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22.06.2000

16:19 Uhr

Telekommunikation

WorldCom und Sprint zu Zugeständnissen bei Fusion bereit

dpa NEW YORK/BRÜSSEL. Die US-Telekommunikationsriesen WorldCom und Sprint sind zu weit reichenden Zugeständnissen an die Wettbewerbshüter in Brüssel und Washington bereit, um ihren geplanten Zusammenschluss zu retten. Dabei geht es um die Summe von insgesamt 40 bis 45 Mrd. $ (82,8 bis 93,15 Mrd. DM), berichteten amerikanische Zeitungen am Donnerstag.

Trotzdem steht die Transaktion, bei der die rasant expandierende WorldCom-Gruppe Sprint für 115 Mrd. $ kaufen würde, auf Messers Schneide. Die beiden US-Firmen seien dazu bereit, einen Teil oder das gesamte Ferngesprächsgeschäft von Sprint und deren Internet- Telekommunikationsnetz zu verkaufen, berichtete das " Wall Street Journal". Die Zeitung bezifferte den Wert dieser Geschäftssparten sogar auf 45 bis 50 Mrd. $.

EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti neige dazu, die Transaktion zu blockieren, weil die fusionierte Gesellschaft eine zu starke Kontrolle über den globalen Ferngesprächsmarkt und den Internetverkehr in Europa habe, schrieb die "New York Times".

Zu Spekulationen, wonach Brüssel ein Verbot der Telekom-Ehe vorbereite, nahm die Behörde keine Stellung. Vor der Entscheidung muss noch der so genannte Beratende Ausschuss der Behörde zusammenkommen, in dem die EU-Mitgliedstaaten vertreten sind. Der Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg zufolge soll das Treffen an diesem Freitag sein.

Die EU-Kommission betonte am Donnerstag, sie habe noch keine Entscheidung zur Fusion der Telekomkonzerne gefällt. Deshalb seien Spekulationen über ein Verbot oder eine Genehmigung verfrüht, hieß es in Brüssel. Die Behörde bekräftigte frühere Aussagen, wonach sie den Zusammenschluss bis 12. Juli wettbewerbsrechtlich prüfen wird. Beobachter rechnen mit einem Beschluss am 5. Juli oder schon am 28. Juni.

Monti wollte sich nach US-Medienberichten am Donnerstag in Washington mit der US-Justizministerin Janet Reno und dem Leiter des US-Kartellamtes Joel Klein sowie anderen Wettbewerbshütern treffen, um die EU-Vorbehalte zu erläutern.

Der EU-Kommission geht es vor allem um den Wettbewerb im Internetgeschäft. Washington verlangt offensichtlich als Minimum, dass das Internet-Netz von Sprint verkauft wird.

Brüssel würde es nach Angaben der "New York Times" vorziehen, dass die fusionierte Gesellschaft die UUNET-Sparte von WorldCom verkauft. UUNET ist die weltgrößte Internet-Telekommunikationsfirma. Über UUNET läuft ein erheblicher Teil des globalen Internet-Verkehrs. Bisher hatte WorldCom insistiert, dass man lieber die Fusion platzen lassen werde als UUNET zu verkaufen.

Das US-Justizministerium macht sich hingegen vor allem Sorge über die Macht, die eine fusionierte Sprint-WorldCom im US- Ferngesprächsmarkt bekommen würde. AT&T ist dort Branchenführer, doch hatte WorldCom 1997 bereits die zweitgrößte US- Ferngesprächsgesellschaft MCI geschluckt und will jetzt mit Sprint auch die drittgrößte Ferngesprächs-Firma übernehmen.

Allerdings ist das Hauptziel von WorldCom bei der geplanten Sprint-Übernahme deren riesiges US-Mobilfunknetz. WorldCom hat bisher kein Mobilfunknetz und benötigt es dringend, um ebenso wie andere große Telekomkonzerne seinen Kunden gebündelte Telefon-, Internet- und Mobilfunkdienste anbieten zu können.

Für das Sprint-Ferngesprächsgeschäft und die Internet-Aktivitäten könnten sich im Falle eines Verkaufs große europäische oder amerikanische Telekomunternehmen interessieren. Sollte die Fusion platzen, wäre Sprint für andere Gesellschaften ebenfalls interessant.

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