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06.08.2000

19:04 Uhr

Telekom: UMTS-Lizenzen erfordern hohe Investitionen

T-Aktie verunsichert Anleger

Angesichts hoher Kosten für UMTS-Lizenzen wird die Deutsche Telekom wohl doch nicht in allen europäischen Ländern mitbieten. Das signalisierte Finanzvorstand Eick dem Handelsblatt. >>>Kommentar: Telekom-Aktie im Kurstal

dri/hz/pk FRANKFURT/BERLIN. Der T-Aktie droht neues Ungemach: Wie das Handelsblatt aus Kreisen des italienischen Internetanbieters Tiscali erfuhr, wird aller Wahrscheinlichkeit nach Hutchison bei der Tiscali-Tochter Andala einsteigen. Analysten hatten in der vergangenen Woche einen Einstieg der Telekom bei Andala erwartet. Diese Erwartung war überwiegend positiv bewertet worden. Am Freitag war die T-Aktie noch mit einem kleinen Plus bei einem Stand von 45,72 Euro aus dem Handel gegangen. Analysten wollten aber nicht ihre Hand dafür ins Feuer legen, dass damit schon eine Trendwende eingeleitet ist. Die Gefahr eines weiteren kurzfristigen Kursrückschlags sei nicht gebannt.

Nach Handelsblatt-Informationen soll der Hongkonger Konzern Hutchison bis zu 40 % an der Tiscali-Mobilfunktochter Andala erhalten und sich so an der italienischen UMTS-Auktion beteiligen. Tiscali - Gründer Renato Soru hatte zuvor als bevorzugten Verhandlungspartner neben Hutchison immer wieder die Telekom ins Spiel gebracht.

Von einem hochrangigen Telekom-Manager, der nicht genannt werden wollte, wurde am Wochenende auf Handelsblatt-Anfrage jedoch dementiert, dass sich die Telekom ernsthaft um Andala bemüht habe. Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick verwies im Interview mit dem Handelsblatt darauf, dass mit der UMTS-Lizenzvergabe "nicht nur hohe Lizenzkosten, sondern auch hohe Infrastrukturinvestitionen verbunden" seien. "Nicht alles, was man uns andichtet, wird auch von uns verfolgt", sagte Eick vor dem Hintergrund der Tiscali-Berichte aus Italien und London. Eick hält die T-Aktie für "enorm unterbewertet". Er ergänzte: "Der Markt wird sicher bald zu einer positiveren Einschätzung kommen."

Viele Gründe für den Kursverfall

Die meisten vom Handelsblatt befragten Experten in den Banken sind jedoch vorsichtiger. Erst nach einer Bodenbildung sollten die Anleger wieder zugreifen, war der Tenor im Analystenlager. Langfristig seien die Aussichten für die T-Aktie aber positiv. Das Papier ist nach Ansicht der Experten auf 12- bis 18-Monatssicht bei einem Preis zwischen 60 und 70 Euro fair bewertet. Doch derzeit sind die Anleger völlig verunsichert, wohin die gesamte Branche steuert. Neben der T-Aktie straften die Anleger auch Giganten wie British Telecom und die spanische Telefónica ab.

Gründe für den Kursverfall der Deutschen Telekom gibt es nach Ansicht der Analysten reichlich. Schlechte Unternehmenszahlen, der hohe Preis für den US-Mobilfunkanbieter Voicestream sowie die Milliardensummen für die UMTS-Lizenzen haben den Investoren die Laune verdorben.

Trotz der Hiobsbotschaften raten die Bankexperten den Anlegern aber, die Nerven zu behalten. Die Chancen stünden gut, dass die Talfahrt der T-Aktie bald zum Stillstand komme. Langfristig orientierte Anleger könnten bereits wieder an einen Einstieg in das Telekom-Papier denken.

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