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10.01.2001

12:25 Uhr

Telegate für Übernahmen gerüstest

Telegate strebt einen Umsatz von 400 Mill. DM für das Jahr 2001 an

VonAlexander Hübner

Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung schufen die Aktionäre am Mittwoch in München die Voraussetzungen für eine mögliche Kapitalerhöhung zur Finanzierung von Akquisitionen.

Reuters MÜNCHEN. Telegate-Vorstandschef Klaus Harisch will den Konzernumsatz des zweitgrößten deutschen Auskunftsdienstleisters in diesem Jahr auf über 400 Mill. DM steigen lassen. "Wir wollen die 400 Mill. durchbrechen, das habe ich auch meinen Mitarbeitern gesagt", sagte Harisch am Mittwoch in München der Nachrichtenagentur Reuters am Rande der außerordentlichen Hauptversammlung des Unternehmens. Ob die 2000 in die roten Zahlen geratene Telegate im laufenden Jahr in die Gewinnzone zurück kehren werde, sagte Harisch nicht: "Dafür ist es noch zu früh." Den italienischen Markt wolle Telegate nun zusammen mit dem Mehrheitsaktionär Seat Pagine Gialle erobern. Das eigene Internet-Portal soll im Februar starten.

Telegate - Intraday-Chart

Auf der Hauptversammlung stimmten die Aktionäre mit nahezu 100 % der Schaffung eines genehmigten Kapitals von bis zu 6,365 Mill. Aktien zu. Damit steht Telegate Harisch zufolge fast eine Milliarde DM für Zukäufe zur Verfügung. Es handle sich aber um einen reinen Vorratsbeschluss, betonte er. Zumindest in den nächsten sechs Monaten seien keine Akquisitionen geplant. Über mit Aktien bezahlte Zukäufe solle auch der auf 51 % gestiegene Anteil von Seat bis auf 38 % schrumpfen. Seat hatte in der Vorwoche die restlichen Telegate-Aktien von RSL Com erworben. "Das ist eigentlich unser Idealzustand: ein Großaktionär", sagte Harisch. Der Telegate-Kurs war jedoch nach der Mitteilung eingebrochen, weil Anleger fürchteten, die Italiener könnten Telegate voll übernehmen.

Zusammen mit dem italienischen Branchenbuchverleger und Internet-Anbieter will Telegate den italienischen Markt erobern. Harisch sagte, es sei ein gemeinsames Sprachportal unter einer einheitlichen Rufnummer geplant. Unklar sei nur noch, welche der beiden verfügbaren Nummern man benutzen werde. Telegate wollte dort ursprünglich im Alleingang starten. Bislang ist Telegate dort nur als Outsourcing-Dienstleister für die amerikanische Telefongesellschaft Colt Telecom tätig. Ein weiterer Dienstleistungsvertrag sei innerhalb der nächsten vier Wochen in Sicht, hieß es.

Auch in anderen Ländern will Harisch die dort aufgebaute eigene Infrastruktur bis zur Erteilung einer eigenen Lizenz für die Telefonauskunft auf diese Weise auslasten, um zumindest die Kosten zu decken. In Spanien rechnet der Telegate-Chef bis zum dritten Quartal mit der Zuteilung der nötigen Lizenz. "In allen Ländern bewegt sich der Regulierer in die richtige Richtung", sagte Harisch. In der deutschen Telefonauskunft hat Telegate nach seinen Angaben inzwischen einen Marktanteil von 25 % erreicht. Mit der zunehmenden Verbreitung des Mobilfunks werde der Bedarf noch wachsen, sagte Harisch. 36 % der Anrufer ließen sich weiter vermitteln.

Telegate ab Februar im Internet

Der Start eines eigenen Internet-Portals, der im Vorjahr mißglückt war, soll in den kommenden vier Wochen nachgeholt werden. Die Netz-Auskunft werde Anfang Februar starten, sagte Harisch. Unter anderem wegen der mit dem Portal verbundenen technischen Probleme hatte Telegate seine Umsatzprognosen für das Jahr 2000 auf rund 270 Mill. von 300 Mill. DM gesenkt und erwartet wegen der ins Leere gelaufenen Marketingkosten einen Verlust von 18 Mill. DM. "Ich denke, dass wir in der Größenordnung heraus kommen", bekräftigte der Telegate-Chef. Ob es 2001 gelingen werde, wieder schwarze Zahlen zu schreiben, hänge von der Entwicklung des Marktes ab. "Wir können die Märkte nicht liegen lassen und müssen unsere Chancen nutzen", sagte Harisch.

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