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22.01.2003

14:45 Uhr

Teils weiter Leserverluste

Zeitschriftenmarkt erholt sich leicht

Der Zeitschriftenmarkt in Deutschland hat sich - gemessen an den Leserzahlen - leicht erholt. Allerdings verbuchen manche Sparten nach wie vor Verluste, wie aus der aktuellen Media-Analyse Presse (ma 2003/I) hervorgeht. Die Erhebung wurde am Mittwoch in Frankfurt veröffentlicht.

HB/dpa FRANKFURT. So verloren Magazine wie "Stern", "Focus" oder "Bunte", aber auch etliche Frauen- und Jugendtitel sowie Wohnzeitschriften Leser. Zu den Gewinnern zählen dagegen Motor- und Computerzeitschriften sowie Titel aus Technik und Naturwissenschaften. Zusammen erreichten die 168 ausgewerteten Zeitschriften 200 000 Leser mehr als bei der vorherigen Erhebung im Juli 2002 (ma 2002/II).

Der "Stern", der damals noch ein Plus verbucht hatte, hat in der aktuellen Analyse 370 000 Leser eingebüßt. Dennoch liegt er mit 7,54 Millionen Lesern weiter vor "Focus" (6,04 Mio) und "Spiegel" (5,88 Mio) an der Spitze der aktuellen politischen Magazine. "Focus" verlor 140 000 Leser, während der "Spiegel" 160 000 hinzu gewann. Damit schmolz der Vorsprung des "Focus" zum Konkurrenten "Spiegel" von zuletzt 460 000 auf 160 000 Leser.

Auch die "Bild am Sonntag", eines der meist gelesenen Blätter in Deutschland, hat Leser verloren: Hatte sie zuletzt noch ein sattes Plus verbucht, weist die Analyse nun ein Minus von 200 000 Lesern aus (10,75 Millionen). Die "Welt am Sonntag" kommt auf 980 000 Leser (plus 10 000), die "Zeit" auf 1,01 Millionen (minus 20 000). Auch "Bunte", "Neue Revue" und "Super Illu" haben Einbußen. In dieser Gattung kommt nur "Gala" auf ein Plus von 80 000 Lesern (1,31 Millionen).

Die Media-Analyse wird regelmäßig im Auftrag von Medien, Anzeigenkunden und Werbeagenturen erstellt. Für die aktuelle Erhebung wurden rund 26 000 Menschen ab 14 Jahren im vergangenen Jahr nach ihren Lesegewohnheiten befragt. Die Werte sind repräsentativ für die Gesamtbevölkerung. Sie geben im Unterschied zur verkauften Auflage wieder, von wie vielen Menschen eine Zeitschrift tatsächlich gelesen wurde. Damit ist berücksichtigt, dass ein Exemplar oft von mehreren Menschen gelesen wird. Die Daten sind wichtig für Verlage und Anzeigenkunden, weil sie die Grundlage für die Anzeigenpreise bilden.

Insgesamt halten sich Gewinne und Verluste in etwa die Waage: 80 der 168 Titel haben Zuwächse, 72 verzeichnen einen Rückgang, 9 haben unveränderte Zahlen. Sieben Titel wurden erstmals ausgewiesen, hier ist noch kein Vergleich möglich.

Der zur Zeit häufig beschriebene Trend, es sich in den eigenen vier Wänden gemütlich zu machen, schlägt auf die entsprechenden Zeitschriftentitel nicht durch. Fast alle Wohnzeitschriften wie "Neues Wohnen" oder "Schöner Wohnen" haben erneut Leserverluste. Hier ragt einzig "Lisa Wohnen & Dekorieren" mit einem Plus heraus. Auch die meisten Koch- und Backtitel haben die Verlustzone noch nicht verlassen.

Bei den Frauenzeitschriften zeigt sich ein uneinheitliches Bild. Auffällig ist das Minus der "Frau im Spiegel" von 180 000 Lesern (2,01 Millionen). Sie hatte zuletzt ein Plus von 130 000 Lesern. Auch "Bild der Frau" fiel von 160 000 Plus auf 50 000 Minus (jetzt 5,27 Millionen). Unter den 14-tägigen Titeln hat allein Marktführerin "Brigitte" (3,70 Millionen) Leserverluste, während sich "freundin", "Für Sie" und "Journal für die Frau" nach Verlusten oder Stagnation wieder in die Gewinnzone vorarbeiten konnten.

Positiv entwickelt haben sich Titel wie das "P.M. Magazin", "National Geographic" und "Geo". Weiter im Trend sind zudem Computerzeitschriften wie "Computer Bild" oder "CHIP". Die Wirtschaftspresse dagegen tut sich angesichts der angespannten Lage nach wie vor schwer; einige haben allerdings den Abwärtstrend etwas gebremst. Der einzige Gewinner der vorigen Analyse unter den Wirtschaftstiteln, das "manager magazin", hat dieses Mal 30 000 Leser weniger (690 000).

Meistgelesene Zeitschrift in Deutschland ist nach wie vor das Mitgliederblatt "ADAC-Motorwelt". Sie hat vorherige Verluste wieder wettgemacht und kommt mit einem satten Plus von 670 000 auf jetzt 18,06 Millionen Leser. Auch die übrigen Motortitel, die zuletzt durchgängig Leserverluste hatten, liegen nun wieder im Plus. Männer griffen dafür weniger zu Erotikblättern wie "Praline" oder "Wochenend". Nur "Coupé" und "Playboy" kommen auf ein Plus. Jugendliche sind ihren Titeln wie "Bravo" oder "Mädchen" untreu geworden. In dieser Sparte schaffte es nur "Popcorn", mehr Leser zu gewinnen.

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