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10.11.2015

10:25 Uhr

Siemens, Braun, Fresenius & Co.

Spardruck trifft Medizintechnikbranche

VonMaike Telgheder

Die Medizintechnik gilt als Wachstumsbranche, dennoch bangen in Deutschland viele Firmen um ihre Gewinne. Immer mehr Ausschreibungen für immer günstigere Medizinprodukte und Hilfsmittel drücken die Erträge.

Verengungen bzw. Verkalkungen von Herzgefäßen zählen zu den häufigsten Todesursachen. Schonende Hilfe gibt es durch modernste Medizintechnik. obs

Katheterlabor mit modernster Medizintechnik

Verengungen bzw. Verkalkungen von Herzgefäßen zählen zu den häufigsten Todesursachen. Schonende Hilfe gibt es durch modernste Medizintechnik.

FrankfurtDie großen Bevölkerungstrends geben der Medizintechnikbranche weltweit Aufwind, aber in Deutschland ist die Lage für viele Unternehmen nicht zufriedenstellend. Das zeigt die aktuelle Branchenumfrage des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVmed), die am heutigen Dienstag in Berlin vorgestellt worden ist. Demnach erwarten nur noch 20 Prozent der Medizintechnikfirmen hierzulande für das laufende Jahr Gewinne, mehr als ein Drittel der Unternehmen geht sogar von einem Rückgang aus. Großes Problem für die Unternehmen ist der zunehmende Preisdruck gerade im wichtigen Inlandsmarkt. Immer größer werdende Einkaufsgemeinschaften auf Krankenhausseite sowie Ausschreibungen der Krankenkassen senken das Preisniveau in der Branche, die für einen Umsatz von zuletzt immerhin 25 Milliarden Euro steht.

Fünf Vorwürfe an die Krebs-Industrie

Das Buch

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach geht in seinem Buch „Die Krebs-Industrie“ (Rowohlt Verlag) hart mit den Pharmafirmen ins Gericht. Im Wesentlichen nennt er folgende fünf Vorwürfe...

1. Vorwurf: Teure Preise

Lauterbach moniert an der Krebs-Industrie: „Die hohen Preise haben nichts mit dem tatsächlichen Nutzen der Medikament zu tun.“ Er sehe keinen Zusammenhang zwischen der Hemmung des Krebswachstums und den Kosten für die Medikamente. Deswegen bezeichnet Lauterbach die Krebs-Industrie als „Wachstumsmarkt in einer alternden Gesellschaft“.

2. Vorwurf: Nur der Profit zählt

„Die hohen Medikamentenpreise resultieren nicht aus den Forschungskosten, sondern dienen allein den Profitinteressen der Unternehmen“, schreibt der SPD-Gesundheitsexperte in seinem Buch „die Krebs-Industrie“. Die hohen Forschungskosten seien schlichtweg ein nicht zu begründender Mythos.

3. Vorwurf: Missbrauch der Marktmacht

Die Konzerne missbrauchten ihre Marktmacht, das ist sich Lauterbach sicher. Denn es gäbe nur wenige Unternehmen, die ein neues Medikament auf den Markt bringen könnten. „Wenn es so weitergeht, wird niemals mehr ein mittelständisches Pharmaunternehmen ein Krebsmedikament herausbringen“, befürchtet der Experte.

4. Vorwurf: Behinderung der Forschung

„Die Pharmafirmen behindern die Forschung oft sogar“, kritisiert Lauterbach. Die Grundlagenforschung würde von den Pharmaunternehmen blockiert. Denn viele Firmen seien nicht gewillt, weniger Geld für Marketing und Werbung auszugeben. Statt Forschung komme es deswegen immer häufiger zu „Scheininnovationen“.

5. Vorwurf: Hohe Preise sprengen das System

Lauterbach spricht von einer „Kostenexplosion bei den Krebsmedikamenten“ und prognostiziert „den Ruin und die Verzweiflung des Krebskranken“. Die Gier der Aktionäre und Unternehmen koste schließlich in letzter Konsequenz das höchste Gut des Menschen: sein Leben.

Immer wieder haben Ausschreibungen für Hilfsmittel in den letzten Monaten für Schlagzeilen gesorgt. Nicht nur die Industrie ist betroffen - auch die Patienten leiden. In Onlineforen, aber auch im Petitionsausschuss des Bundestages häuften sich die Klagen über die Ausschreibungspraxis. Beispiel Rollstühle: Werden sie bundesweit zentral ausgeschrieben und nicht mehr wohnortnah und individuell von Sanitätshaus geliefert, kann es viel länger dauern, bis ein Patient versorgt ist. Auch eine kleine Reparatur kann dann schnell zum Problem werden.

Drastisches Negativbeispiel für die Ausschreibungspraxis ist der Bereich Inkontinenzprodukte, also Windeln für Erwachsene. Einzelne Kassen haben bereits Verträge über Monatspauschalen von etwa zwölf Euro pro Patient abgeschlossen, was Kosten von etwa 40 Cent für die ganztägige Versorgung eines Patienten entspricht. Branchenüblich ist indes eine Pauschale, die mehr als doppelt so hoch ist.

Der BVmed kritisiert, dass durch die Ausschreibungspraxis in vielen Fällen kein ordentliches Versorgungsniveau mehr gewährleistet ist. Patienten, die eine bestimmte Produktqualität haben wollen, müssten immer häufiger zuzahlen. Auch für die Unternehmen steht der Hilfsmittelbereich bei den gesundheitspolitischen Forderungen an vorderster Stelle. 34 Prozent von ihnen sprechen sich für Verhandlungsverträge statt Ausschreibungen aus. Ebenso viele Unternehmen fordern, dass der Patient Wahlfreiheit hat, vom welchem Leistungserbringer er das Hilfsmittel beziehen möchte.

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