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30.03.2003

16:15 Uhr

Terrorist sprengte sich selbst in die Luft

Selbstmordattentäter verletzt in Israel 30 Menschen

Ein palästinensischer Selbstmordattentäter hat sich am Sonntag in der israelischen Küstenstadt Netanja in die Luft gesprengt und mindestens 30 Menschen verletzt.

Reuters NETANJA. Der Anschlag ereignete sich nach Polizeiangaben vor einem Cafe in einer belebten Fußgängerzone nahe dem Strand. Zu dem Anschlag bekannte sich die radikale Palästinensergruppe Islamischer Dschihad. Es war der erste Selbstmordanschlag in Israel seit Beginn des Irak-Kriegs am 20. März. Die Palästinenser-Führung verurteilte den Anschlag. Israel forderte den palästinensischen Ministerpräsidenten Mahmud Abbas auf, energisch gegen Gewalt einzuschreiten.

Der Attentäter habe sich vor dem Cafe "London" selbst in die Luft gesprengt, sagte der Polizeichef für Zentral-Israel, Amischai Schai. Es habe Geheimdienstwarnungen vor neuen Anschlägen gegeben. Hintergrund seien der von den Palästinensern begangene Tag der Landnahme am Sonntag und die erhöhten Spannungen wegen Irak-Krieges. Der Tag der Landnahme erinnert an die Enteignung von Arabern nach der Gründung Israels.

Ein Augenzeuge berichtete, er habe den Attentäter beobachtet, wie er sich einer Gruppe israelischer Soldaten genähert habe, die auf einen Sitzplatz im Cafe warteten. "Ich sah, wie sich der Terrorist in die Luft sprengte. Ich sah die Explosion", sagte der Augenzeuge. Ein Kellner berichtete: "Ich wusste sofort, das ist ein Anschlag. Ich ließ das Fleisch auf dem Grill und rannte rüber. Ich sah die Menschen am Boden - schreiend, überall war Blut im Eingang."

Mindestens 30 Verletzte seien in Krankenhäuser eingeliefert worden, sagten Ärzte. Augenzeugen sprachen von mehreren verletzten Soldaten. Auf Fernsehbildern war der verstümmelte Körper des Attentäters zu sehen, ein Bein war abgerissen.

In einem Fax bekannte sich der Islamische Dschihad zu dem Anschlag. Die Tat sei ein "Geschenk für das irakische Volk". Weiter hieß es, eine erste Gruppe von Selbstmordattentätern sei in den Irak entsandt worden, um der Bevölkerung im Kampf gegen die Soldaten der USA und Großbritanniens zu helfen. Der Anführer des Islamischen Dschihad in Beirut sagte, der Attentäter von Netanja stamme aus der Stadt Tulkarm im Westjordanland.

Der palästinensische Minister Saeb Erekat verurteilte Gewalt gegen Zivilisten. Internationale Vermittler müssten sich jetzt dringend auf die Wiederbelebung des Friedensdialogs zwischen Israel und Palästinensern konzentrieren, forderte Erekat. Ein Sprecher des israelischen Außenministeriums forderte Abbas auf, dafür sorgen, dass dies der letzte von Palästinensern verübte Terroranschlag bleibe. "Gehen Sie gegen Ihre militanten Leute vor, nur dann können wir uns auf einen ernsthaften Friedensprozess zu bewegen."

Der Aufstand der Palästinenser dauert bereits seit September 2000 an. Seither wurden mindestens 1957 Palästinenser und 727 Israelis getötet. Zuletzt hatte sich am 5. März ein Palästinenser in einem Bus in der nordisraelischen Stadt Haifa in die Luft gesprengt und dabei 17 Menschen getötet.

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