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13.04.2006

10:35 Uhr

Tichys Wechselstube

Die Mythen der Banken

VonRoland Tichy

Banken sind etwas besonderes. Denn um ihr Geschäftsmodell betreiben zu können, müssen sie das Geschäft anderer oder zumindest ihre Kunden verstehen. Jedenfalls täuschen Analysten diesen Eindruck vor. Aber verstehen sie ihr eigenes Geschäftsmodell?

Jahrelang galt das Land als „overbanked“. Zweigstellen wurden geschlossen. Im vergangenen Jahr wurden aber wieder neue eröffnet – bei den Großbanken war es ein Plus von fast neun Prozent. Wenn das nicht dazu führt, dass wir Kunden vor Schreck weglaufen – immerhin haben wir uns gerade daran gewöhnt, dass in Filialen nur elektronische Augen blinken und nur Maschinensummen das Schweigen der Leichenhalle stört.

Ähnlich tot wie die Filialnetze ist das Kreditgeschäft geredet worden. Nach der Royal Bank of Scotland umwerben nun auch die Citigroup und BNP Paribas den deutschen Mittelständler. Das ist erstaunlich, galt der doch aus Sicht der deutschen Finanzbranche als eine mitteleuropäische Spielart des leprösen Paria, bestenfalls noch als untragbares Kreditrisiko. Dabei soll nicht so sehr am Kredit verdient werden, sondern am Geschäft, das sich daraus ableiten lässt. Früher machte so was die Hausbank, remember?

Heute läuft das beim Privatkunden – das sind diese undankbaren Kostentreiber und gierigen Informations-Nachfrager, die neuerdings wieder geliebt und umworben werden – unter Cross selling. CRM spürt Goldadern beim Data-Mining auf. Banken sind Vorreiter für diese tollen Techniken, denn sie verfügen quasi automatisch über Daten, Vorlieben und elektronische Sündenregister ihrer Kunden.

Dieses perfekte Knowledge-Management ist vermutlich der Grund dafür, dass mein sechs-jähriger Sohn fast jede Woche das Angebot für einen Easy-Credit erhält, was den kreditunwürdigen Vater neidvoll erblassen lässt. Wenn er nicht gerade beschäftigt ist mit dem seit vier Monaten andauernden, erfolglosen Versuch, bei einer für ihre Service-Kompetenz gerühmten Bank einen Dauerauftrag zu löschen. Multikanal-Banking ist, wenn Briefe, Faxe, E-mails und Anrufe gleichermaßen unbeantwortet bleiben. Nur abgebucht wird immer. Und immer wieder.

Es sieht so aus, als ob eine Bank der Zustand ist, bei dem das Gegenteil vom Gesagten stimmt. Aber das jedenfalls gilt immer.

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