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27.06.2000

23:14 Uhr

Telekommunikationskonzerne sprechen noch von einer Neuauflage unter anderen Vorzeichen

Worldcom und Sprint ziehen Fusions-Pläne zurück

Die US-Telekommunikationskonzerne Worldcom und Sprint haben ihre Fusionspläne zurückgezogen. Die Unternehmen reagierten damit auf die Blockade des Zusammenschlusses durch die US-Wettbewerbshüter. Der Chef der Kartellbehörde im US-Justizministerium, Joel Klein, teilte gestern in Washington mit, seine Behörde wolle gegen die geplante Fusion klagen. Worldcom und Sprint lassen sich aber die Option offen, bei den Kartellbehörden erneut einen Antrag auf Genehmigung zu stellen.

nks NEW YORK. Analysten halten es für wahrscheinlich, dass die Fusion am Widerstand der Behörden völlig scheitern wird. "Es ist nur schwer vorstellbar, dass weitere Zugeständnisse der Unternehmen an die Kartellbehörden geschäftlich noch Sinn machen", kommentierte Joao Baptista, Chef der Telekommunikationsgruppe bei der Unternehmensberatung Mercer Management Consulting.

Worldcom ist die zweitgrößte Ferngesprächsgesellschaft in den USA, Sprint ist die Nummer drei der Branche. Die Unternehmen hatten im Oktober des vergangenen Jahres ihren geplanten Zusammenschluss im damaligen Wert von 129 Mrd. $ bekannt gegeben. Die Fusion wäre eine der bislang größten in der Telekommunikationsbranche gewesen.
Die Kritik der amerikanischen Kartellbehörden richtete sich in erster Linie gegen die Dominanz der Unternehmen im US-Markt für Ferngespräche.

Die Unternehmen würden gemeinsam 80% dieses Marktes in den USA kontrollieren, begründete Kartellhüter Klein die ablehnende Entscheidung. "Das würde Worldcom und AT&T ermöglichen, höhere Preise zu verlangen", sagte er. AT&T ist der bislang führende US-Anbieter von Ferngesprächen. Das Justizministerium sorgt sich zudem, dass eine Fusion zu nachlassender Qualität der Dienstleistung und weniger Innovation führen würde. Die Fusion beeinträchtige den Wettbewerb im Bereich Datenübertragung. Zudem würde Worldcom-Sprint die Internet-Infrastruktur in den USA dominieren, sagte Klein.

Europäische Kartellbehörden monierten vor allem die Dominanz im Internetgeschäft

Auch bei den europäischen Kartellbehörden hatte es Kritik gegeben, die sich hauptsächlich auf den Internetbereich konzentrierte. Die beiden Konzerne gehören zu den wenigen Unternehmen, die über eine internationale Infrastruktur für die Übertragung von Daten über das Internet verfügen. Mario Monti, der oberste Kartellhüter der Europäischen Kommission, hatte erst am Montag gesagt, dass die Fusion in ihrer jetzigen Form keine Zustimmung finden werde. Die Entscheidung der US-Behörden sei jedoch unabhängig von den Bedenken der Europäer gefallen, sagte US-Kartellwächter Klein.

Um die Fusion zu retten, hatte Worldcom Berichten zufolge sogar eine Aufspaltung von Sprint erwogen. Ein mögliches Szenario wäre der Verkauf der Ferngesprächssparte und des Internetgeschäfts des kleineren Partners gewesen. Ein Verkauf der Internetsparte von Worldcom, UUNet, galt dagegen als ausgeschlossen. Worldcom-Chef Bernie Ebbers hatte in der Vergangenheit deutlich gemacht, dass die Fusion an einem geforderten UUNet-Verkauf scheitern würde.

Übrig geblieben wäre für Worldcom nach einer Aufteilung von Sprint nur noch dessen Mobilfunkbereich. Diese Sparte hat aber große strategische Bedeutung, da Sprint als einer der wenigen Anbieter in den USA über ein Mobilfunknetz mit nationaler Reichweite verfügt. Allerdings ist das Mobilfunkgeschäft alleine noch nicht profitabel.
An der Börse reagierte der Kurs der Worldcom-Aktie mit einem deutlichen Sprung von knapp 3$ auf über 40 $ auf die abgesagten Fusionspläne. Sprint gaben dagegen nach.

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