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25.01.2008

08:00 Uhr

„The Davos Question “

Verstrickung im Netz

VonJens Koenen

Es war das Top-Thema des World Economic Forum (WEF) im vergangenen Jahr: Second Life. Doch nicht einmal zwölf Monate später ist die Parallelwelt quasi "out", spricht kaum noch jemand darüber. Zwar kann auch Davos 2008 im virtuellen "Büro" der Nachrichtenagentur Reuters auf Second Life verfolgt werden. Doch heuer heißt das Schlagwort Youtube.

Die Website des Internetportals Youtube. Foto: dpa Quelle: dpa

Die Website des Internetportals Youtube. Foto: dpa

Die Botschaft per Video scheint für das Team um WEF-Initiator Charles Schwab ein probates Mittel zu sein, den Kontakt zu all jenen zu suchen, die bei Davos "draußen" bleiben müssen. Und wie schon bei Second Life geht es um mehr als nur die schnöde Kontaktaufnahme. Es soll diskutiert werden, man soll mitmachen, Davos mitgestalten.

Vor allem über die seit Dezember auf Youtube gestellte Frage mit dem eingängigen Titel » "The Davos Question" . Mit kleinen selbstgedrehten Filmchen können die Youtube-Nutzer rund um den Globus den Prominenten aus Politik und Wirtschaft ihre Ansichten darüber mit auf den Weg geben, was das "Wichtigste ist, um die Welt im Jahr 2008 besser zu machen". Die Macher des Videoportals sind selbstbewusst. Es gehe darum, den Mächtigen der Welt zu zeigen, welche Muskeln Youtube habe, tönt Ed Sanders, der Marketingchef für Youtube Europa.

Doch genau jene Muskeln des "schlauen Pöbels" (smart mob) sind schwer einzuschätzen, sowohl was die faktische Kraft als auch die Möglichkeiten einer Kapitalisierung dieser neuen Macht angeht. Das wussten schon die WEF-Teilnehmer im vergangenen Jahr, als sie heftig über den richtigen Umgang mit jenen Käufern diskutierten, die immer stärker zu Produzenten werden. Und es ist auch 2008 einer der roten Fäden des WEF, passt das Thema doch geradezu perfekt zum Motto des Treffens "Die Kraft der gemeinsamen Innovation".

Wenig Qualität

Und in der Tat: Wohl niemals zuvor war die interaktive Kooperation mit verschiedenen Partnern so leicht umzusetzen wie in der Ära des vielzitierten Web 2.0. Doch so schlüssig dieser Ansatz auch klingen mag, ganz so einfach, wie uns manche Technologen glauben machen wollen, ist die in den Köpfen rund um den Globus verteilte Innovationskraft auch nicht zu bündeln. Das zeigen nicht zuletzt die Antworten der Youtube-Nutzer auf die Davos-Frage. Zwar kann sich die Resonanz durchaus sehen lassen, die Qualität in vielen Fällen dagegen weitaus weniger. Da wird in bester Flower-Power-Manier die Liebe als Wunderpille gegen alles aus der Schatulle geholt, oder ein offensichtlich gerade dem Bett entstiegener junger Mann faselt über die ach so schlimme Welt.

Doch es finden sich auch kreative und ernste Beiträge im Netz. Einige in der Web-2.0-Community schreiben den Diskutanten in der schneebedeckten Märchenwelt von Davos durchaus Bedenkenswertes in ihr Stammbuch. Dazu gehört die Forderung nach mehr Freiheiten bei der Einwanderung in fremde Länder ebenso wie mehr direkte Machtinstrumente für die Bürger. Doch richtig neu ist das alles nicht. Auch die "Kraft der gemeinsamen Innovation" der neuen Macht im Netz scheint eine begrenzte Schlagwirkung zu haben. Vielleicht muss sie sich aber auch erst noch richtig entfalten und entwickeln. Das gilt auch für die Möglichkeiten, den durch das Internet mächtiger werdenden Konsumenten und Nutzer zu kapitalisieren, mit ihm Geld zu verdienen.

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