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22.10.2015

11:15 Uhr

Gesund im Winter

Wie gut wirkt der Grippe-Impfstoff in dieser Saison?

Die Entwicklung von Grippe-Impfstoffen ist stets eine Wette auf die Zukunft: Die WHO gibt ihre Empfehlungen lange vor der eigentlichen Grippe-Saison. Um den aktuellen Impfstoff ist jetzt eine Debatte entbrannt.

Mediziner raten zu einer Grippe-Impfung. ap

Heilsamer Piekser

Mediziner raten zu einer Grippe-Impfung.

BerlinDie Tage werden kälter und kürzer, die Heizungen laufen. Mit dem Herbst hat auch die Grippe-Zeit begonnen. Nach einer spürbaren Erkrankungswelle im Winter 2014/15 sollen auch in diesem Jahr Millionen Impfdosen helfen, die Deutschen gegen die Grippe zu wappnen.

Knapp 21 Millionen Stück hat das zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) bisher freigegeben. Ob der Impfstoff aber immer wirkt, diese Frage treibt Experten schon seit einigen Wochen um. Nein, sagen die einen – alles kein Problem, sagen die anderen.

Entbrannt ist die Debatte um den sogenannte Dreifach-Impfstoff: Er enthält Antigene dreier weltweit zirkulierender Varianten des Virus, davon zwei vom Typ A sowie eines vom Typ B. Manchen Medizinern ist das zu wenig: Sie raten zum in Deutschland deutlich weniger gängigen Vierfach-Impfstoff, der einen weiteren B-Typen enthält.

Wohl auch wegen der vermehrten Aufmerksamkeit durch Medienberichte sind die Vierfach-Vakzine laut PEI in dieser Saison jedoch nicht mehr verfügbar. Bestände gebe es womöglich noch im Großhandel.

Sind die Krankenkassen schuld, wie von Kritikern behauptet? Der Vierfach-Impfstoff ist tatsächlich deutlich teurer als der in großen Mengen von den Kassen georderte Dreifach-Stoff: Dieser kostet nach Angaben der Krankenkasse Barmer GEK „weniger als ein Drittel“ des Vierfach-Präparats.

Die Empfehlung zur Zusammensetzung der Vakzine kommt jedes Jahr von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) – allerdings relativ zeitig vor Beginn der Saison. Das birgt stets das Risiko, dass sich das Virus genetisch noch verändert. Schlimmstenfalls stimmt dann das im Impfstoff enthaltene Eiweiß nicht mehr mit dem Oberflächeneiweiß des Erregers überein. Das Immunsystem muss auf Unbekanntes reagieren.

Die „Befürchtungen einzelner Ärzte“ seien dennoch unbegründet, erklärt die Barmer GEK. Der zusätzlich enthaltene Virus-Typ komme nach derzeitigen Erkenntnissen „nur selten vor“.

„Für den einzelnen ist die Entscheidung völlig irrelevant“, sagt Caroline Isner, Medizinerin an der Klinik für Infektiologie und Pneumologie der Berliner Charité. Die WHO-Einschätzungen träfen meist zu, betont sie. Wenn es nicht so richtig passe, wie im vergangenen Jahr, sei das die Ausnahme.

„Da muss man nicht gleich am Impfstoff zweifeln, auf keinen Fall“, betont Isner. „Vielleicht hat man etwas mehr Glück mit dem Vierfach-Impfstoff, aber ganz ehrlich: ein Stamm. Da weiß keiner, ob das noch mehr Schutz bringt.“

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