Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.07.2000

20:22 Uhr

Telekom war das Sorgenkind des Tages

SAP und US-Börsen beflügeln den Dax

Eine neuen Höchststand konnten die Börsianer heute Abend feiern. Aufwärts ging es auch bei den MDAX-Werten und am Neuen Markt.

Reuters FRANKFURT. Ein Kurszuwachs von knapp 14 Prozent bei SAP sowie eine im Anschluss an eine Rede des US-Notenbankpräsidenten Alan Greenspan sehr freundliche US-Börse haben den Deutschen Aktienindex (Dax) am Donnerstag auf den höchsten Stand seit zehn Wochen gehoben. Nach einem Tageshoch von 7491 Punkten, dem höchsten Stand seit dem 5. Mai, ging der Dax am Ende mit 7480,14 Zählern 1,54 Prozent fester als am Mittwoch aus dem Handel. Ein noch deutlicherer Zuwachs wurde durch Verluste von rund fünf Prozent bei der Deutschen Telekom verhindert. Keine Auswirkungen hatte die Entscheidung der Europäischen Zentralbank, die Zinsen nicht anzuheben. Für die nächsten Tage wird eine weiter freundliche Börse erwartet. Aufwärts ging es auch bei den mittleren Werten und am Neuen Markt. Der MDax stieg um 0,55 Prozent auf 4637,84 Zähler. Dies bedeutete den höchsten Schlusskurs seit dem 31. Juli 1998. Der Nemax kletterte um 2,1 Prozent auf 5646,11 Punkte.

Der bereits im Tagesverlauf festere Dax hatte am Nachmittag Auftrieb durch positive Vorgaben aus den USA erhalten. Dort hatte US-Notenbankpräsident Alan Greenspan vor dem US-Senat Stellung zur Geldpolitik genommen. Greenspan hatte dabei zwar auf die nach seiner Ansicht weiter bestehenden Gefahren einer Inflation hingewiesen. Volkswirte werteten die Aussagen aber eher positiv für den Aktienmarkt. Teilweise wurde davon ausgegangen, dass die US-Notenbank die Zinsen bei ihrem Treffen am 22. August nicht weiter anheben wird. Der Dow-Jones- Index der US-Standardwerte notierte bei Handelsschluss in Frankfurt mit 10.850 Punkten 1,44 Prozent im Plus. Der Nasdaq-Index der Technologiewerte stieg um 2,85 Prozent auf 4171 Zähler. Steigende Zinsen wirken sich tendenziell belastend auf den Aktienmarkt aus, weil die Kreditbeschaffung für Unternehmen dadurch teurer werden und die Gewinne der Unternehmen deshalb geringer beziehungsweise die Verluste höher ausfallen. Zudem gewinnen andere Anlageformen wie Anleihen an Attraktivität, da sie höhere Zinsen abwerfen.

Die Zinsen im Euro-Raum bleiben, wie von Volkswirten erwartet, unverändert. Die Europäische Zentralbank beließ bei ihrem Treffen den Satz für Leitzinsen bei 4,25 Prozent und wies auf gute Fundamentaldaten und einen positiven Wachstumstrend im Euro-Raum hin. Eine Mehrheit der Analysten erwartet einen Zinsanstieg im Euro-Raum allerdings ab September. In den USA beträgt der Leitzins 6,5 Prozent. Tagesgewinner im Dax waren am Donnerstag SAP. Die Aktien des Softwareherstellers stiegen um 13,9 Prozent auf 249,51 Euro. Das Unternehmen hatte zuvor seine Halbjahreszahlen vorgelegt, die ein beschleunigtes Wachstum ausgewiesen hatten. Zudem hatte SAP einen positiven Ausblick auf den weiteren Geschäftsverlauf gegeben. KarstadtQuelle stiegen nach der Ankündigung des Rücktritts von Vorstandschef Walter Deuss um 9,7 Prozent auf 33,50 Euro. Händler begründeten den Anstieg mit Hoffnungen am Markt auf einen Neuanfang bei Karstadt. Deuss stand der früheren Karstadt AG und der nach der Verschmelzung neuen KarstadtQuelle AG insgesamt 18 Jahre vor. Er war in die Kritik geraten, weil der Konzern das 1999 in dem Verschmelzungsbericht genannte geplante Betriebsergebnis verfehlt hatte. Deuss soll nun in den Aufsichtsrat wechseln.

Auch DaimlerChrysler gehörte mit einem Plus von 0,6 Prozent auf 60,26 Euro zu den Gewinnern. Der Konzern hatte zuvor die Übernahme des kanadischen Bus- und Lkw-Herstellers Western Star angekündigt. Dadurch will DaimlerChrysler seine Position als Weltmarktführer bei Nutzfahrzeugen ausbauen. Zudem soll der Motorenhersteller Detroit Diesel aus den USA gekauft werden. Beide Übernahmen zusammen kosten rund 1,8 Milliarden DM. Berichte über einen kurz bevor stehenden Einstieg der HypoVereinsbank (HVB) bei der größten Bank Österreichs, der Bank Austria (BA), führten zu einem Kursanstieg der HVB-Aktien von zwei Prozent auf 67,75 Euro. Einem Zeitungsbericht zufolge will die HVB ihren Aufsichtsrat am Samstag über eine Beteiligung von mindestens 25 Prozent und einer Aktie an der BA informieren. Unter deutlichem Abgabedruck standen die Aktien der Deutschen Telekom. Händler machten dafür Berichte verantwortlich, wonach die Telekom der US-Gesellschaft VoiceStream angeblich ein Übernahmeangebot von umgerechnet rund 111 Milliarden DM vorgelegt habe. Dieser Preis liegt über dem, der in den vergangegen Tagen im Zusammenhang mit Gerüchten über eine mögliche Übernahme genannt worden war. Die Telekom-Aktien schlossen nach einem Tagestief von 55,70 Euro am Ende mit 57,17 Euro 5,35 Prozent schwächer als am Mittwoch.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×