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07.12.2015

12:17 Uhr

UN-Chef Ban Ki Moon

Ban drängt die reichen Länder zur Führungsrolle beim Klimaschutz

Vonap

Der Weltklimagipfel vor den Toren von Paris geht in die entscheidende Verhandlungswoche. Die vorläufige Bilanz ist gemischt. Zeit für den UN-Chef, die Unterhändler an ihre Verantwortung zu erinnern.

Der UN-Chef erinnert die Unterhändler an ihre Verantwortung. AFP

Ban Ki Moon

Der UN-Chef erinnert die Unterhändler an ihre Verantwortung.

ParisBeim Weltklimagipfel hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die Industrieländer gemahnt, im Kampf gegen die globale Erwärmung eine Führungsrolle zu übernehmen. Gleichzeitig müssten auch Entwicklungsländer entsprechend ihrer Möglichkeiten mehr Verantwortung übernehmen, sagte Ban am Montag zum Auftakt der zweiten Verhandlungswoche in Le Bourget bei Paris.

Die wichtigsten Schlagworte zum Klimawandel

Globale Erwärmung

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Temperatur auf der Erde um gut 0,8 Grad Celsius angestiegen. Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts (von 2001 bis 2010) war nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie das heißeste seit 1881 - im Durchschnitt betrug die Temperatur 14,47 Grad an der Land- und Meeresoberfläche und damit 0,47 Grad mehr als im Durchschnitt zwischen 1961 und 1990.

Anstieg des Meeresspiegels

Der Anstieg des Meeresspiegels hat sich in den vergangenen 20 Jahren beschleunigt. Laut dem IPCC-Bericht von 2007 dürfte der Meeresspiegel bis zum Endes dieses Jahrhunderts um zwischen 18 und 59 Zentimeter ansteigen. Im neuen Bericht dürfte diese Zahl angehoben werden. Studien zufolge geht der Anstieg zu rund einem Drittel darauf zurück, dass sich das Wasser bei zunehmender Wärme ausdehnt, zu einem weiteren Drittel auf das Schmelzen von Gletschern und zu etwas weniger als einem Drittel auf das Abschmelzen der Eiskappen in Grönland und der Antarktis.

Eisschmelze

Die Arktis erlebte im vergangenen Jahr eine Rekord-Eisschmelze. Laut der US-Behörde für Ozeanologie und Atmosphärenforschung (NOAA) verkleinerte sich die Eisfläche in der Arktis 2012 auf 3,41 Millionen Quadratkilometer. Das ist die kleinste Fläche seit Beginn der Satelliten-Beobachtung der Region vor 34 Jahren und 18 Prozent weniger als der bisherige Niedrigrekord aus dem Jahr 2007. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Gewässer rund um den Nordpol bis 2050 im Sommer eisfrei sein könnten.

Gletscherschwund

Bei Gebirgsgletschern wird weltweit eine starke Eisschmelze beobachtet, etwa im Himalaya-Gebirge oder in den südamerikanischen Anden. Die Gletscher der Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien könnten bis 2050 ganz verschwunden sein.

Extreme Wetterphänomene

In einem Sonderbericht hatte der Weltklimarat IPCC im November 2011 festgehalten, dass es im Zuge der Erderwärmung zu einer Zunahme extremer Wetterphänomene wie heftiger Regenfälle, Hitzewellen und Dürreperioden gekommen ist und diese Entwicklung anhalten wird. 2012 wurden laut eine Untersuchung etwa die Hälfte aller Extremwetterphänomene durch den Klimawandel verstärkt.

Artensterben

Unter einem weiteren Temperaturanstieg wird auch die Tier- und Pflanzenwelt leiden. Ein Anstieg zwischen 1,5 und 2,4 Grad im Vergleich zu den 20 letzten Jahren des 20. Jahrhunderts würde dafür sorgen, dass 20 bis 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht würden.

Zwei-Grad-Ziel

Internationales Ziel ist es, den Temperaturanstieg bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf zwei Grad zu beschränken. Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen wird der Anstieg aber zwischen drei und fünf Grad betragen, wenn es bei den bisherigen Bemühungen zur Reduzierung von Treibhausgasen bleibt.

Climategate

Im November 2009 drangen Hacker in die Computer des Klimaforschungszentrums der University of East Anglia ein, stahlen mehrere tausend Dokumente und veröffentlichten sie im Internet als angebliche Belege für wissenschaftliches Fehlverhalten der Klimaforscher. Mehrere Untersuchungen unabhängiger Institutionen konnten allerdings keine Hinweise auf ein solches Fehlverhalten nachweisen.

Bis Freitag soll dort ein globaler Klimapakt ausgehandelt sein, der den Ausstoß von Treibhausgasen weltweit begrenzt und milliardenschwere Hilfen für ärmere Länder festschreibt. Am Samstag hatten die Unterhändler einen 48 Seiten starken vorläufigen Entwurf vorgelegt, in dem aber die wichtigsten Fragen noch nicht geklärt sind. Die Knackpunkte sollen nun Minister aus mehr als 190 Ländern ausräumen. Für Deutschland verhandelt Umweltministerin Barbara Hendricks, für die USA Außenminister John Kerry.

Ban setzte sich für eine strikte Überwachung der Zusagen einzelner Länder im Rahmen des Abkommens ein. Er erinnerte erneut an die dramatischen Folgen des Klimawandels in einzelnen Ländern, etwa den pazifischen Inselstaaten, die mit steigenden Wasserpegeln unbewohnbar werden könnten. Ein junges Mädchen aus Kiribati habe ihn gefragt, was die Vereinten Nationen für sie tun könnten, sagte Ban. „Was wird aus uns werden?“, habe sie gefragt.

Am Sonntagabend hatte bereits der indische Umweltminister Prakash Javadekar die Industrieländer zu weitreichenden Zusagen und Opfern für den Klimaschutz gedrängt. Die reichen Länder hätten ihr Konto bei der Verschmutzung der Atmosphäre überzogen, und Indien setze sich dafür ein, dass sie ihre Schulden zurückzahlten, erklärte der Minister. Zur Halbzeit der Pariser Klimaverhandlungen sei die Substanz noch nicht zur Hälfte erreicht, vielmehr stünden die Gespräche bisweilen am Scheideweg.

Das geplante Abkommen soll 2020 in Kraft treten und sicherstellen, dass sich die Erde - gemessen an den Werten vor der Industrialisierung - nicht um mehr als zwei Grad aufheizt. Dieser Wert wird von Wissenschaftlern als gerade noch ausreichend gesehen, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels wie katastrophale Stürme, Dürren und Überschwemmungen zu begrenzen.

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