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31.07.2000

14:57 Uhr

Teuer für die Kunden

Beim Poker um die UMTS-Lizenzen liegt Mobilcom vorn

rtr/adx MAINZ. Ein zögerlicher Auftakt: Am ersten Auktionstag haben die Unternehmen verhaltene Gebote für die deutschen UMTS-Lizenzen abgegeben. Nach sieben Runden lagen am Montagabend Gebote über 2,35 Mrd. DM für die zwölf zur Versteigerung stehenden Frequenzblöcke vor, teilte die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post mit.

Mobilcom mit seinem Partner France Telecom stand mit seinem Gebot von mehr als einer Milliarde Mark für zwei Frequenzblöcke unangefochten mit weitem Abstand an der Spitze der Bieter. Der Präsident der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post, Klaus-Dieter Scheurle, bewertete die Strategie der Bieter als abwartendes Taktieren und äußerte sich zufrieden mit dem Auktionsverlauf.

Von den nach wie vor sieben in der Auktion aktiven Bietern gaben in der siebten Versteigerungsrunde alle ein Höchstgebot für mindestens einen Block ab. Um eine Lizenz im neuen Mobilfunkstandard UMTS zu erhalten, muss ein Unternehmen mindestens zwei Blöcke ersteigern. Maximal dürfen drei Blöcke ersteigert werden. Die vorliegenden Höchstgebote sind nur Zwischenergebnisse, da T-Mobil, E-Plus Hutchison, Debitel und Viag Interkom nur für einen Block Höchstbieter sind und daher in den folgenden Runden nachlegen werden. Es wird damit gerechnet, dass vor allem die Marktführer Mannesmann und T-Mobil drei Blöcke anstreben, während sich die anderen Unternehmen diese Möglichkeit prinzipiell ebenfalls offen halten werden, um möglicherweise eins von vier siegreichen Unternehmen zu sein.

Mit dem Verlauf "sehr zufrieden"

Die Auktion endet, wenn kein neues Höchstgebot für einen der zwölf Blöcke vorgelegt wird. Aus dem bisherigen Auktionsverlauf sind nach Angaben der Regulierungsbehörde noch keine Rückschlüsse auf das finanzielle Ergebnis der Auktion, die Sieger oder die Bietstrategien der Unternehmen möglich. Behördenpräsident Scheurle sagte nach Abschluss des ersten Auktionstages, er sei mit dem Auktionsverlauf "sehr zufrieden". Man müsse wie erwartet Geduld mitbringen. Die Unternehmen hatten im Anschluss an die Eröffnungsrunde jeweils nur wenig mehr als in den Vorrunden geboten. Scheurle sagte: "Die Unternehmen bieten nur das Nötigste. Das ist auch ok." Die Bieter agierten sehr vorsichtig "in kleinen Schritten" und warteten zunächst noch ab. Der Vorstandschef von Debitel, Peter Wagner, sagte, man habe mit einem verhaltenen Auktionsauftakt gerechnet, in dem die Bieter sich gegenseitig beobachteten.

Kein Kommentar des Finanzministers

Die Bonner Regulierungsbehörde ist Auktionator der neuen Mobilfunklizenzen im weltweiten Standard UMTS (Universal Mobile Telecommunications System). Das Bundesfinanzministerium lehnte einen Kommentar zum bisherigen Verlauf der Auktion ab. Man wolle sich frühestens Ende der Woche äußern, hieß es. Sofern die Bieter ihr Auktionsverhalten nicht ändern, ist Scheurle zufolge mit einem eher längeren Versteigerungsprozess zu rechnen. In der Branche war zu Beginn der Auktion eine Versteigerungsdauer von ein bis zwei Wochen erwartet worden.

Das Vorgehen der Unternehmen ähnelt nach Scheurles Worten dem Versteigerungsverfahren in den Niederlanden und Großbritannien. In den Niederlanden hatte es nach der britischen Versteigerung mit einem Auktionserlös von mehr als 70 Mrd. DM nur einen schleppenden Verlauf und ein deutlich unter den hoch gesteckten Erwartungen liegendes Ergebnis gegeben. Allerdings hatte auch die Auktion in Großbritannien verhalten begonnen, war aber erst nach rund 150 Runden zu Ende gegangen, in denen sich die Unternehmen hochgeschaukelt hatten.

Mobilcom/France lagen mit ihrem gleich in der ersten Runde für zwei Frequenzblöcke vorgelegten Gebot von je 501 Mill. DM auch nach sieben Runden weiter mit Abstand an der Spitze der Bieter. Das nächsthöchste Gebot für drei der insgesamt zwölf technisch gleichwertigen Funkfrequenzblöcke lag bei je 150 Mill. DM und wurde von Mannesmann/Vodafone abgegeben.

Größte Auktion der deutschen Industriegeschichte

Bei der größten Auktion in der deutschen Industriegeschichte können je nach Bieterverhalten vier bis sechs Unternehmen erfolgreich sein. Die Unternehmen entscheiden durch ihr Bieterverhalten selbst, ob es vier, fünf oder sechs Lizenzen geben wird. Die Lizenzen berechtigen zum Betrieb neuer, gegenüber den bisherigen Standards wesentlich leistungsstärkerer Mobilfunknetze ab 2002. Der Standard UMTS soll es möglich machen, dass die Mobilfunkkunden etwa das Internet uneingeschränkt nutzen und Bilder über das Handy übertragen können. Der von Experten zwischen 20 und 140 Mrd. DM geschätzte Versteigerungserlös soll zur Verringerung der deutschen Staatsschulden verwendet. Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) will unter anderem Anleihen des Bundes vor der Fälligkeit zurückkaufen.

Vertreten sind sieben Unternehmensgruppen bei der Auktion: Die vier bereits am deutschen Markt aktiven Mobilfunkanbieter D-1 Telekom, D-2 Mannesmann/Vodafone AirTouch, E-Plus mit seinen Partnern KPN (Niederlande), Hutchison Whampoa (Hongkong) und NTT DoCoMO (Japan) sowie Viag Interkom mit seinen Partnern British Telecom und Telenor (Norwegen). Zudem bieten France Telecom mit Mobilcom, Swisscom mit Tochter Debitel sowie die Bietergruppe 3G von Sonera (Finnland) und Telefonica (Spanien).

Abgeschirmt in getrennten Räumen

Die sieben Bietergruppen sitzen von Sicherheitskräften abgeschirmt in getrennten Räumen. Damit sollen Absprachen verhindert werden. Mit dem eigenen Unternehmen und Expertenteams sind die Bieterteams über eine abhörsichere Telefon- und Faxleitung verbunden.

Die Verbraucher wollen Umfragen zufolge maximal 40 Mark im Monat für den multimedialen Mobilfunk ausgeben, wie der Verband der deutschen Internet-Wirtschaft eco Electronic Commerce Forum in Köln mitteilte. "Weit darüber liegende Nutzungsgebühren würden den Massenmarkt verhindern und damit Deutschland eine schlechte Startposition in den Zukunftsmarkt Mobile Commerce verschaffen", sagte Bettina Horster, Vorsitzende des Arbeitskreises M-Commerce bei eco.

Handys werden teurer

Die Mummert + Partner Unternehmensberatung verwies darauf, dass die Kunden für die schnellere Datenübertragung und die zusätzlichen Multimedia-Fähigkeiten der UMTS-Handys tief in die Tasche greifen müssen. "Trotz Subventionen der Netzbetreiber ist mit 50 bis 80 Mark pro Monat zu rechnen", erklärte Mobilfunk-Experte Andreas Hoffmann von dem Hamburger Unternehmen. Dies werde viele potenzielle Nutzer abschrecken. Auch die Handys selbst würden bei UMTS teurer sein als bei den heutigen D- und E-Netzen. Da sie mehr technische Standards beherrschen müssen, rechnen Fachleute mit dem doppelten Preis wie für derzeitige Top-Geräte.

Noch sei unklar, ob sich die immensen Investitionen in absehbarer Zeit auszahlen, heißt es in der Analyse von Mummert + Partner. Der Normalverbraucher habe in der Startphase noch wenig von den neuen Multimedia-Möglichkeiten der UMTS-Netze, weil geeignete Dienstleistungsangebote fehlen. Ein Massenmarkt sei für die nächsten Jahre nicht in Sicht. Prognosen, dass 2010 weltweit ein bis zwei Mrd. Kunden UMTS nutzen werden, sind nach Ansicht von Mummert + Partner nicht haltbar. "Wer nur telefonieren möchte, braucht kein UMTS-Handy", gibt Hoffmann zu bedenken. Für Handy-Fähigkeiten wie mobile Videokonferenzen bestehe derzeit nur bei Managern Bedarf.

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