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16.11.2015

12:26 Uhr

Zukunft der Energie

„Die Welt hat kein Rohstoffproblem“

VonBert Fröndhoff

Der Wissenschaftler Michael Carus ist Gründer des Forschungsunternehmens Nova Institut und Verfechter einer biobasierten Wirtschaft. Im Interview spricht er über synthetischen Treibstoff und erneuerbare Energie.

Die Produktion von synthetischem Kerosin aus CO2 mit Hilfe erneuerbarer Energien ist noch teuer. dpa

Die Produktion von synthetischem Kerosin aus CO2 mit Hilfe erneuerbarer Energien ist noch teuer.

Herr Carus, wo sehen Sie die größten wirtschaftlichen Chancen bei der Nutzung von Kohlendioxid?
In der Nutzung für Flugbenzin, also Kerosin. Die Luftfahrtindustrie hat noch keinen Weg gefunden, ihre CO2-Emissionen zu reduzieren. Die Herstellung von Biokerosin aus Pflanzen und Abfallstoffen ist sehr teuer und hat viele ökologische und soziale Nachteile. Die Produktion von synthetischem Kerosin aus CO2 mit Hilfe erneuerbarer Energien ist im Vergleich dazu ideal...

...aber ebenfalls sehr teuer und daher keine Alternative für Airlines, die mit hohen Kosten kämpfen.
Kerosin auf CO2-Basis ist derzeit zwei- bis dreimal so teuer wie herkömmliches Flugbenzin. Aber wir müssen jetzt Anreize setzen, damit die Verfahren besser werden. Das könnte durch eine Beimischungspflicht erreicht werden, dafür muss die Politik sorgen. Die Mehrkosten sind zu vernachlässigen.

In der Chemieindustrie halten sich viele noch zurück. Die Kosten für einen breiten Einsatz sind hoch. Das wird sich auf absehbare Zeit auch nicht ändern.
Wir brauchen aber eine positive Vision und müssen Mut machen, neue Wege zu gehen. Im Prinzip kann die gesamte Chemie auf CO2-Basis aufbauen und nicht mehr auf fossilen Stoffen wie Rohöl. Wir sollten uns schon jetzt auf das Ende des Ölzeitalters vorbereiten. Die gute Nachricht ist doch: Die Welt hat im Grunde kein Rohstoffproblem. Fünf bis zehn Prozent der weltweiten Wüstenflächen reichen aus, um mit Sonnenstrom den globalen Energiebedarf zu decken, auch für die energieintensive Verarbeitung von Kohlendioxid.

Das ist ein attraktiver, aber theoretischer Wert. Wie schwer die Nutzung der Sahara als Sonnenstromproduzent allein aus technischer Sicht ist, hat doch das Scheitern des Desertec-Projektes bewiesen.
Ich setze voll auf die Kreativität der Ingenieure, dass es in den nächsten Jahrzehnten zu technischen Lösungen für diese Herausforderung kommt. Für die gesamte Vision der Nutzung von CO2 unter Einsatz erneuerbarer Energien gilt: Wir brauchen die richtigen politischen Weichenstellungen und die Nachfrage der Industrie. Wenn wir es nur auf Forschungsebene vorantreiben, dauert es zu lange.

Herr Carus, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Michael Carus ist Gründer des Forschungs- und Beratungsunternehmens Nova Institut und Verfechter einer biobasierten Wirtschaft.

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