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27.11.2015

11:46 Uhr

Umwelt

Wie der Klimawandel die Gesundheit belastet

VonSilke Kersting

Das Schadenspotenzial für Gesellschaft, Wirtschaft und Natur steigt – das beweist eine deutschlandweite Studie der Bundesregierung. Stürme, starker Regen und Hochwasser, aber auch Trockenheit oder Hitzewellen nehmen zu.

Die Folgen des Klimawandels werden Deutschland künftig stärker treffen. dpa

Stürme, Hitzewellen, Trockenheit

Die Folgen des Klimawandels werden Deutschland künftig stärker treffen.

Die Folgen des Klimawandels werden sich künftig in Deutschland verstärkt bemerkbar machen. Stürme, starker Regen und Hochwasser, aber auch Trockenheit oder Hitzewellen nehmen zu – was die Schäden für Gesellschaft, Wirtschaft und Natur in die Höhe treibt.

Das zeigt eine Vulnerabilitätsanalyse, die das Bundesumweltministerium gemeinsam mit 16 Bundesbehörden und - institutionen sektorübergreifend erstellt hat. Vulnerabilität meint die mögliche Verwundbarkeit Deutschlands durch den Klimawandel.

Die Zunahme der Anzahl heißer Tage ist das deutlichste Klimasignal, so die Botschaft der Studie. Mit möglicherweise erheblichen Auswirkungen für das deutsche Gesundheitssystem, weil die Hitzebelastung auf eine alternde Gesellschaft trifft. „Da rasen zwei Züge aufeinander zu“, so Paul Becker, Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes, „der Klimawandel und der demografische Wandel.“

Die wichtigsten Schlagworte zum Klimawandel

Globale Erwärmung

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Temperatur auf der Erde um gut 0,8 Grad Celsius angestiegen. Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts (von 2001 bis 2010) war nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie das heißeste seit 1881 - im Durchschnitt betrug die Temperatur 14,47 Grad an der Land- und Meeresoberfläche und damit 0,47 Grad mehr als im Durchschnitt zwischen 1961 und 1990.

Anstieg des Meeresspiegels

Der Anstieg des Meeresspiegels hat sich in den vergangenen 20 Jahren beschleunigt. Laut dem IPCC-Bericht von 2007 dürfte der Meeresspiegel bis zum Endes dieses Jahrhunderts um zwischen 18 und 59 Zentimeter ansteigen. Im neuen Bericht dürfte diese Zahl angehoben werden. Studien zufolge geht der Anstieg zu rund einem Drittel darauf zurück, dass sich das Wasser bei zunehmender Wärme ausdehnt, zu einem weiteren Drittel auf das Schmelzen von Gletschern und zu etwas weniger als einem Drittel auf das Abschmelzen der Eiskappen in Grönland und der Antarktis.

Eisschmelze

Die Arktis erlebte im vergangenen Jahr eine Rekord-Eisschmelze. Laut der US-Behörde für Ozeanologie und Atmosphärenforschung (NOAA) verkleinerte sich die Eisfläche in der Arktis 2012 auf 3,41 Millionen Quadratkilometer. Das ist die kleinste Fläche seit Beginn der Satelliten-Beobachtung der Region vor 34 Jahren und 18 Prozent weniger als der bisherige Niedrigrekord aus dem Jahr 2007. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Gewässer rund um den Nordpol bis 2050 im Sommer eisfrei sein könnten.

Gletscherschwund

Bei Gebirgsgletschern wird weltweit eine starke Eisschmelze beobachtet, etwa im Himalaya-Gebirge oder in den südamerikanischen Anden. Die Gletscher der Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien könnten bis 2050 ganz verschwunden sein.

Extreme Wetterphänomene

In einem Sonderbericht hatte der Weltklimarat IPCC im November 2011 festgehalten, dass es im Zuge der Erderwärmung zu einer Zunahme extremer Wetterphänomene wie heftiger Regenfälle, Hitzewellen und Dürreperioden gekommen ist und diese Entwicklung anhalten wird. 2012 wurden laut eine Untersuchung etwa die Hälfte aller Extremwetterphänomene durch den Klimawandel verstärkt.

Artensterben

Unter einem weiteren Temperaturanstieg wird auch die Tier- und Pflanzenwelt leiden. Ein Anstieg zwischen 1,5 und 2,4 Grad im Vergleich zu den 20 letzten Jahren des 20. Jahrhunderts würde dafür sorgen, dass 20 bis 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht würden.

Zwei-Grad-Ziel

Internationales Ziel ist es, den Temperaturanstieg bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf zwei Grad zu beschränken. Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen wird der Anstieg aber zwischen drei und fünf Grad betragen, wenn es bei den bisherigen Bemühungen zur Reduzierung von Treibhausgasen bleibt.

Climategate

Im November 2009 drangen Hacker in die Computer des Klimaforschungszentrums der University of East Anglia ein, stahlen mehrere tausend Dokumente und veröffentlichten sie im Internet als angebliche Belege für wissenschaftliches Fehlverhalten der Klimaforscher. Mehrere Untersuchungen unabhängiger Institutionen konnten allerdings keine Hinweise auf ein solches Fehlverhalten nachweisen.

Infrastrukturen, die sehr große Sachwerte darstellen, können vor allem durch Extremwetterereignisse wie das Elbhochwasser 2013 schwer beschädigt werden. Erwartet wird auch eine Zunahme hitzebedingter Schäden an Straßen und Schieneninfrastruktur. Weitere Folgen sind Ernteausfälle oder eine erhöhte Waldbrandgefahr.

Das zeige, dass „wir bis 2050 nicht nur die Dekarbonisierung erreichen müssen“, also die Abkehr von fossilen Rohstoffen, sagte die parlamentarische Staatssekretärin im Umweltministerium, Rita Schwarzelühr-Sutter, „sondern Deutschland auch klimasicher machen müssen“. Die Erkenntnisse der Studie will die Regierung nutzen, mögliche Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel zu entwickeln.

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