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02.04.2003

10:38 Uhr

Tiefe Sessel für Shituoyibeier

Chinas KP empfängt den CSU-Chef

Ministerpräsident Shituoyibeier ist in China ein wohl bekannter Mann. Und "außerordentlich erfreut" sei man über den Besuch des CSU-Chefs, dessen Name in der chinesischen Umschrift nur noch begrenzte Ähnlichkeit mit dem deutschen Original hat.

HB/dpa PEKING. Eine lange Reihe hochrangiger Staats- und Parteifunktionäre empfängt Edmund Stoiber bei seinem Besuch in der chinesischen Hauptstadt mit wohlklingenden Höflichkeitsformeln.

Tag um Tag aufs Neue versinkt der Bayern-Regent in den tiefen Sesseln, auf denen die chinesische Politik ihre Gäste zu platzieren pflegt. "Bayern ist, wie ich höre, ein sehr berühmtes Land", schmeichelt Vizefinanzminister Li Yong seinem Gast. "Auch die bayerische Wurst kenne ich." Doch jenseits der Wurst geht es um handfeste Interessen: Peking braucht Investoren. Stoiber braucht Märkte.

Nach chinesischem Verständnis ist Stoiber eigentlich nur ein kleiner Provinzchef. Allein Peking hat mittlerweile mehr Einwohner als ganz Bayern. Doch trotz der Größen- und Rangunterschiede geben die Chinesen ein deutliches Zeichen ihrer Wertschätzung: Als erster hochrangiger westlicher Politiker trifft Stoiber den neuen chinesischen Regierungschef Wen Jiabao. "Außerordentlich erfreut" begrüßt auch Wen den Bayern-Regenten: "Sie kommen aus dem größten und schönsten Bundesland." Der gibt die Komplimente gern zurück: "Das große Land China und das kleinere Land Bayern verbindet seit Jahren eine freundschaftliche Beziehung", sagt er vor Studenten.

"Ich sehe es als meine Aufgabe an, für bayerische Arbeitsplätze tätig zu werden", benennt Stoiber den Zweck seines Besuchs. Bei trüber Weltkonjunktur bietet China einen der wenigen Lichtblicke. Die chinesische Wirtschaft hat kontinuierliche Wachstumsraten von jährlich sieben bis acht Prozent. Davon sollen auch die Unternehmen im Freistaat profitieren.

So erkundigt sich Stoiber nach den Chancen für den Bau einer zweiten chinesischen Transrapid-Strecke von Hongkong nach Kanton. Und er bittet um Wohlwollen bei der Bewerbung eines Oberpfälzer Bauunternehmens für den Bau des Pekinger Olympiastadions. Schon jetzt stellen Firmen aus dem Freistaat ein Drittel aller in China tätigen deutschen Unternehmen.

China wiederum braucht weiterhin dringend ausländische Investoren - auch für die Modernisierung des rückständigen Westteils des Landes. Das Wirtschaftswunder der vergangenen Jahre ist an Tibet, der Wüstenprovinz Xinjiang - einst Chinesisch-Turkestan genannt - und vielen anderen Landstrichen vorüber gegangen. Die Pekinger Führung sorgt sich um die soziale Stabilität im Lande. "Wir haben den Aufbau Ost, die Chinesen haben den Aufbau West", sagt Stoiber.

Die Stimmung ist gut - sowohl bei Stoiber als auch bei den Gastgebern. "Es ist unvorstellbar, was aus diesem Land geworden ist", beschreibt Stoiber seinen Eindruck. In der chinesischen Hauptstadt wurden in den vergangenen Jahren hunderte glitzernder Büropaläste aus dem Boden gestampft. Der Chef der Staatlichen Reformkommission - KP-Funktionär auch er - hält Stoiber gar einen Vortrag über die Vorzüge der Marktwirtschaft. "Das muss man sich mal vorstellen", sagt der CSU-Chef. Und wird dann nachdenklich: "Da wächst ein großer Wettbewerber heran."

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