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01.10.2015

15:17 Uhr

Vorwürfe gegen Samsung

Wurde auch bei Fernseher-Tests geschummelt?

Der Diesel-Skandal bei VW lässt auch den Manipulations-Vorwürfe gegen Elektronik-Hersteller aufkommen. Unter Verdacht stehen Fernseher von Samsung – aber auch bei Kühlschränken gab es schon Software-Schummelei.

Laut einem Medienbericht gab es auch bei dem Elektronikriesen verdächtige Testergebnisse. ap

Samsung-Fernseher

Laut einem Medienbericht gab es auch bei dem Elektronikriesen verdächtige Testergebnisse.

BerlinSamsung wehrt sich im Nachgang des VW-Skandals gegen einen Schummel-Verdacht bei Energie-Tests seiner Fernseher. Der weltgrößte Hersteller von TV-Geräten wies mit Nachdruck den Vorwurf zurück, eine Funktion seiner Fernseher diene dazu, den Stromverbrauch in Tests zu drücken.

Das Verfahren mit dem Namen „Motion lighting“ senkt die Bildschirm-Helligkeit, wenn Bewegungen dargestellt werden. Samsung betonte am Donnerstag, dass die Funktion auch bei verkauften Fernsehern standardmäßig aktiviert sei. Sie schalte sich aber ab, wenn die Nutzer die Einstellungen änderten. Der britische „Guardian“ hatte am Donnerstag unter Berufung auf noch unveröffentlichte Labor-Tests geschrieben, durch die Funktion hätten Fernseher in Tests weniger Energie verbraucht als im realen Betrieb.

Der VW-Diesel-Skandal bei VW, bei dem Software den Test-Modus erkannte und die Schadstoff-Emissionen herunterschraubte, lenkte auch neue Aufmerksamkeit auf ähnliche Vorwürfe in der Elektronik-Branche.

So sprach die schwedische Energie-Agentur in diesem Jahr davon, dass einige Fernseher die vorgeschriebenen Test-Videos erkennen und sich darauf einstellen könnten. Die europäische Umweltschutz-Organisation EEB verwies in diesem Zusammenhang auch auf einen früheren Fall aus Australien, in dem ein Kühlschrank in einen Energiespar-Modus schaltete, wenn er ähnliche Raumbedingungen wie in einem Testlabor entdeckte.

Der VW-Abgasskandal - eine Chronik

Freitag, 18. September

Die US-Umweltbehörde EPA teilt in Washington mit, Volkswagen habe eine spezielle Software eingesetzt, um die Messung des Schadstoffausstoßes bei Abgastests zu manipulieren.

Samstag, 19. September

Die Deutsche Umwelthilfe fordert angesichts der VW-Manipulationsvorwürfe ein Fahrverbot für Dieselautos. Das Problem bestehe nicht nur in den USA, sondern noch stärker in Europa.

Sonntag, 20. September

Winterkorn kündigt eine umfassende Aufklärung an. „Ich persönlich bedauere zutiefst, dass wir das Vertrauen unserer Kunden und der Öffentlichkeit enttäuscht haben“, teilte er mit und erklärt das Thema zur „höchsten Priorität“. Später räumt ein Konzernsprecher ein, dass es zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist.

Montag, 21. September

Volkswagen stoppt den Verkauf von Dieselwagen mit Vierzylinder-Motoren in den USA. Betroffen sind dort Modelle der Kernmarke VW und der Tochter Audi. Die Vorzugsaktie von VW bricht zeitweise um mehr als ein Fünftel ein. In den USA entschuldigt sich VW-Regionalchef Michael Horn: „Wir haben Mist gebaut.“

Dienstag, 22. September

Auch in Absatzmärkten außerhalb der USA gibt es Forderungen, Klarheit über das Ausmaß der Affäre zu schaffen. VW gibt eine Gewinnwarnung heraus und kündigt Milliarden-Rückstellungen an. In einem Video bittet Winterkorn um Entschuldigung.

Mittwoch, 23. September

Winterkorn tritt zurück. „Ich bin bestürzt über das, was in den vergangenen Tagen geschehen ist. Vor allem bin ich fassungslos, dass Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen-Konzern möglich waren“, erklärt er seinen Schritt. Der Aufsichtsrat kündigt eine Entscheidung über die Nachfolge an.

Donnerstag, 24. September

Die Affäre bringt die gesamte Industrie in Bedrängnis. Vorwürfe werden laut, auch andere Hersteller könnten manipuliert haben. Viele dementieren das. Daneben gibt es etliche Personalspekulationen rund um VW. Medien berichten, Porsche-Chef Matthias Müller habe die besten Chancen, Winterkorn zu beerben.

Freitag, 25. September

Der VW-Aufsichtsrat wählt Matthias Müller zum neuen Konzernchef.

Montag, 28. September

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig leitet Ermittlungen ein.

Dienstag, 29. September

Volkswagen legt einen Aktionsplan zur Nachbesserung von Dieselwagen mit manipulierter Software vor und will fünf Millionen Fahrzeuge der Kernmarke VW in die Werkstätten holen.

Mittwoch, 30. September

Das Präsidium des Aufsichtsrates tagt. Es schlägt vor, die im November geplante außerordentliche Aufsichtsratssitzung abzusagen. Trotz der Affäre soll der langjährige VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch weiterhin neuer Aufsichtsratsvorsitzender werden.

Die VW-Finanztochter verhängt einen Einstellungsstopp bis zum Jahresende, auslaufende Zeitverträge werden nicht verlängert.

Donnerstag, 1. Oktober

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig rudert zurück: Entgegen früheren Angaben führt sie kein formelles Verfahren gegen Winterkorn. Neuer VW-Finanzchef wird nach dem Wechsel von Hans Dieter Pötsch in den Aufsichtsrat der Leiter der Finanzsparte, Frank Witter.

Freitag, 2. Oktober

Der US-Kongress teilt mit, dass sich VW-Landeschef Michael Horn am 8. Oktober den Abgeordneten in einer Befragung stellen muss. Auf speziellen Internetseiten können Kunden von VW und Audi prüfen, ob ihr Wagen die Manipulations-Software verwendet.

Dienstag, 6. Oktober

Betriebsratschef Bernd Osterloh und Müller sprechen bei einer Betriebsversammlung in Wolfsburg zur Belegschaft. Osterloh betont, bisher gebe es noch keine Konsequenzen für Jobs - laut Müller stellt die Abgas-Affäre aber bereits geplante Investitionen infrage.

Einigen Smartphone-Herstellern wird außerdem schon länger vorgeworfen, einige ihrer Geräte könnten typische Rechentests erkennen und zeigten dann eine höhere Leistung.

Von

dpa

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