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19.11.2015

08:39 Uhr

Medizintechnikmesse Medica

Alle Macht den Daten

VonKathrin Witsch

Apps, Avatare, Wearables. Wer sich in diesem Jahr auf der weltweit größten Medizintechnikmesse Medica in Düsseldorf umsah, musste sich schon manchmal fragen: Warum muss ich überhaupt noch zum Arzt?

Ein Mann demonstriert die "CardioSecur" App - ein mobiles 22-Kanal-EKG-System für Tablet-PC und Smartphone. Die Beobachtung der Funktionen des Herzens und eine direkte Interpretation der Ergebnisse sind damit möglich. dpa

Neuheiten auf der Medizinmesse

Ein Mann demonstriert die "CardioSecur" App - ein mobiles 22-Kanal-EKG-System für Tablet-PC und Smartphone. Die Beobachtung der Funktionen des Herzens und eine direkte Interpretation der Ergebnisse sind damit möglich.

Düsseldorf
Wenn Nao seine Hüften rhythmisch zu Michael Jacksons' „Billie Jean“ schwingt, und euphorisch die kurzen Arme über seinen Kopf reißt, zücken alle Umstehenden ihre Handys. So etwas sieht man schließlich nicht jeden Tag. Denn Nao, vom Schweizer Startup Avatarion Technology, ist ein Roboter. Er ist gerade einmal 58 Zentimeter groß, mit einem freundlichen Gesicht und niedlichem Design. Mit ihm als Avatar können ans Krankenbett gefesselte Kinder wieder am Schulalltag teilnehmen.

Nao sitzt für sie im Klassenzimmer, während er mit einem Tablet gesteuert wird. Sehen, hören, sprechen, sogar tanzen kann der Roboter. Als Investition eignet er sich vor allem für Krankenhäuser, Kliniken oder andere Einrichtungen, die das Gerät dann nach Bedarf einsetzen können.

Denn mit umgerechnet 23.000 Euro ist er nicht für jeden erschwinglich. Das Universitätsklinikum Hamburg hat als erstes deutsches Krankenhaus bereits Interesse an dem kleinen Avatar angemeldet, bislang war der Roboter nämlich nur in der Schweiz erhältlich.

Innovation auf der Medica

Tanzender Roboter: „Do the Twist“

Innovation auf der Medica: Tanzender Roboter: „Do the Twist“

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Nao ist eine von vielen Innovationen, die es im Oktober in Düsseldorf auf der größten Medizinmesse der Welt zu sehen gab: Der Medica. Fast 5000 Aussteller aus 70 Nationen verteilten sich auf dem Messegelände. Parallel dazu fand die Zulieferfachmesse für die Medizintechnik-Industrie, Compamed, statt.

Hier werden die neuesten Produkte, Dienstleistungen und Verfahren für ambulante und stationäre Patientenversorgung vorgestellt. Und davon gibt es bei dem global stark wachsenden Markt der Medizintechnikindustrie einiges . Bis zum Jahr 2020 soll er im Gesamtvolumen von aktuell 330 Milliarden Euro auf 470 Milliarden Euro ansteigen.

Ein Schwerpunkt in diesem Jahr: Die digitale Vernetzung und Übertragung medizinisch relevanter Daten von Patienten, kurz E-Health. Allein im vergangenen Jahr ist der Markt der Mobile Health Apps um vierzig Prozent gewachsen. Rund 165.000 Apps sind bereits erhältlich.

Anwendungen, die dem User im Bereich Fitness, Lifestyle und Ernährung, Zahlen und Daten auswerten und interpretieren. Sie sollen dem Patienten die Möglichkeit geben, seinen Gesundheitszustand zu erkennen und den Arztbesuch zwar nicht komplett ersetzen, aber ihn dort, so es Sinn macht, ergänzen. Die Medizin kommt zum Patienten.

Wie Lärm der Gesundheit schadet

40 Dezibel...

... entsprechen dem Lärmpegel von Flüstern. Das kann schon mal den Schlaf stören.

60 Dezibel...

...beeinträchtigen die Konzentration und können erste Belastungsreaktionen wie beispielsweise erhöhten Blutdruck hervorrufen. Ein Gespräch unter Kollegen am Nachbartisch oder ein moderat leises Radio entsprechen diesem Dezibelwert.

80 Dezibel...

...misst die Lärmbelastung an einer Hauptverkehrsstraße. Ist man dieser Schallkulisse dauerhaft ausgesetzt, erhöht sich das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

100 Dezibel...

...entstehen bei der Nutzung einer Kreissäge oder eines Presslufthammers. Über Jahre hinweg führt dieser Lärm zu Gehörschäden.

140 Dezibel...

...sorgen nach kurzer Zeit für Gehörschäden. Ein startendes Flugzeug oder eine Trillerpfeife können diese Lautstärke erreichen.

160 Dezibel...

...müssen nicht lange auf das menschliche Trommelfell einwirken, ehe es zu Gehörschäden kommt. Wer sich mit dem Ohr beispielsweise in Mündungsnähe eines Gewehres aufhält, das abgefeuert wird, muss mit bleibenden Verletzungen im Gehörgang rechnen. Quelle: dpa

Ein Beispiel ist „CardioSecur“ von der Frankfurter Firma Personal Med Systems. Mit gerade einmal vier Elektroden und einem USB-Anschluss, steht dem Patienten erstmals ein 22-Kanal-EKG inklusive 360-Grad-Sicht des Herzens auf dem Handy oder Tablet zur Verfügung.

Menschen, die schon einmal einen Infarkt hatten, können bei Schmerzen in der Brust jederzeit selbst ihren Herzrhythmus überprüfen. Die App zeigt dem Patienten dann an, ob eventuell ein Arztbesuch nötig ist. Wenn gewünscht, können diese Daten via E-Mail direkt dem zuständigem Hausarzt geschickt werden, der so immer über den Zustand seines Patienten informiert ist. Umgekehrt gibt es das Gerät auch in der professionalisierten Version für Ärzte.

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