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29.09.2015

10:21 Uhr

Sparen mit System

Die Energiefresser im Visier

VonJakob Struller

Viele Industriebetriebe könnten ihre Heiz- und Stromkosten massiv senken. Doch es fehlt vielfach ein strategisches Energiemanagement. Dabei können sie gleich doppelt profitieren, denn sie schonen nicht nur die Umwelt.

Ventilatorenfertigung bei EBM-Papst in Mulfingen: Der Mittelständler ist Vorreiter in Sachen Energieeffizienz. ebm Papst

Ventilatorenfertigung bei EBM-Papst in Mulfingen: Der Mittelständler ist Vorreiter in Sachen Energieeffizienz.

KölnBeim Energiesparen lässt EBM-Papst die Anfänger ran. Vor fünf Jahren ernannte der Hersteller von Elektromotoren und Ventilatoren in Mulfingen seine Auszubildenden zu Energiescouts. Seitdem durchforsten sie die Werkshallen nach Möglichkeiten, den Verbrauch zu senken. Inzwischen haben sie über 500 Vorschläge geliefert. So hat EBM-Papst schon eine Million Euro an Energiekosten eingespart.

Die Idee macht Schule: Inzwischen werden deutschlandweit bei Industrie- und Handelskammern mehr als 1.000 Auszubildende zu Energiescouts geschult. Auch die Politik zeigt Anerkennung: Bundesumweltministerin Barbara Hendricks zeichnete jüngst in Berlin die zehn besten Scouts aus.

Fünf Wege in die Energie-Unabhängigkeit

Brennstoffzelle

Autarke Energieerzeugung (nur Strom): 80 bis 100 Prozent

Das geräuschlos arbeitende Gerät gewinnt aus Erdgas Wasserstoff und wandelt diesen in Wärme und Elektrizität um.

Kostet: ca. 25 000 Euro

Spart an Strom- und Heizkosten: rund 540 Euro inklusive Einspeisevergütung

Rechnet sich: frühestens nach 24 Jahren

Vorteil: Zweifache Brennstoffausnutzung, leicht nachrüstbar, geringer Wartungsaufwand. Sehr leiste.

Nachteil: Noch nicht ausrechend langzeiterprobt, erst wenige Geräte am Markt. Weiter abhängig von fossilem Brennstoff.

Mini-Blockkraftwerk (BHKW)

Autarke Energieerzeugung (nur Strom): 50 Prozent

Ein Verbrennungsmotor produziert über den Generator Strom. Die Abwärme wird für die Warmwasserbereitung genutzt.

Kostet: 17 000 Euro

Spart an Strom- und Heizkosten: Einfamilienhaus (EFH) rund 570 Euro, Mehrfamilienhaus (MFH) mind. 1500 Euro

Rechnet sich: EFH nicht unter 30 Jahren, MFH ab 5 Jahren

Vorteil: Die doppelte Ausbeute spart bis zu 60 Prozent Primärenergie. Nachrüstbar und für viele Gebäudetypen geeignet.

Nachteil: Eignet sich nur für Häuser mit hohem Wärmebedarf. Basiert auf fossilem Brennstufen. Wartungsintensiv.

Sonnenkollektor

Autarke Energieerzeugung: 50 Prozent

Der Kollektor leitet die Sonnenwärme in einen Speicher. Ein Stab erhitzt das Wasser fürs Baden, Spülen und Heizen bei Bedarf nach. Der Dachstrom versorgt elektrische Geräte.

Kostet: ca. 30 000 Euro

Spart an Strom- und Energiekosten: rund 625 Euro inklusive Einspeisevergütung

Rechnet sich: nach etwa 29 Jahren

Vorteil: Basiert auf bewährter Technik, und es ist kein separates Heizsystem notwendig. Weitgehend wartungsfrei.

Nachteil: Wegen des hohen Strombedarfs für den Heizstab extrem lange Amortisationszeit. Geringer Autarkiegrad.

Fotovoltaik/Wärmepumpe/Batterie

Autarke Energieerzeugung: 80 bis 100 Prozent

Ein Teil des Solarstroms treibt die Pumpe an, die der Außenluft oder dem Erdreich Wärme fürs Heizen entzieht. Der Rest wird selbst verbraucht oder verkauft.

Kostet: ca. 35 000 Euro

Spart an Strom- und Heizkosten: rund 1765 Euro inklusive Einspeisevergütung

Rechnet sich: nach etwa 13 Jahren

Vorteil: Hohe Unabhängigkeit von Energiepreisen. Hoher Eigenverbrauch des Stroms günstiger als Einspeisung.

Nachteil: Teuer, wird entabler, falls der Bund den Batteriekauf bezuschusst. Nur bei südlicher Dachausrichtung rentabel.

Fotovoltaik/Wärmepumpe/Batterie/Wind

Autarke Energieerzeugung: 85 bis 100 Prozent

Mit dem Dachstrom betreibt der Hausbesitzer Kühlschrank und TV oder speichert ihn in einer Batterie. Die Wärmepumpe stellt heißes Wasser fürs Heizen und Duschen bereit.

Kosten: Ca. 43 000 Euro

Spart an Strom- und Heizkosten: rund 2020 Euro inklusive Einspeisevergütung

Rechnet sich: nach etwa 15 Jahren

Vorteil: Höchste Unabhängigkeit von steigenden Energiepreisen. Das Windrad gleicht im Winter den niedrigen Solarertrag aus.

Nachteil: Sehr teuer, aber Bund plant Zuschüsse zur Batterie. Windrad in manchen Bundesländern genehmigungspflichtig

„Intelligentes Wirtschaften bei maximaler Energieeffizienz“ - so lautet der Leitsatz von EBM-Papst. Gleich reihenweise gewinnt der Mittelständler Auszeichnungen wie den Deutschen Nachhaltigkeitspreis und soll so anderen ein Vorbild geben. Oft fehlt Unternehmen die klare Strategie bei der Energieeffizienz. „Dabei können sie gleich doppelt profitieren: Sie schonen die Umwelt und stärken damit ihr Image. Zudem sparen sie Geld“, sagt Alexander Sauer, Leiter des Instituts für Energieeffizienz in der Produktion an der Uni Stuttgart.

Der Wille zur Effizienz ist grundsätzlich vorhanden. In einer Umfrage der Zertifizierungsgesellschaft DNV GL im Juli gaben mehr als zwei Drittel von 1.500 Unternehmen an, dass sie hier investieren. Fast drei Viertel räumten aber ein, dass sie keinen systematischen Ansatz, etwa ein Energiemanagement, haben. „Es ist ein großer Unterschied, ob man nur die Beleuchtung in der Produktionshalle optimiert oder ob man sich die Energieströme im Produktionsprozess systematisch anschaut“, sagt Sauer.

Was ein systematischer Ansatz bewirken kann, zeigt das Beispiel Vaillant. Am Standort Gelsenkirchen reduzierte der Heiztechnikanbieter den Energieverbrauch um 1,9 Millionen Kilowattstunden. Das senkt die Kosten um 187.000 Euro im Jahr, der CO2-Ausstoß vermindert sich um 798 Tonnen. Dafür wurde Vaillant von der Deutschen Energie-Agentur ausgezeichnet.

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