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16.11.2015

07:39 Uhr

Stress im Job

Wie fit fühlt sich Deutschlands Führungsriege?

VonAnja Müller

Gut die Hälfte der Manager und Geschäftsführer in Deutschland lässt sich von einer Krankheit nicht von der Arbeit abhalten. Die Mehrheit findet Bestätigung im Job – doch es gibt Unterschiede im Detail, zeigt eine Studie.

Auch krank gehen viele Manager ins Büro. dpa

Grippewelle

Auch krank gehen viele Manager ins Büro.

HamburgNovember. Erkältungszeit. Doch fast die Hälfte der Konzern-Chefs geht wie immer zur Arbeit. Das zumindest hat die bundesweite Studie „Wie fühlt sich Deutschlands Führungsetage?“ von „TNS Emnid“ im Auftrag „Diagnostik-Zentrums Fleetinsel“ in Hamburg herausgefunden. Befragt wurden dafür rund 300 Geschäftsleiter und hochrangige Manager von Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern im Zeitraum von Ende September bis Mitte Oktober diesen Jahres.

Nur etwa 20 Prozent von ihnen konsultieren einen Arzt, nur vier Prozent arbeiten in diesem Fall von zu Hause aus. Dabei spielt die Unternehmensgröße der Studie zufolge keine entscheidende Rolle.

Die Mehrheit der Befragten fühlt sich im Job bestätigt. Diese Aussage bejahen 73 Prozent der Männer, dagegen nur 58 Prozent der weiblichen Führungskräfte. Eine weitere Erkenntnis: Das Gefühl der Bestätigung im steigt mit zunehmenden Alter an.

Als größten Stressfaktor empfinden Führungskräfte der Studie zufolge nicht etwa häufige Geschäftsreisen, sondern einen Mangel an Selbstbestimmung durch zahlreiche Termine und Meetings. Der große Unterschied: Je älter die Befragten sind, desto mehr Stress machen ihnen Termine. Junge Manager leiden seltener unter Überforderung.

Anders als erwartet, achtet die Mehrheit der Führungskräfte auf die Gesundheit. 86 Prozent der Befragten geben an, regelmäßig Obst, Gemüse und Fisch zu essen. Ebenso viele verzichten an Werktagen auf Alkohol. Zum Gesundheitscheck gehen fast zwei Drittel, mehr als die Hälfte treibt zwei Mal pro Woche Sport.

Obwohl die Studie keine Vergleichsdaten aus früheren Jahren heranziehen kann, sei die Bedeutung der Themen Ernährung und Vereinbarkeit von Familie und Beruf gestiegen. Das ist der Eindruck von Tomas Stein, ärztlicher Direktor des Diagnostik-Zentrums. Seiner Einschätzung nach entwickele sich das Gesundheitsbewusstsein von Führungskräften erst im Zeitverlauf. Beim ersten oder zweiten Gesundheitscheck, so seine Erfahrung, sei es noch nicht vorhanden. „Beim dritten Mal aber haben sie verstanden“ sagt der Kardiologe.

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Was aus der Studie ebenfalls hervorgeht: Zahlreiche Unternehmen machen ihren Managern das Angebot, die Gesundheit einmal im Jahr durchchecken zu lassen. Dieses Angebot werde auch angenommen, sagt Stein. Bedingung müsse sein, dass die Befunde in der Folge dem Arbeitgeber nicht zu Verfügung gestellt werden. Etwa 70 Prozent der Männer kämen zu den Gesundheitschecks. Noch seien Frauen deutlich unterrepräsentiert. Das ändere sich nur langsam, erklärt Stein.

Dieser Befund ist auch der Tatsache geschuldet, dass es immer noch weniger Frauen auf den Chefetagen der Konzerne gibt. Diese Abwesenheit von weiblichen Führungskräften erklärt auch ein weiteres Ergebnis der Studie: Managerinnen sollen „Nicht-Erreichbarkeit“ seltener leben als die männlichen Kollegen. Für sie gibt es weniger Situationen, in denen sie bewusst das Dienst-Handy ausschalten.

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