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07.04.2003

10:15 Uhr

Thyssen-Jointventure komplett übernommen

Böhler-Uddeholm vorsichtig optimistisch

Der Edelstahlerzeuger Böhler Uddeholm - AG sieht sich nach dem "schwierigen, aber nicht schlechten Jahr 2002" für das Geschäftsjahr gut positioniert. Den Ausblick für 2003 gab das Böhler-Management am Montag jedoch nur verhalten optimistisch: Umsatz und Ergebnis sollten leicht über dem Niveau 2002 liegen, wenn ein Konjunkturaufschwung gegen Ende des Jahres kommt.

Reuters WIEN. "Das erste Quartal war nicht so schlecht. Das große Fragezeichen hängt über dem Herbst. Derzeit sehen wir noch keine wirkliche Belebung", sagte Böhler-Vorstandsvorsitzender Claus Raidl vor Journalisten. 2004 sollte dann laut Raidl aber "wieder besser werden".

Böhler haben die vorläufigen Zahlen 2002 bestätigt. Demnach habe Böhler bei einem Umsatz von 1441,2 (1509,4) Mill. ? ein Betriebsergebnis von 111,9 (132,1) Mill. ? und ein Ergebnis vor Steuern (EBT) von 82,1 (106,9) Mill. ? erzielt. Der Jahresüberschuss nach Minderheitsanteilen habe 50,5 (69,6) Mill. ? betragen. Der Auftragseingang habe sich auf 924,5 (1008,6) Mill. ? belaufen, der Auftragsstand zum 31. Dezember 2002 wurde mit 248,7 (289,8) Mill. ? angegeben.

Die Investitionen seien 2002 auf 95,1 (139,0) Mill. ? zurück gefahren worden. Die Nettoverschuldung habe sich auf 55 (56) Prozent leicht verringert, die Eigenkapitalquote habe sich unverändert auf 40 % belaufen.

Böhler-Uddeholm werde die Gesamtdividende - Basisdividende plus Bonus - auf 2,40 (2,70) kürzen. Im ersten Quartal 2003 habe sich der Auftragseingang auf rund 260 Mill. ? belaufen, was in etwa der Größenordnung des Vorjahresquartals entspreche.

Im Moment verzeichne man bei den Kunden aus der Flugzeugindustrie, aus dem Energiesektor und aus der Elektronikindustrie weiterhin zurückhaltende Nachfrage. In Reaktion auf das anhaltend schwierige konjunkturelle Umfeld wolle Böhler die Downstream-Strategie mit dem Ziel des Zugewinns weiterer Marktanteile und Stärkung der Ertragskraft weiter fortsetzen. Diese sehe weitere Akquisitionen von lokalen Stahlhändlern, eine deutliche Erhöhung der Härtereikapazitäten sowie den Ausbau der Walzkapazität am schwedischen Standort Munkfors vor.

Übernahme von 50 % an der Böhler Thyssen Schweißtechnik GmbH

Die angestrebte Verbesserung bei Umsatz und Ergebnis sei ohne Akquisitionen gerechnet. Mit der heute bekannt gegebenen Übernahme von 50 % an der Böhler Thyssen Schweißtechnik GmbH könne das Ziel beim Umsatz schon erreicht werden - das Unternehmen, das nun vollständig im Besitz des Böhler-Konzerns steht, soll einen Umsatzzuwachs von neun Prozent bringen.

Böhler Thyssen Schweißtechnik war 1996 von Böhler-Uddeholm und der deutschen ThyssenKrupp AG als 50:50-Jointventure gegründet worden. Vor zwei Jahren haben sowohl Böhler-Uddeholm als auch ThyssenKrupp einen Verkauf des Gemeinschaftsunternehmens erwogen, die eingegangenen Angebote hätten jedoch den Preisvorstellungen der beiden Unternehmen nicht entsprochen. "Thyssen wollte weiter verkaufen, und für uns war der Erwerb günstig. Es passt zu uns, und wir sind dadurch flexibel", begründete Raidl den Kauf. Über den Kaufpreis sei von den beiden JV-Partnern Vertraulichkeit vereinbart worden.

Die Übernahme werde nach Ansicht von Finanzvorstand Horst Königslehner voraussichtlich in den nächsten Wochen "ohne Probleme" bei den Kartellbehörden in Österreich und Deutschland durchgehen, die dann 100-Prozent-Tochter soll ab dem zweiten Halbjahr 2003 voll konsolidiert werden.

"Die Schweißtechnik wird bei Böhler ein dauerhaftes Projekt, auch wenn die Branche insgesamt Konsolidierungsbedarf hat", so Raidl. Vor diesem Hintergrund seien auch eben in der Türkei und in Italien geschlossene Jointventures zu sehen. "Als 100-Prozent-Eigentümer sind wir flexibel und können auch aktiv bei der Konsolidierung mitmachen", so Raidl. "Im Ladl" habe man derzeit allerdings keine weiteren Akquisitionen, auch in den anderen Konzernbereichen werde Böhler zwar "einiges angeboten, derzeit ist aber nichts spruchreif", sagte Raidl.

Konzernbereiche entwickeln sich unterschiedlich

Für den Konzernbereich High Performance Metals - Werkzeug-, Schnellarbeits- und Spezialstähle - weist Böhler für 2002 bei einem Umsatzrückgang von fünf Prozent auf 1044,3 Mill. ? ein Ebit-Minus von 15 % auf 75,4 Mill. ? aus. Hier sei vor allem die schwache Nachfrage in der Energie- und Flugzeugindustrie-Branche sowie auch Preisdruck durch Stähle aus Osteuropa verzeichnet worden.

Im Bereich Precision Strip - Bimetall Band, Rill- und Schneidlinien sowie Stanzmesser- und Sägestahl - sei bei einem um vier Prozent auf 164,6 Mill. ? gesunkenen Umsatz ein EBIT-Anstieg von vier Prozent auf 34,7 Mill. ? verzeichnet worden. Im Bereich Welding Consumables - Stab- und Drahtelektroden, Schweißzusätze und Lötwerkstoffe - habe sich der Umsatz um zwei Prozent auf 131,8 Mill. ? verringert, dass EBIT sei um ein Prozent auf 10,7 Mill. ? gestiegen.

Für den Bereich Special Forgings - Strukturteile für Flugzeuge, Triebwerksscheiben, Turbinenschaufeln - sei bei einem Umsatzrückgang von drei Prozent auf 96,4 Mill. ? ein Ebit-Minus von 27 % auf 10,5 Mill. ? verzeichnet worden. Nach fünf Rekordjahren in Folge sei 2002 in diesem Bereich ein "Konsolidierungsjahr" mit Mengenrückgang und Preisdruck gewesen, so Raidl.

Mit der Komplettübernahme der Böhler Thyssen Schweißtechnik GmbH werde sich 2003 eine neue Umsatzstruktur im Konzern ergeben - so werde 2003 eine Umsatzaufteilung von 68 (2002: 73) Prozent auf High Performance Metals, 16 (neun) Prozent auf Welding Consumables, zehn (elf) Prozent auf Precision Strip und sechs (sieben) Prozent auf Special Forgings erwartet.

Zu den Privatisierungsvorhaben der Österreichischen Industrieholding AG (ÖIAG) - sie hält 25 % an Böhler-Uddeholm - sagte Raidl: "Wir sind dafür, wir sind vorbereitet und wir sind ein attraktiver Wert." Für Raidl gehöre das "Kapitel Privatisierung" geschlossen, über das genaue Procedere sei allerdings die Eigentümerin zu befragen. Böhler-Uddeholm notierten an der Wiener Börse Montagmittags bei 47,70 (47,50) freundlich. Seit Jahresbeginn liegen Böhler damit gut acht Prozent im Plus und damit besser als der ATX, der seither knapp fünf Prozent zugelegt hat.

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