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05.12.2015

17:09 Uhr

Uno-Klimakonferenz

Ein erster Entwurf, viel Lob und 939 offene Fragen

Zur Halbzeit der Uno-Klimakonferenz präsentieren Unterhändler einen Entwurf für ein neues Klimaabkommen – und überhäufen einander mit Lob. Doch an fast 1000 Stellen in den Papier findet sich Punkte mit „Klärungsbedarf“.

Unterhändler haben einen ersten Entwurf für ein neues Klimaschutzabkommen präsentiert. Noch sind hunderte Punkte ungeklärt. Reuters

Demonstranten für mehr Klimaschutz in Paris

Unterhändler haben einen ersten Entwurf für ein neues Klimaschutzabkommen präsentiert. Noch sind hunderte Punkte ungeklärt.

ParisDie erste Etappe ist geschafft: Bei der Uno-Klimakonferenz in Paris haben sich die Unterhändler von fast 200 Staaten auf einen ersten Entwurf für ein Abkommen geeinigt. „Dieser Text unterstreicht den Willen aller Beteiligten, zu einer Verständigung zu kommen“, sagte am Samstag die französische Chefunterhändlerin Laurence Tubiana.

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Kosten

Diese zahlen die Stromverbraucher. Die Ökostrom-Umlage und Rabatte für die Industrie belasten ihre Stromrechnungen.

Fördersystem

Die Wirtschaft warnt vor Planwirtschaft und fordert ein Förder-Ende sowie Wettbewerb auch für Ökostrom-Erzeuger.

20 Jahre Garantie

Da Solar- und Windanlagen bisher 20 Jahre lang Vergütungen bekommen, kann der Strompreis erstmal nicht sinken.

Soziale Schieflage

Die Zahnarzthelferin zahlt über den Strompreis die Renditen für Solarpanele, die sich ihr Chef aufs Dach setzt.

Industrie

Sie muss entlastet werden, damit niemand abwandert. Aber wie stark? Die Bürger müssen dadurch Mehrbelastungen schultern.

Zielkonflikt

Weniger Atomstrom führt dazu, dass mehr Kohlestrom produziert wird. Der CO2-Ausstoß ist 2012 und 2013 gestiegen.

Länder-Interessen

Der Norden will mehr Windräder, der Westen fürchtet um seine Industrie, der Süden will mehr Gaskraftwerke.

Stromnetze

Große Nord-Süd-Trassen werden gebraucht, sonst gibt es im Norden viel zu viel Strom. Aber die Bürger protestieren.

Fehlende Steuerung

Bisher können quasi unbegrenzt Ökoenergie-Anlagen gebaut werden - es fehlt oft an bedarfsorientierter Planung.

Grundlast-Problem

Ohne Speicher sind wegen der je nach Wetterlage schwankenden Ökostrom-Produktion weiterhin viele Kraftwerke nötig.

Strombörse

Im Einkauf fallen dank viel Ökostrom die Preise - die Bürger spüren davon wegen der Umlagen beim Endpreis kaum etwas.

Fehlender Markt

Viele Kraftwerke rechnen sich nicht mehr - der mit viel Geld geförderte Ökostrom stellt den Markt auf den Kopf.

Überkapazitäten

Wegen des rasanten Ausbaus wird oft zu viel Strom produziert. Nie wurde so viel Strom exportiert wie 2013.

Ärger bei den Nachbarn

Polen lässt Netzsperren einbauen, auch andere Länder klagen über Preis- und Stromfluss-Unwuchten.

Wärmemarkt

Im Wärmebereich hakt es besonders stark, auch beim Energiesparen - Gebäudesanierungs-Ziele werden kaum erreicht.

Allerdings bleiben noch Hunderte Punkte offen, in denen die zuständigen Minister in der kommenden Woche Einvernehmen herstellen müssen. Dennoch lobte der chinesische Chefdelegierte Su Wei, die Verhandlungen seien zwar schwierig gewesen, „haben aber sehr gute Ergebnisse gebracht und so eine gute Basis für die nächste Woche gelegt“.

Auch wenn die Verabschiedung eines ersten Entwurfs für das Abkommen nur einen Zwischenerfolg darstellt, der noch wenig Rückschlüsse auf ein verpflichtendes Endergebnis erlaubt, ist die Pariser Konferenz damit schon weiter gekommen als ihre Vorgängerin im Jahre 2009 in Kopenhagen. Dort hatte man sich nicht einmal auf ein solches Basispapier verständigen können.

Ziel der Uno-Konferenz ist eine Einigung auf verbindliche Ziele für die Minderung des Schadstoffausstoßes, um die Erderwärmung bis Ende des Jahrhunderts auf maximal zwei Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit zu beschränken. So sollen die schädlichen Folgen des Klimawandels in Grenzen gehalten werden.

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