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09.11.2015

05:29 Uhr

Toyota Mirai und Hyundai ix35 Fuel Cell

Wasserstoff-Autos als neue Hoffnung

VonLukas Bay

Der Wasserstoff wurde schon als das neue Öl gefeiert – dann wurde es ruhig um den alternativen Treibstoff. Jetzt kommen zwei neue Wasserstoffmodelle nach Deutschland. Sie sind die Vorboten einer erneuten Offensive.

Toyotas Wasserstoffauto Mirai ist nicht nur optisch eine auffällige Erscheinung. Seine Technik könnte bald auch bei BMW serienreif eingesetzt werden. ap

Revolutionär oder Einzelgänger?

Toyotas Wasserstoffauto Mirai ist nicht nur optisch eine auffällige Erscheinung. Seine Technik könnte bald auch bei BMW serienreif eingesetzt werden.

Hamburg/DüsseldorfEs noch nicht lange her, da dachte man auch in Deutschland, dass dem Wasserstoff die Zukunft gehören werde. Konzerne wie BMW und Daimler investierten Milliarden in die Technologie, versprachen serienreife Modelle. „Wasserstoff“, jubelte Daimler-Chef Dieter Zetsche noch im Jahr 2013, „wird das neue Öl“. Doch auf serienreife Modelle aus Deutschland wartet man bisher noch vergeblich.

Stattdessen bringen die asiatischen Autobauer die Diskussion um den Antrieb wieder ins Rollen: Mit dem Toyota Mirai und dem Hyundai ix35 Fuel Cell starten in diesen Tagen gleich zwei serienreife Wasserstoff-Autos im deutschen Markt. Der Strom in der Brennstoffzelle wird durch die chemische Reaktion von Wasserstoff mit dem Sauerstoff der Umgebungsluft erzeugt. Aus dem Auspuff kommt dadurch reines Wasser statt giftiger Abgase. Auch wenn die aktuelle Diskussion um den Diesel der sauberen Technologie eigentlich Rückenwind verschaffen sollte, bremsen die Verantwortlichen die Erwartungen. Eine schnelle Alternative scheint auch der Wasserstoffantrieb nicht zu sein.

Bei der Präsentation des Mirai in Hamburg erklärt Chefentwickler Yoshikazu Tanaka gar, dass bis zum Durchbruch wohl noch „zehn, zwanzig oder vielleicht noch mehr Jahre“ vergehen werden. Seine Botschaft: Wasserstoff sei langfristig unverzichtbar – in friedlicher Koexistenz mit dem Elektroauto. Man brauche aber einen langen Atem, um die Technologie massentauglich zu machen. Für die Revolution lässt man sich Zeit. Man braucht sie auch.

Das Wichtigste über Wasserstoff und Brennstoffzellen

Wasserstoff und Brennstoffzelle

Wasserstoff ist im Gegensatz zum Öl kein begrenzter Rohstoff. Es ist das am häufigsten vorkommende chemische Element. Größter Erzeuger ist die chemische Industrie, die Wasserstoff als Neben- oder Koppelprodukt herstellt. Allein damit könnten in Deutschland nach Angaben des Technologiekonzerns Linde 750.000 Fahrzeuge betrieben werden.

Das Prinzip

Das Prinzip ist einfach, die technische Umsetzung aber anspruchsvoll: Bei der energieaufwendigen Elektrolyse wird Wasser mit Hilfe von Elektrizität in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten. Wasserstoff ist ein flüchtiges und reaktionsfreudiges Gas, das nur unter hohem Druck oder extrem gekühlt gelagert werden kann.

Wirkungsweise

In einer Brennstoffzelle erzeugen Wasserstoff und Sauerstoff an einer Membran in einer sogenannten kalten Verbrennung Elektrizität. Dabei entsteht auch Wärme. Das Abgas ist Wasserdampf. In einem Auto kann mit einer Brennstoffzelle ein Elektromotor angetrieben werden.

Teures Platin

Bei den Kosten ist Platin, das in der Brennstoffzelle als Katalysator dient, ein gewichtiger Faktor. Eine Feinunze (31,1 Gramm) des edlen und seltenen Metalls kostet derzeit rund 1.000 Euro. Aktuell benötigen die Hersteller für den Brennstoffzellenantrieb eines Autos zwischen 30 und 40 Gramm Platin. Zwar peilt man Werte von 6 – 10 Gramm pro Auto an, völlig platinfreie Lösungen sind aber noch nicht in Sicht.

Umstrittene Erzeugung

Umstritten ist aber die Erzeugung des Wasserstoffs. Bislang wird der Energieträger zu 90 Prozent aus dem fossilen Rohstoff Erdgas hergestellt. Während aus dem Auspuff eines Brennstoffzellenautos nur Wasserdampf entweicht, wird bei der Herstellung des Wasserstoffs das klimaschädliche Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) freigesetzt. Wird Wasserstoff aber mit Hilfe von Strom aus Windenergie oder Photovoltaik gewonnen, ist die Klimabilanz deutlich besser.

Reichweite

Die Reichweite von Autos mit Brennstoffzelle ist deutlich größer als die der batteriegetriebenen Fahrzeuge. Ein Beispiel: Eine Mercedes-Benz B-Klasse mit Brennstoffzelle hat nach Unternehmensangaben eine Reichweite von 385 Kilometern, der Elektro-Smart mit Batterie kann bis zu 135 Kilometer zurücklegen.

Denn mit einem Preis von 78.540 Euro für den Toyota Mirai, bzw. 65.450 Euro für den Hyundai ix35 Fuel Cell rangieren die Fahrzeuge mit Brennstoffzelle preislich immer noch deutlich über dem Verbrenner. Das wissen auch die Hersteller. Man richte sich an „progressive Technologiefans“ als Zielgruppe, erklärt Toyota. 700 Exemplare des Mirai sollen im ersten Jahren produziert werden, davon gehen nur wenige nach Deutschland. Aber der Marktanteil soll sukzessive erhöht werden. Nächstes Jahr sollen es bereits 2.000 Mirai vom Band laufen – bis man in einigen Jahren eine Produktion von 30.000 erreicht haben will. Bis dahin muss aber die Brennstoffzelle deutlich günstiger werden.

Lange war es vor allem das verbaute Platin, das die Brennstoffzelle so teuer machte, dass sie kaum für den Massenmarkt geeignet schien. Künftig wolle man den Platin-Anteil deutlich verringern und die Brennstoffzelle so bezahlbarer machen, heißt es aus der Industrie.

Und auch beim bisher sehr dünnen Tankstellennetz soll sich in den nächsten Jahren etwas tun. OMV, Shell und Total verkündeten Mitte Oktober gemeinsam mit Air Liquide, Daimler und Linde, die H2 Mobility Initiative. Bis 2023 sollen in Deutschland rund 400 Wasserstofftankstellen gebaut werden. Derzeit sind es deutschlandweit davon rund 50. Für eine flächendeckende Versorgung wären rund 1000 Tankstellen nötig.

Kommentare (33)

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Herr Marc Otto

09.11.2015, 08:54 Uhr

Wasserstoff könnte sich wirklich zur neuen Technik entwickeln. Wenn man die Kunden langsam darauf vorbereitet, kann es echt ein Hit werden. Vor allwem hätte das aber den Vorteil, dass wir und Japan dann den Weltmarkt fast alleine beherrschen würden.

Herr Hans Langer

09.11.2015, 08:59 Uhr

Warum nutzen wir immer noch nicht die Raumernergie, die wäre kostenlos. Das werden aber die großen Konzerne zu verhindern wissen.

Account gelöscht!

09.11.2015, 08:59 Uhr

Weder der Energieträger Wasserstoff noch Batterien können mit dem Energieträger Erdgas und vor allen Oel konkurieren. Hier geht es mas wieder um staatliche Subvenionsabzocke.
Seit Jahren wird immer Wieder der Schwachsinn von Wasserstoff und E-Autos aus der Schublade geholt und seit Jahren ist dies nur eine ganz Große Subventionsabzockemasche. Und wer Subventionen bezieht, der ist von vornherein schon nicht marktfähig und wettbewerbsfähig.

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