Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.11.2015

13:48 Uhr

Leukämie-Therapie

Mit Designerzellen den Blutkrebs besiegen

VonThomas Trösch

Der Fall von Ex-Außenminister Guido Westerwelle hat das Thema Leukämie in den Fokus gerückt. In London haben Ärzte jetzt in einem gewagten Versuch den Blutkrebs mit einer neuen Therapie behandelt – bislang erfolgreich.

14 Wochen war Layla erst alt, als Ärzte bei ihr Leukämie diagnostizierten. Reuters

Layla Richards

14 Wochen war Layla erst alt, als Ärzte bei ihr Leukämie diagnostizierten.

BerlinDie Diagnose war niederschmetternd: akute lymphoblastische Leukämie (ALL), eine besonders aggressive Form von Blutkrebs. 14 Wochen war die kleine Layla Richards alt, als Ärzte die Krankheit entdeckten. Doch trotz Knochenmarkstransplantation und Chemotherapie ließ sich der Krebs nicht besiegen, und dem Mädchen schien nur eine kurze Lebensspanne beschieden.

Tatsächlich schlägt die klassische Chemotherapie bei derart aggressiven Formen von Blutkrebs oft nicht an. In solchen Fällen konnten Mediziner in jüngerer Zeit einige Behandlungserfolge mit der sogenannten T-Zellen-Therapie erzielen: Dabei werden T-Zellen des Immunsystems eines Patienten gentechnisch so verändert, dass sie im Körper gezielt nach Krebszellen suchen und sie zerstören. Problem dabei: Manche Patienten haben nicht mehr genug gesunde T-Zellen für diesen Therapieansatz.

Fünf Vorwürfe an die Krebs-Industrie

Das Buch

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach geht in seinem Buch „Die Krebs-Industrie“ (Rowohlt Verlag) hart mit den Pharmafirmen ins Gericht. Im Wesentlichen nennt er folgende fünf Vorwürfe...

1. Vorwurf: Teure Preise

Lauterbach moniert an der Krebs-Industrie: „Die hohen Preise haben nichts mit dem tatsächlichen Nutzen der Medikament zu tun.“ Er sehe keinen Zusammenhang zwischen der Hemmung des Krebswachstums und den Kosten für die Medikamente. Deswegen bezeichnet Lauterbach die Krebs-Industrie als „Wachstumsmarkt in einer alternden Gesellschaft“.

2. Vorwurf: Nur der Profit zählt

„Die hohen Medikamentenpreise resultieren nicht aus den Forschungskosten, sondern dienen allein den Profitinteressen der Unternehmen“, schreibt der SPD-Gesundheitsexperte in seinem Buch „die Krebs-Industrie“. Die hohen Forschungskosten seien schlichtweg ein nicht zu begründender Mythos.

3. Vorwurf: Missbrauch der Marktmacht

Die Konzerne missbrauchten ihre Marktmacht, das ist sich Lauterbach sicher. Denn es gäbe nur wenige Unternehmen, die ein neues Medikament auf den Markt bringen könnten. „Wenn es so weitergeht, wird niemals mehr ein mittelständisches Pharmaunternehmen ein Krebsmedikament herausbringen“, befürchtet der Experte.

4. Vorwurf: Behinderung der Forschung

„Die Pharmafirmen behindern die Forschung oft sogar“, kritisiert Lauterbach. Die Grundlagenforschung würde von den Pharmaunternehmen blockiert. Denn viele Firmen seien nicht gewillt, weniger Geld für Marketing und Werbung auszugeben. Statt Forschung komme es deswegen immer häufiger zu „Scheininnovationen“.

5. Vorwurf: Hohe Preise sprengen das System

Lauterbach spricht von einer „Kostenexplosion bei den Krebsmedikamenten“ und prognostiziert „den Ruin und die Verzweiflung des Krebskranken“. Die Gier der Aktionäre und Unternehmen koste schließlich in letzter Konsequenz das höchste Gut des Menschen: sein Leben.

Bei der kleinen Layla schienen die Möglichkeiten der Ärzte nach Monaten der Behandlung schließlich erschöpft. Doch die Eltern wollten sich mit dem traurigen Befund nicht abfinden. „Wir wollten unsere Tochter nicht aufgeben und baten die Ärzte, wirklich alles zu versuchen“, so Laylas Mutter Lisa. Und so entschlossen sich die Mediziner am behandelnden Great Ormond Street Hospital (GOSH) in London zu einem gewagten Schritt – einer von ihnen entwickelten neuartigen Behandlung, die zuvor noch nie an Menschen erprobt worden war.

Auch diese Therapie stützt sich auf T-Zellen, die allerdings nicht vom Patienten selbst stammen, sondern von gesunden Spendern. Die Zellen werden gentechnisch so verändert, dass sie im ihnen fremden Körper des Patienten überleben und gezielt Krebszellen aufspüren und vernichten.

„In Laboruntersuchungen hatte sich dieser Ansatz als sehr vielversprechend gezeigt“, so Waseem Qasim, Professor für Zell- und Gentherapie und beratender Immunologe am GOSH. „Doch das Verfahren befand sich noch im Experimentalstadium, und so mussten wir besondere Genehmigungen für die Behandlung einholen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×