Thermondo-Mitgründer Philipp Pausder (r): Das Start-up ermöglicht den Heizungskauf am heimischen PC.

BerlinAls das Berliner Start-up Thermondo im vergangenen Jahr nach einem Investor suchte, fiel die Wahl auf Eon. Mit mehreren Millionen Euro stieg der Energieversorger bei dem jungen Heizungsbauer ein und übernahm 20 Prozent der Anteile. Thermondo gilt als ein Vorreiter für die Digitalisierung im Handwerk: Ein Heizungswechsel über lokale Meisterteams wird online eingefädelt.

Die Liaison mit dem Stromriesen ergibt für den Gründer und Geschäftsführer Philipp Pausder viel Sinn: „Anders als andere Kandidaten konnte Eon neben dem Geld auch eine große Kundenbasis bieten“, sagt er. Eine strategische Partnerschaft sei man zwar nicht eingegangen, betont der Thermondo-Chef. Dennoch wirbt Eon auf seiner Website, den Heizungswechsel in Kooperation mit dem Start-up „schnell und komfortabel“ zu gestalten. Mit Thermondo will der Konzern ein neues Geschäftsfeld erschließen - das digitale Heizungsbusiness.

Die 10 besten Ratschläge für Unternehmer

Hab Spaß

„Das Leben ist ein Marathon und kein Sprint“, sagt Thorsten Reiter, dessen Buch „Start up – Jetzt! Endlich loslegen und es richtig machen“ gerade im Campus-Verlag erschienen ist. Genauso verhält es sich auch mit dem Bestreben als Unternehmer. Reiter: „Wer lange durchhalten will, sollte Spaß an der Sache entwickeln, der er täglich nachgeht, und vor allem daran, wie er es tut.“

Glaub an dich

Unternehmer sollten sich laut Reiter darauf konzentrieren, ihre Marke auszubauen sowie ihre Arbeit zu erledigen, und aufhören, über sich und ihr potentielles Versagen nachzudenken. „Wenn sie eines Tages scheitern, werden sie es schon merken und haben genug Zeit, im Nachhinein darüber nachzudenken.“

Glück ist eine Einstellungssache

„Jeder Gründer sollte sich entscheiden, stets Glück zu haben“, rät Thorsten Reiter. Seiner Lebensphilosophie nach liegt es in den eigenen Händen, Glück zu haben. Dabei ist für den Gründer-Experten genauso richtig, dass jeder einzelne der Herr seines Schicksals ist wie der Glaube daran, dass alles, was wir erleben, durch etwas oder jemanden vorherbestimmt ist.

Versuchen ist gut, machen ist besser

Reiter rät jungen Unternehmern nicht zu „entscheiden“, wann sie gescheitert sind. „Scheitern passiert und es bleibt keine andere Wahl, als das Scheitern zu akzeptieren und daraus zu lernen.“ Getreu dem Motto von Meister Yoda in Star Wars: „Do or do not. There is no try!“.

Nutze alle Ressourcen

Haben Sie Spaß daran, Teil von etwas zu sein und nutzen Sie das für sich. Als Unternehmer erhalten Sie Zugang zu Ressourcen, für die man sonst große Summen bezahlen müsste. Reiter: „Ein Marketingplan-Wettbewerb an einer lokalen Hochschule beispielsweise gibt der Einrichtung sowie ihren Studierenden Stoff, um sich weiter zu qualifizieren“, und Ihnen als Unternehmer einen enormen Pool an neuen Ideen.

Manchmal hilt nur: Zähne zusammenbeißen!

Jungunternehmer sollten sich schnell daran gewöhnen, die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit nicht nur auszutesten, sondern sie regelmäßig zu überschreiten. Thorsten Reiter: „Nur so können sich Gründer und Erfolgssuchende sicher sein, wo sie verlaufen.“ Und: „Im gemütlichen Nine-to-Five-Sessel lassen sich keine Märkte revolutionieren und keine Konsumentenerfahrungen erschaffen, die zu wahren Ereignissen im Leben der Kunden werden.“

Gib dein Wissen weiter

Behalten Sie niemals die Dinge, die Sie auf Ihrem Weg gelernt haben, für sich. Teilen Sie, wann immer sie können, lautet die Empfehlung des Start-Up-Experten Reiter. Halten Sie also Vorträge, geben Sie Workshops oder seien sie selbst ein Mentor für andere Entrepreneure. Reiter: „Dadurch wird auch der Gründer selbst besser, versteht seine Herangehensweisen und erhöht sein Exposure.“

The winner shares it all

Steuern Sie auf Ihrem Weg gezielt Win-Win-Win-Effekte an und ermöglichen Sie es so einer größeren Anzahl von Menschen, sich mit Ihrer Idee und der Sache, für die Sie stehen, zu identifizieren. Keine Angst, das bedeutet nicht, dass Sie etwas vom Kuchen abgeben müssen; es bedeutet, so Reiter, dass alle am Ende mehr haben. Wenn jemand also einen WLAN-produzierenden Baum entwickeln würde, wäre der zusätzliche Klimafaktor solch ein Effekt.

Verändere das Spiel der Könige

Was hat Unternehmertum mit Schach zu tun? Reagieren Sie im Business nicht nur auf die Züge des Gegners, sondern gehen Sie einen Schritt weiter über die Grenzen des Bretts hinaus, rät Thorsten Reiter. So werden die Regeln des Spiels neu definiert, das Feld wird erweitert und die Möglichkeiten sind plötzlich unzählig. Wer als Unternehmer gelernt hat, das Spiel zu durchschauen, hält einen Trumpf in der Hand, der die Konkurrenz ins Chaos stürzen kann. Reiter: „Manchmal ist ein vermeintlich irrationaler Zug der entscheidende Schlag, und was von außen wie Chaos erscheint, ist lediglich die strategische Wendung hin zum eigenen Competitive Advantage und ein echter Game Changer.“

Finde deine Antworten

Sind Sie ein Unternehmer? Haben Sie den Mut dazu, Ihr Leben – egal ob angestellt oder selbstständig – nachhaltig zu verändern? Ist das der richtige, der einzige Weg? Diese Fragen möchten Thorsten Reiter jedem potentielen Gründer mit auf den Weg geben, denn er kann lediglich Denkanstöße geben. Die Antworten darauf muss jeder für sich selber finden. Reiter: „Ob du ins Abenteuer Unternehmertum aufbrechen wirst, ob diese Reise für dich bestimmt ist, kannst nur du selbst sagen. Nur du kannst diese Antworten geben.“

Start-up-Kultur belebt die Konzerne: Immer öfter versuchen Versorger, innovatives Neugeschäft im eigenen Konzern zu etablieren oder zumindest anzudocken. Auch RWE und EnBW haben ihre Aktivitäten rund um die Gründerszene massiv ausgeweitet. Mit eigenen Acceleratoren, Start-up-Zentren und Risikokapital-Fonds versuchen sie, die jungen Firmen für sich zu gewinnen.

Die Start-ups sollen den alteingesessenen Energieriesen mit ihren Smart-Home-Apps, dezentralen Versorgungsideen oder auch Stromsparkonzepten dabei helfen, sich für die Zeit nach dem Atomausstieg zu wappnen und Zugang zu schaffen zu neuen Geschäftsfeldern und Kundengruppen.

Das ist auch nötig: Auf die Konzerne kommen nach den erlittenen Einbrüchen weitere Belastungen zu. Die Nichtregierungsorganisation Carbon Disclosure Project hat kürzlich die Geschäftsmodelle europäischer Energieversorger untersucht und den größten deutschen Anbietern ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Grund ist der noch immer hohe Kohleanteil bei der Stromerzeugung.

Die Energieversorgung der Zukunft wird dezentraler, immer häufiger kommt der Strom vom Solardach des Privatkunden. Darauf müssen sich die Versorger einstellen: „Das ist eine veränderte Rolle“, sagt Torsten Henzelmann, Energieexperte der Unternehmensberatung Roland Berger. Mit Investitionen auch in Start-ups werde nun gegengesteuert. „Start-ups denken in Problemlösungen von der Kundenseite“, sagt der Experte. Und bei der dezentralen Versorgung spielt der Verbraucher eine größere Rolle.

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