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04.02.2001

18:45 Uhr

Teufel greift Führung scharf an

Führungsdiskussion in der CDU geht weiter

Die Führungsdiskussion in der CDU hält unvermindert an. Der hessische Ministerpräsident Roland Koch wurde am Wochenende als weiterer möglicher Kanzlerkandidat ins Gespräch gebracht, lehnte aber umgehend ab. Der baden-württembergische Regierungschef Erwin Teufel griff die Parteispitze in ungewöhnlich scharfer Form an und sprach von "heilloser Zerstrittenheit". Parteichefin Angela Merkel, Fraktionschef Friedrich Merz und die CSU forderten derweil ein Ende der Personaldiskussion.

ap BERLIN. "Die CDU gibt zurzeit auf Bundesebene ein verheerendes Bild ab", sagte Teufel der "Welt am Sonntag". Statt Führung und Sachpolitik präsentiere sich die Partei in der Öffentlichkeit heillos zerstritten. Dabei sei für das Ansehen gerade einer bürgerlichen Partei Geschlossenheit eine entscheidende Voraussetzung. Die CDU müsse schnellstens aufhören, sich mit sich selbst zu beschäftigen, betonte Teufel, der bei der baden-württembergischen Landtagswahl am 25. März als CDU-Spitzenkandidat antritt. Vor allem müsse "sofort und ein für alle Mal Schluss sein mit dem völlig überflüssigen Geschwätz über eine Kanzlerkandidatur zur Unzeit".

Merz bezeichnete die Kritik als berechtigt. "Die Union gibt zurzeit ein Bild ab, das nicht geschlossen genug ist", räumte er in einem Interview mit dem "Münchner Merkur" (Montagausgabe) ein. Teufel habe gerade im Wahlkampf "Anspruch auf Unterstützung der Berliner Parteiführung und wie wir alle kein Interesse daran, dass Debatten geführt werden über Entscheidungen, die jetzt nicht anstehen". Der Kanzlerkandidat der Union werde nicht vor Anfang nächsten Jahres bestimmt, bekräftigte Merz. Auch Merkel erklärte in der ARD, Personalfragen müssten "zu gegebener Zeit im Einvernehmen mit der CSU" geklärt werden.

CSU für Ende der Debatte

Auch die bayerische Schwesterpartei der CDU forderte am Wochenende nachdrücklich ein Ende der Kandidatendebatte. "Das Beste für uns ist, die Finger von dem Thema zu lassen", sagte der stellvertretende CSU-Vorsitzende Horst Seehofer der "Passauer Neuen Presse" (Montagausgabe). "Wenn das so weiter geht, können wir uns die Nominierung eines Kanzlerkandidaten 2002 schenken, weil er in ein aussichtsloses Rennen ginge."

Der hessische CDU-Vorsitzende Koch erteilte derweil den Spekulationen, nach denen er für die Kandidatur in Frage komme, eine klare Absage. "Es bleibt bei meinem Ziel, Anfang 2003 die Landtagswahl in Hessen erfolgreich zu bestehen", sagte er der "Berliner Morgenpost" (Sonntagausgabe). Das Amt des hessischen Ministerpräsidenten eigne sich nicht "für eine Job-Hopperei". Zuvor hatten der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Klaus Lippold und der Abgeordnete Wolfgang von Stetten Koch neben Merkel, Merz und CSU-Chef Edmund Stoiber als möglichen Kanzlerkandidaten genannt.

Auseinandersetzung zwischen Müntefering und Meyer

Eine heftige persönliche Auseinandersetzung lieferten sich die Generalsekretäre von SPD und CDU, Franz Müntefering und Laurenz Meyer. Müntefering schrieb in der "Frankfurter Rundschau" (Montagausgabe), die CDU sei "letztlich immer noch eine Partei des kalten Krieges" und Meyer "geradezu ein Prototyp für diese Form, Politik zu machen". Meyer bezeichnete den Artikel als "unkontrollierten Ausbruch". "Die Sprache von Herrn Müntefering verrät wie er und die SPD denken. Offenkundig hat die SPD Angst vor der Auseinandersetzung mit der CDU in den Sachfragen", erklärte er in Berlin.



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