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19.01.2001

16:53 Uhr

Telekom und SAP legen Zahlen vor

Dax-Ausblick: Stimmung bessert sich

VonCHRISTOPH MOSS

Gespannt warten Investoren auf den kommenden Dienstag. Dann werden die Dax-Schwergewichte SAP und Deutsche Telekom ihre Zahlen für das Jahr 2000 vorlegen.

HB FRANKFURT/DÜSSELDORF. Optimistisch blicken Anleger in die kommende Börsenwoche. "Wir haben an der Nasdaq und am Neuen Markt die Wende geschafft. Diese Stimmung wird nun auch den Dax beflügeln", sagt Gero Breuer, Analyst bei Dresdner Kleinwort Wasserstein. Er rechnet damit, dass der Deutsche Aktienindex (Dax), in dem 30 deutsche Standardwerte zusammengefasst sind, "in den nächsten 14 Tagen die 7 000er Marke testet". Die Stimmung unter den Anlegern habe sich zusehends gebessert. "Vor allem Investoren aus den USA verfolgen mit großem Interesse die Diskussion um die Steuer- und Rentenreform in Deutschland", sagt Breuer.

Besonders gespannt blicken Anleger auf den kommenden Dienstag, wenn die beiden Dax-Riesen SAP und Deutsche Telekom ihre Zahlen präsentieren wollen. "Sollte es SAP gelingen, die Marke von 200 Euro zu überspringen, ist nach oben hin noch einiges möglich", sagt Breuer. SAP will am Dienstag bei der Bilanzpressekonferenz das vorläufige Jahresergebnis 2000 bekannt geben. Die Analysten der DG Bank verweisen in ihrem Monatsbericht allerdings darauf, dass der Neuigkeitswert der am Dienstag zu erwartenden Zahlen eher gering sein dürfte, weil der Software-Riese schon zu Monatsbeginn mit ersten Eckdaten für eine positive Überraschung gesorgt habe.

Die Deutsche Telekom will am Dienstag das vorläufige Konzernergebnis 2000 präsentieren. "Vielleicht nutzt die Telekom am Dienstag die Chance, ein positives Signal zu setzen", sagt Ralf Hallmann, Analyst bei der Bankgesellschaft Berlin. Nachdem die gesamte Branche zum Ende des Vorjahres einen "regelrechten Kurssturz" erlebt hatte, könnten Anleger eine optimistische Grundstimmung bei dem Telekommunikations-Riesen als Indiz für die weitere Entwicklung im Jahresverlauf werten. "Immerhin hat die Telekom anklingen lassen, dass der Druck auf die Margen bei T-Mobil im Schlussquartal nicht weiter zugenommen hat." Hallmann rechnet mit einem Umsatz von rund 41 Mrd. Euro gegenüber 35,5 Mrd. Euro im Vorjahr. Beim Jahresüberschuss geht er von von 8,4 Mrd. Euro (Vorjahr: 1,3 Mrd. Euro) aus. Er rät, die Aktie zu akkumulieren.

Petra Heist, Telekom-Expertin bei der Hypo-Vereinsbank, stuft die Aktie nach wie vor mit "outperform" ein. "Die Telekom wird am Dienstag wohl nicht die Spartenergebnisse nennen. Erst im April wird es richtig spannend, wenn das Unternehmen auch die operativen Zahlen nennt." Für das Geschäftsjahr 2000 rechnet Heist mit einem Umsatz von 40,2 Mrd. Euro. Den Konzern-Jahresüberschuss schätzt sie auf 8,1 Mrd. Euro.

Zuversicht wächst

Für den deutschen Aktienmarkt schätzen die Analysten der DG Bank die Aussichten für eine Fortsetzung der Kurserholung in der kommenden Woche günstig ein. Mit Blick auf die erwartete Leitzinssenkung zum Monatsende und das angekündigte Steuersenkungsprogramm der neuen Regierung könne sich der US-Markt weiter stabilisieren, schreiben die Experten in ihrem Wochenausblick. "Damit besteht auch am heimischen Markt die Chance für weitere Kursgewinne", so die Experten. Dies gelte auch dann, wenn ein "nochmals schwächerer Ifo-Geschäftsklimaindex am kommenden Montag kurzzeitig für neue Irritationen" sorgen sollte. Gefahren für den Erholungsprozess könnten der DG Bank zufolge weiterhin von belastenden Unternehmensnachrichten ausgehen, sofern diesen eine Signalfunktion zugebilligt wird, wie etwa bei den zu erwartenden Zahlen des Mobilfunkherstellers Ericsson. "Insgesamt erscheinen die Chancen eines Aktienengagements aber inzwischen wieder größer als die Risiken", so die DG Bank. Dies gelte allerdings nicht für die in der Vergangenheit gesuchten defensiven Titel, beispielsweise aus dem Pharmabereich. Diese sollten, so die DG Bank, "künftig eher untergewichtet werden".

Grundsätzlich zuversichtlich zeigen sich auch die Analysten der Commerzbank. Nach der Baisse der vergangenen Monate scheine sich "die Börse allmählich zu stabilisieren", schreibt die Commerzbank in ihrem Wochenbericht. "Hierzu trägt vor allem die Beruhigung an den US-Märkten bei." Der deutsche Aktienmarkt habe nun "kräftiges Potenzial nach oben". Bei Käufen müssten aber "unbedingt fundamentale Faktoren" Beachtung finden. So sieht die Commerzbank gute Kurschancen bei Siemens und Linde.

Die Analysten der GZ-Bank stufen den Markt nach wie vor als "neutral" ein. Zwar habe der deutsche Aktienmarkt in der abgelaufenen Woche seine Erholung fortgesetzt. Allerdings habe der teilweise ungünstige Ausblick einiger Firmen auf das Gesamtjahr 2001 die Analysten in der Aussage bestärkt, dass dieses Börsenjahr eher als "verhalten" einzustufen sei, schreibt die GZ-Bank in ihrem Wochenausblick. "Erste selektive Käufe machen in diesem noch von Unsicherheit geprägten Umfeld jedoch durchaus Sinn", so die Analysten. Im Rahmen der zuletzt gezeigten Erholung seien weitere Kursgewinne insbesondere bei den zurückgebliebenen Sektoren zunächst durchaus möglich. Grund für Euphorie und Hoffnung sei aber nur bedingt angebracht. Für die kommenden Tage rechnet die GZ-Bank mit einem anhaltend volatilen Börsenumfeld.

"Vor allem die noch anstehenden Quartalszahlen und der damit verbundene Ausblick bezüglich des erwarteten Geschäftsverlaufs dürften den Markt in ihren Bann halten." Es sei aktuell zu sehen, dass die Hoffnung vieler Anleger auf einen sich erholenden Markt besonders die Phantasie in den technologielastigen Branchen gefördert habe. "Die Ergebnisse einiger wichtiger Vertreter lagen durchaus im Rahmen der zuvor nach unten revidierten Erwartungen und erlösten damit die Börsianer zunächst von der Angst vor erneut enttäuschenden Meldungen", so die GZ-Bank. Die Umschichtung aus den defensiven Sektoren in die zuletzt gemiedenen Bereiche Technologie und Telekommunikation werten die GZ-Analysten als Indiz, dass ein Großteil der Unsicherheiten nun in den Kursen ausreichend eingepreist sei. Trotz ihrer defensiven Haltung raten die Analysten der GZ-Bank neben Lufthansa und BP Amoco auch bei Nortel Networks zum Einstieg.

In der unten angefügten Tabelle finden Sie strategische Empfehlungen der Analysten von UBS Warburg für ausgewählte Dax-30-Werte:



UBS Warburg

Unternehmen

Einschätzung

EPSe

2000

2001

Adidas

-Salomon
Kaufen4,104,87
Allianz AGHaltenn.a.n.a.

BASF

Halten2,212,92

Bayer

Halten2,282,72
HypoVereinsbankHalten2,513,38

BMW

Kaufen1,411,56

Commerzbank

Halten3,282,08
Daimler-ChryslerVerkaufen3,331,48
Degussa HuelsKaufen2,653,22

Deutsche Bank

Kaufen7,574,95
Deutsche TelekomKaufen1,402,42
DresdnerHalten3,932,02

Epcos

Halten3,694,73

Fresenius Medical Care

AG
n.a.n.a.n.a.

Henkel

Halten3,093,40

KarstadtQuelle

Halten1,161,56

Linde

n.a.n.a.n.a.

Lufthansa

Kaufen2,261,41

MAN

AG
n.a.n.a.n.a.

Metro

AG
Kaufen0,881,14
Munich REKaufenn.a.n.a.
PreussagKaufen2,222,13

RWE

Halten1,982,85

SAP

AG
Kaufen1,753,11

Schering

AG
Halten1,892,00

Siemens

Halten5,676,41
Thyssen KruppKaufen0,851,15

Eon

Kaufen5,818,32
Viagn.a.n.a.n.a.

Volkswagen

Verkaufen3,443,41

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