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23.07.2000

14:41 Uhr

Telekom-Chef Ron Sommer trotzdem optimistisch

US-Regierung will Telekom Kauf von Voice Stream verbieten

EU-Kommission hat Konsequenzen für den internationalen Handel angekündigt, wenn die USA die Übernahme von VoiceStream per Gesetz untersagt.

Reuters BRÜSSEL/FRANKFURT. Wenn die USA ehemals staatlichen Telekomunternehmen aus Europa den Kauf von US-Telefongesellschaften verbieten sollten, werde dies Konsequenzen nach sich ziehen, sagte ein Sprecher der EU-Kommission am Sonntag in Brüssel. Der EU-Handelsbeauftragte in Washington, Bert van Barlingen, wurde in der "Financial Times" mit den Worten zitiert, die EU werde sich aus Vereinbarungen mit der Welthandelsorganisation (WTO) zurückziehen, wenn die USA solche Übernahmen per Gesetz untersagen sollten.

Telekom-Chef Ron Sommer zeigte sich indes optimistisch. Er sei trotz politischer Hürden zuversichtlich, dass der Telekom der Markteintritt in den USA gelingen werde, sagte Sommer dem "Spiegel". Die Telekom strebt nach Angaben aus Kreisen die Übernahme der VoiceStream Wireless für mehr als 50 Mrd. $ an.

US-Senatoren wollen strengeres Gesetz verabschieden

Ein US-Gesetz verbietet bereits heute den Kauf einer US-Telefongesellschaft durch einen Konzern, an dem ein ausländischer Staat mehr als 25 % der Anteile hält. Das Gesetz läßt aber Ausnahmen zu, wenn eine Übernahme im öffentlichen Interesse liegt. Eine Gruppe von US-Senatoren möchte jetzt ein strengeres Gesetz verabschieden, das einem Unternehmen den Erwerb einer Telefonlizenz in den USA dann untersagt, wenn es zu mehr als 25 % im ausländischem Staatsbesitz ist. Die Deutsche Telekom ist derzeit noch etwa zu 58 % im Besitz des deutschen Staates.

"Es ist klar: Wenn diese (US-)Politik durchgesetzt wird, wird das Auswirkungen auf den internationalen Handel haben", sagte EU-Sprecher Michael Curtis in Brüssel. Welche Konsequenzen damit gemeint sein könnten, sagte er allerdings nicht. "Wir sind in einer "Frühwarnposition". Es gibt die Möglichkeit, dass dieses Gesetz verabschiedet wird. Wir hoffen aber, das dies nicht passiert." Die EU-Kommission beobachte die Situation in den USA sehr genau und werde ihre Position von der Entwicklung in den USA abhängig machen.

Die "Financial Times" hatte zuvor berichtet, die EU werde voraussichtlich am Montag der US-Handelsbeauftragten Marlene Barshefsky einen Brief mit der Ankündigung der EU überreichen, sich möglicherweise aus den WTO-Vereinbarungen zurück zu ziehen. EU-Sprecher Curtis sagte, er könne nicht bestätigen, dass ein solcher Brief existiere.

Der Leiter der EU-Handelsdelegation in Washington, Bert van Barlingen, wurde von der Zeitung mit den Worten zitiert, sollte es tatsächlich das neue Gesetz geben, werde die EU eine Balance in dieser Frage herstellen müssen. "Wir müssten uns außerdem aus den Vereinbarungen zurück ziehen."

Telekom-Chef Sommer sagte dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel", er halte die Stimmen derjenigen, die ein solches Gesetz fordern würden, nicht für repräsentativ. "Außerdem haben wir ja nicht nur Geld, sondern auch 1,5 Mrd. neue Aktien, die wir als Akquisitionswährung einsetzen könnten. Wenn wir die alle verwenden, sinkt der Anteil des Bundes von jetzt 58 automatisch auf 38 %." Er habe zwar gewisses Verständnis für die Haltung der USA. Man dürfe aber die Telekom nicht mit Unternehmen etwa in Italien oder Spanien vergleichen, in denen der Staat ein Vetorecht bei Entscheidungen habe.

Telekom verhandelt derzeit über Kredit zur Finanzierung der Übernahme

VoiceStream will nach Angaben an diesem Wochenende das Angebot der Telekom bewerten. Eine formelle Vereinbarung könne dann binnen Tagen erfolgen, hieß es. Es gebe aber keine Garantie, dass auch eine Vereinbarung erreicht werde. Möglicherweise könnten die Gespräche zwischen den Unternehmen in der kommenden Woche weiter gehen. Nach Angaben aus Bankenkreisen verhandelt die Telekom derzeit über einen Kredit zur Finanzierung der Übernahme.

Kreisen zufolge verhandelt die Telekom zudem mit der viertgrößten US-Telefongesellschaft QWest Communications über eine Übernahme. Die Hoffnungen auf einen Kauf der US-Gesellschaft Sprint, deren geplante Fusion mit der WorldCom jüngst geplatzt war, habe die Telekom derzeit indes aufgegeben, hieß es. Die "Welt am Sonntag" berichtete, als Wunschkandidat der Telekom gelte Sprint. Auch an der britischen Cable & Wireless habe die Telekom Interesse. Die angeblichen VoiceStream-Pläne seien nur ein Ablenkungsmanöver, um die eigentlichen Verhandlungen nicht zu gefährden, hieß es.

Medienberichten zufolge hat die Telekom je VoiceStream-Anteil 3,2 eigene Aktien plus 30 $ in bar geboten. Gemessen an den Aktienkursen vom Freitag hat die Offerte damit ein Gesamtvolumen von 50,4 Mrd. $. Analysten verwiesen darauf, dass dies mit rund 35 000 DM für jeden der etwa drei Mill. VoiceStream-Kunden deutlich mehr sei als das, was zuletzt für Übernahmen in der Branche gezahlt worden sei. VoiceStream ist allerdings eine der letzten unabhängigen US-Mobilfunkgesellschaften in den USA und würde der Telekom nach Angaben von Branchenkennern eine solide Basis für einen Einstieg in den weltgrößten Telefonmarkt USA bieten.

Die Übernahmekasse der Telekom ist gut gefüllt. Ende Juni hatte das Unternehmen eine globale Anleihe auf ein Volumen von umgerechnet 14,6 Mrd. $ aufgestockt. Zudem fließen der Telekom rund 2,7 Mrd. Euro aus dem in dieser Woche bekannt gegebenen Verkauf seines 24,5-prozentigen Anteils an dem italienischen Mobilfunkbetreibers Wind zu. Die Telekom hatte wiederholt gesagt, für einen Einstieg in den USA einen dreistelligen Milliardenbetrag zur Verfügung zu haben.

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