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28.10.2015

09:51 Uhr

Kinderlähmung

Pakistans schwerer Kampf gegen Polio

Fast überall auf der Welt ist die Kinderlähmung ausgerottet – nicht aber in Pakistan. Die Gründe sind vielschichtig, vor allem Islamisten machen den Impfteams die Arbeit schwer. Doch in letzter Zeit gibt es Fortschritte.

Nachdem Taliban und anderen islamistischen Milizen jahrelang Impfkampagnen verhinderten, werden nun wieder mehr Menschen in Pakistan gegen Polio geimpft. dpa

Schluckimpfung im pakistanischen Rawalpindi

Nachdem Taliban und anderen islamistischen Milizen jahrelang Impfkampagnen verhinderten, werden nun wieder mehr Menschen in Pakistan gegen Polio geimpft.

Mashookhel/IslamabadVor einem Jahr brachte Mohamed Rasools Frau Zwillinge zur Welt – einen Jungen und ein Mädchen. Der stolze Vater war überglücklich und feierte in seinem Dorf im Nordwesten Pakistans mit Freunden und Bekannten. Die Tochter nannte er Kainat, was in der Landessprache Urdu soviel bedeutet wie Universum.

Aber Rasools Universum sollte wenig später zusammenfallen: Erst starb plötzlich der Sohn – und jetzt wurde bei Kainat Kinderlähmung diagnostiziert.

Pakistan hat mit Abstand die meisten Neuerkrankten weltweit und ist neben Afghanistan eines der wenigen Länder, in dem es noch neue Polio-Fälle gibt. Manchmal könne er seine kleine Tochter kaum anschauen, sagt Rasool: „Es tut so weh, wenn ich mir vorstelle, dass sie nie gehen und nie wie andere Kinder spielen wird.“

An diesem Mittwoch (28. Oktober) begehen die Vereinten Nationen den Welt-Polio-Tag. Das Datum wurde zu Ehren des amerikanischen Bakteriologen Jonas Salk gewählt, dem Entwickler des Polio-Impfstoffs – es ist sein Geburtstag.

1998 hatten das Kinderhilfswerk Unicef und die Weltgesundheitsorganisation WHO den Gedenktag erstmals ausgerufen. Seither wurden massive Fortschritte im Kampf gegen das Virus gemacht, aber für diejenigen, deren Kinder noch heute an der Seuche erkranken, ist das kaum ein Trost.

Das größte Problem in Kainats Heimatregion war ein jahrelanges, von den Taliban und anderen islamistischen Milizen auferlegtes Impfverbot. Die Extremisten argumentierten, Polio-Impfungen seien Teil einer Verschwörung des Westens, die darauf abziele, die Muslime auszuspionieren und sie unfruchtbar zu machen.

Die Tötung von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden im Jahr 2011 sahen sie als Bestätigung für ihre Mutmaßung. Ein pakistanischer Arzt soll den amerikanischen Streitkräften im Rahmen einer vorgetäuschten Impfkampagne geholfen haben, an DNA-Proben der Familie zu kommen. Der Mediziner Shakeel Afridi war deshalb im Mai 2012 zu über 30 Jahren Haft verurteilt worden, obwohl er beteuert hatte, er habe den genannten Zweck der Impfaktion nicht gekannt.

Überhaupt lebten Gesundheitsarbeiter in Pakistan seit Jahren gefährlich. Immer wieder kam es zu Taliban-Attacken auf Impfteams, Dutzende Mitarbeiter und Sicherheitskräfte, die sie beschützen sollten, starben.

Aber jetzt ist die Sicherheitslage deutlich besser, vor allem seit dem Beginn der Zarb-e-Azb-Militäroffensive durch die pakistanische Armee im vergangenen Jahr“, erklärt Ayesha Raza Farooq. Die Politikerin führt die Bemühungen der Regierung um eine Ausmerzung der Kinderlähmung in Pakistan an.

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