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10.12.2015

13:53 Uhr

Treibhausgas CO2

Pflanzen bremsen Klimawandel kaum

Quelle:Spektrum.de

Mehr Kohlendioxid in der Atmosphäre begünstigt das Wachstum von Pflanzen, die dann wieder einen Teil des Treibhausgases binden - so dachten Klimaforscher bisher. Doch offenbar wird der Effekt deutlich überschätzt.

Pflanzen bremsen den Klimawandel offenbar weniger stark als bislang angenommen. dpa

Regenwald in Borneo

Pflanzen bremsen den Klimawandel offenbar weniger stark als bislang angenommen.

HeidelbergLange Zeit nahm man in der Klimaforschung an, mehr Kohlendioxid in der Atmosphäre würde auch das Pflanzenwachstum beschleunigen, so dass ein Teil des Treibhausgases gleich wieder gebunden wäre. Satellitenmessungen zeigen nun aber, dass die globale Flora hinter den in sie gesetzten Hoffnungen zurückbleibt.

Wie ein Forscherteam um William Kolby Smith von der University of Minnesota nun berichtet, wachsen Pflanzen in den letzten 30 Jahren zwar besser, aber nicht einmal halb so viel, wie man angesichts des zunehmenden CO2-Gehalts der Atmosphäre erwartet hätte. Demnach überschätzen gängige Klimamodelle, wie viel Kohlendioxid die Menschheit noch abgeben kann, wenn die globale Mitteltemperatur um weniger als zwei Grad steigen soll.

Die wichtigsten Schlagworte zum Klimawandel

Globale Erwärmung

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Temperatur auf der Erde um gut 0,8 Grad Celsius angestiegen. Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts (von 2001 bis 2010) war nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie das heißeste seit 1881 - im Durchschnitt betrug die Temperatur 14,47 Grad an der Land- und Meeresoberfläche und damit 0,47 Grad mehr als im Durchschnitt zwischen 1961 und 1990.

Anstieg des Meeresspiegels

Der Anstieg des Meeresspiegels hat sich in den vergangenen 20 Jahren beschleunigt. Laut dem IPCC-Bericht von 2007 dürfte der Meeresspiegel bis zum Endes dieses Jahrhunderts um zwischen 18 und 59 Zentimeter ansteigen. Im neuen Bericht dürfte diese Zahl angehoben werden. Studien zufolge geht der Anstieg zu rund einem Drittel darauf zurück, dass sich das Wasser bei zunehmender Wärme ausdehnt, zu einem weiteren Drittel auf das Schmelzen von Gletschern und zu etwas weniger als einem Drittel auf das Abschmelzen der Eiskappen in Grönland und der Antarktis.

Eisschmelze

Die Arktis erlebte im vergangenen Jahr eine Rekord-Eisschmelze. Laut der US-Behörde für Ozeanologie und Atmosphärenforschung (NOAA) verkleinerte sich die Eisfläche in der Arktis 2012 auf 3,41 Millionen Quadratkilometer. Das ist die kleinste Fläche seit Beginn der Satelliten-Beobachtung der Region vor 34 Jahren und 18 Prozent weniger als der bisherige Niedrigrekord aus dem Jahr 2007. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Gewässer rund um den Nordpol bis 2050 im Sommer eisfrei sein könnten.

Gletscherschwund

Bei Gebirgsgletschern wird weltweit eine starke Eisschmelze beobachtet, etwa im Himalaya-Gebirge oder in den südamerikanischen Anden. Die Gletscher der Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien könnten bis 2050 ganz verschwunden sein.

Extreme Wetterphänomene

In einem Sonderbericht hatte der Weltklimarat IPCC im November 2011 festgehalten, dass es im Zuge der Erderwärmung zu einer Zunahme extremer Wetterphänomene wie heftiger Regenfälle, Hitzewellen und Dürreperioden gekommen ist und diese Entwicklung anhalten wird. 2012 wurden laut eine Untersuchung etwa die Hälfte aller Extremwetterphänomene durch den Klimawandel verstärkt.

Artensterben

Unter einem weiteren Temperaturanstieg wird auch die Tier- und Pflanzenwelt leiden. Ein Anstieg zwischen 1,5 und 2,4 Grad im Vergleich zu den 20 letzten Jahren des 20. Jahrhunderts würde dafür sorgen, dass 20 bis 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht würden.

Zwei-Grad-Ziel

Internationales Ziel ist es, den Temperaturanstieg bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf zwei Grad zu beschränken. Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen wird der Anstieg aber zwischen drei und fünf Grad betragen, wenn es bei den bisherigen Bemühungen zur Reduzierung von Treibhausgasen bleibt.

Climategate

Im November 2009 drangen Hacker in die Computer des Klimaforschungszentrums der University of East Anglia ein, stahlen mehrere tausend Dokumente und veröffentlichten sie im Internet als angebliche Belege für wissenschaftliches Fehlverhalten der Klimaforscher. Mehrere Untersuchungen unabhängiger Institutionen konnten allerdings keine Hinweise auf ein solches Fehlverhalten nachweisen.

Wie Ökosysteme auf den Klimawandel reagieren, ist schwierig herauszufinden, doch als gesichert galt: Mehr Kohlendioxid treibt das Pflanzenwachstum an, und zwar in recht vorhersehbarer Weise – ein Effekt, den man sich auch technisch zu Nutze macht.

Doch dass mehr Treibhausgas auch global diesen Effekt hat, scheint eine Fehleinschätzung gewesen zu sein: Denn während die Modelle etwa acht Prozent mehr Pflanzenwachstum vorhersagen, zeigen die Satellitenmessungen lediglich knapp drei Prozent zusätzliche Pflanzenmasse.

Zwei naheliegende Faktoren scheinen verantwortlich zu sein, dass sich Modelle und Satellitenmessungen so deutlich unterscheiden: Wasser und Nährstoffe. Einerseits deuten Satellitenmessungen auch darauf hin, dass die höheren Temperaturen die Pflanzen unter Wasserstress setzen. Andererseits kann es aber auch einfach sein, dass Kohlendioxid in vielen Gebieten nicht der limitierende Faktor des Pflanzenwachstums ist – sondern Nährstoffe wie Stickstoff oder Phosphor.

Von

Lars Fischer

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