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13.12.2015

09:19 Uhr

UN-Klimagipfel und die Reaktionen

„Unser Kopf bleibt über Wasser“

Die ganze Welt freut sich über die Einigung auf dem Klimagipfel von Paris. Selten ist sich die Menschheit so einig darüber, dass im richtigen Moment etwas getan worden ist. Doch mit der Einigung fängt die Arbeit erst an.

Auch US-Präsident Obama lobt die Einigung von Paris bei einem Pressetermin im Weißen Haus. Reuters

Der Kommentar von Barack Obama

Auch US-Präsident Obama lobt die Einigung von Paris bei einem Pressetermin im Weißen Haus.

ParisNach der Einigung auf dem Klimagipfel in Paris ist das Ergebnis weltweit gefeiert worden. Allerdings wurde in den ersten Reaktionen immer wieder betont, dass die eigentliche Arbeit im Kampf gegen die Erderwärmung noch geleistet werden müsse.

„Mit dem heute verabschiedeten Klimavertrag hat sich zum ersten Mal die gesamte Weltgemeinschaft zum Handeln verpflichtet“, erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel am späten Samstagabend. „Ungeachtet der Tatsache, dass noch viel Arbeit vor uns liegt, ist dies ein Zeichen der Hoffnung, dass es uns gelingt, die Lebensbedingungen von Milliarden Menschen auch in Zukunft zu sichern.“

Die wichtigsten Schlagworte zum Klimawandel

Globale Erwärmung

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Temperatur auf der Erde um gut 0,8 Grad Celsius angestiegen. Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts (von 2001 bis 2010) war nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie das heißeste seit 1881 - im Durchschnitt betrug die Temperatur 14,47 Grad an der Land- und Meeresoberfläche und damit 0,47 Grad mehr als im Durchschnitt zwischen 1961 und 1990.

Anstieg des Meeresspiegels

Der Anstieg des Meeresspiegels hat sich in den vergangenen 20 Jahren beschleunigt. Laut dem IPCC-Bericht von 2007 dürfte der Meeresspiegel bis zum Endes dieses Jahrhunderts um zwischen 18 und 59 Zentimeter ansteigen. Im neuen Bericht dürfte diese Zahl angehoben werden. Studien zufolge geht der Anstieg zu rund einem Drittel darauf zurück, dass sich das Wasser bei zunehmender Wärme ausdehnt, zu einem weiteren Drittel auf das Schmelzen von Gletschern und zu etwas weniger als einem Drittel auf das Abschmelzen der Eiskappen in Grönland und der Antarktis.

Eisschmelze

Die Arktis erlebte im vergangenen Jahr eine Rekord-Eisschmelze. Laut der US-Behörde für Ozeanologie und Atmosphärenforschung (NOAA) verkleinerte sich die Eisfläche in der Arktis 2012 auf 3,41 Millionen Quadratkilometer. Das ist die kleinste Fläche seit Beginn der Satelliten-Beobachtung der Region vor 34 Jahren und 18 Prozent weniger als der bisherige Niedrigrekord aus dem Jahr 2007. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Gewässer rund um den Nordpol bis 2050 im Sommer eisfrei sein könnten.

Gletscherschwund

Bei Gebirgsgletschern wird weltweit eine starke Eisschmelze beobachtet, etwa im Himalaya-Gebirge oder in den südamerikanischen Anden. Die Gletscher der Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien könnten bis 2050 ganz verschwunden sein.

Extreme Wetterphänomene

In einem Sonderbericht hatte der Weltklimarat IPCC im November 2011 festgehalten, dass es im Zuge der Erderwärmung zu einer Zunahme extremer Wetterphänomene wie heftiger Regenfälle, Hitzewellen und Dürreperioden gekommen ist und diese Entwicklung anhalten wird. 2012 wurden laut eine Untersuchung etwa die Hälfte aller Extremwetterphänomene durch den Klimawandel verstärkt.

Artensterben

Unter einem weiteren Temperaturanstieg wird auch die Tier- und Pflanzenwelt leiden. Ein Anstieg zwischen 1,5 und 2,4 Grad im Vergleich zu den 20 letzten Jahren des 20. Jahrhunderts würde dafür sorgen, dass 20 bis 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht würden.

Zwei-Grad-Ziel

Internationales Ziel ist es, den Temperaturanstieg bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf zwei Grad zu beschränken. Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen wird der Anstieg aber zwischen drei und fünf Grad betragen, wenn es bei den bisherigen Bemühungen zur Reduzierung von Treibhausgasen bleibt.

Climategate

Im November 2009 drangen Hacker in die Computer des Klimaforschungszentrums der University of East Anglia ein, stahlen mehrere tausend Dokumente und veröffentlichten sie im Internet als angebliche Belege für wissenschaftliches Fehlverhalten der Klimaforscher. Mehrere Untersuchungen unabhängiger Institutionen konnten allerdings keine Hinweise auf ein solches Fehlverhalten nachweisen.

US-Präsident Barack Obama sprach von der besten Chance „den einzigen Planeten zu retten, den wir haben“. Das amerikanische Volk könne Stolz sein, sagte er in Washington. „In den vergangenen sieben Jahren haben wir die USA zum weltweiten Vorreiter im Kampf gegen die Klimaveränderung umgewandelt.“ Das Ergebnis sei „ein Tribut an die amerikanischen Führungsqualitäten“. US-Außenminister John Kerry sprach vor Ort in Paris von „einem Sieg für den ganzen Planeten und zukünftigen Generationen“.

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, mahnte, dass die Regierungen nun den Worten auch Taten folgen lassen müssten. Ihr Kollege Jim Yong Kim von der Weltbank sagte, der Gipfel habe seine Ziele erreicht – „Paris hat geliefert“, erklärte er. Nun stünden alle gemeinsam in der Verantwortung. Auch aus der Industrie kam Lob. Unilever-Chef Paul Polman sprach von „einem eindeutigen Signal an die Wirtschaft und die Finanzbranche“, das zu einem wirklichen Wandel führen werde.

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