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18.07.2000

14:02 Uhr

Reuters FRANKFURT. Wegen des deutlichen Anstiegs der Verbraucherpreise in der Euro-Zone im Juni haben die Kurse der europäischen Renten-Futures am Dienstagmittag deutlich ins Minus gedreht. Am Vormittag hatten sie bei niedrigen Umsätzen durchweg leicht im Plus notiert. Der richtungweisende Euro-Bund-Future lag gegen 13.30 Uhr MESZ nach minus vier Ticks bei 104,43 Punkten.

Kurz nach der Veröffentlichung der europäischen Preisdaten um 12.00 Uhr MESZ hatte der Kontrakt ein vorläufiges Tagestief von 104,30 Punkten gesehen. "Wegen der geringen Liquidität waren die Daten der Auslöser für die Abwärtsbewegung", sagte ein Händler.

Am Nachmittag könnten die Rentenkurse weiter unter Druck geraten, wenn die US-Verbraucherpreise im Juni stärker als erwartet angestiegen sein sollten. Händler sehen den Bund-Future in einer engen Spanne von 104,30 bis 104,55 Punkten pendeln. Die jüngsten Inflationsdaten für die Euro-Zone zeigen nach Ansicht der Europäischen Kommission erstmals, dass sich die gestiegenen Ölpreise auch auf die Kernrate der Inflation (ohne Mineralölprodukte und Lebensmittel) auswirken. Die Inflationsrate stieg im Juni in der Euro-Zone auf 2,4 (Mai 1,9) Prozent. Die Markterwartungen waren von einem Anstieg der Preise in der Euro-Zone um 2,3 % gegenüber Juni 1999 ausgegangen. In der Kernrate legte die Teuerung um 1,3 (1,1) Prozent zu. Damit erreichte die Teuerungsrate nach vergleichbaren Zahlen den höchsten Stand seit März 1996.

Zehn der elf Mitgliedsländer der Euro-Zone lagen mit ihren Preisdaten bei oder über 2,0 %. Bis zu dieser Grenze ist nach Definition der Europäischen Zentralbank (EZB) ein stabiles Preisniveau gewährleistet.

Analysten sahen sich durch die Preisdaten in ihrer Prognose bestätigt, dass die EZB im September erneut die Leitzinsen in der Euro-Zone erhöhen wird. Einige Volkswirte rechnen bereits mit einer Erhöhung des Mindestbietungssatzes für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte um weitere 50 Basispunkte auf 4,75 %.

Wichtiger für den Rentenhandel sind nach Ansicht von Händlern die US-Verbraucherpreise für Juni, die um 14.30 Uhr MESZ veröffentlicht werden. In den vergangenen Tagen war der europäische Rentenmarkt in der Regel der Kursentwicklung der US-Staatsanleihen gefolgt. Befragte Volkswirte erwarten einen Anstieg der Verbraucherpreise um 0,4 % gegenüber Mai, als sie ein Plus von 0,1 % aufwiesen. In der Kernrate ohne Lebensmittel- und Energiepreise lautet die Prognose auf einen unveränderten Anstieg um 0,2 %. "Wenn die Preisdaten stark ausfallen, könnte der Bund-Future auf 104,00 Punkte nachgeben", sagte ein Händler.

Am europäischen Rentenmarkt gaben kurze wie lange Laufzeiten wegen der Inflationsdaten nach. Der Bobl-Future notierte nach minus vier Ticks bei 102,53 Punkten. Der Schatz-Future ermäßigte sich um zwei Zähler auf 101,25 Punkte. Die zehnjährige Bundesanleihe Juli 2010 notierte mit 99,40 % nach 99,57 % zur Kasse. Sie rentierte auf dem neuen Niveau mit 5,32 %. Der Rentenmarktindex Rex lag mit 109,51 Punkten 0,02 % tiefer als zum Vortagesschluss.

Der Euro, der am Rentenmarkt Händlern zufolge am Dienstag keine Rolle spielte, lag gegen 13.30 Uhr MESZ bei 0,9354/56 $.

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