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08.01.2003

08:21 Uhr

Terminbörse Chicago Board of Trade (CBOT) erwägt neue Kooperation mit dem Eurex-Konkurrenten Liffe

Transatlantisches Börsenbündnis ist in Gefahr

VonUdo Rettberg

Steht das transatlantische Börsenbündnis zwischen der deutsch-schweizerischen Terminbörse Eurex und ihrem US-Partner Chicago Board of Trade (CBOT) vor dem Aus? Aus Chicago war am Dienstag zu hören, dass der Verwaltungsrat der ältesten Terminbörse der Welt in Chicago die Entscheidung über eine Verlängerung des vor geraumer Zeit revidierten Abkommens beider Börsen zunächst offen gelassen hat.

FRANKFURT/M. Die zum Ende dieses Jahres auslaufende Vereinbarung sieht vor, dass beide Partner unabhängig voneinander neue Finanzderivate entwickeln können. Die Eurex, eine Tochter der Deutsche Börse AG in Frankfurt, hat die Möglichkeit, sich den wichtigen US-Markt zu erschließen und sowohl dort als auch in anderen Regionen der Welt neue Derivate anzubieten, die auf US-Dollar basieren. Das neue CBOT-Management erwägt, die Kooperation mit der Eurex - die auch die elektronische Handelsplattform a/c/e umfasst - nicht zu verlängern. In London hieß es in diesem Zusammenhang, CBOT habe jüngst intensiv mit der britischen Terminbörse Liffe über eine Kooperation verhandelt. Eine Sprecherin der zur paneuropäischen Börse Euronext gehörenden Liffe wollte sich zum Stand der Verhandlungen nicht äußern.

In Marktkreisen hieß es, die Verhandlungen zwischen CBOT und Liffe würden auch darauf abzielen, CBOT-Mitgliedern künftig Zugang zum elektronischen Handelssystem der Liffe "Connect" zu verschaffen. In London hält man das eigene Handelssystem für moderner und effizienter als das Eurex-System. An der Eurex wird indes darauf hingewiesen, dass das eigene Handelssystem den Erfordernissen des Marktes entspricht. "Kein Teil unseres Systems ist älter als 18 Monate", sagt Eurex-Pressesprecher Uwe Velten. Sollte sich CBOT tatsächlich für die Liffe als künftigen Technologie-Partner entscheiden, wäre dies nach Meinung von Marktteilnehmern ein Rückschlag für die Eurex. In Kreisen der Eurex wird betont, dass die Kooperation mit dem CBOT weit über die Produktseite hinausgehe. Man könne sich durchaus eine Verlängerung der Kooperation vorstellen. Dies jedoch nur zu den aus Sicht der Eurex richtigen kommerziellen Bedingungen.

Die Eurex hat seit langem auf die Bedeutung des US-Marktes für ihr Geschäft hingewiesen. Bekanntlich hat die größte Terminbörse der Welt in der Vergangenheit Kooperations- oder Übernahmegespräche mit beinahe allen Derivatebörsen der USA geführt. Man prüfe alle Optionen und könne sich auch durchaus einen Alleingang auf dem US-Markt vorstellen, hieß es in Eurex-Kreisen. Der CBOT-Verwaltungsrat wird voraussichtlich Ende dieser Woche erneut zusammenkommen. "Es handelt sich um eine komplexen Prozess, so dass eine Entscheidungsfindung nicht unbedingt in den nächsten Tagen erfolgen muss", hieß es in Chicago.

Quelle: Handelsblatt

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