Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.01.2001

19:35 Uhr

Tiefpunkt ist überwunden

Investoren entdecken dieT-Aktie neu

Die Deutsche Telekom zählt zu den großen Verlierern des vergangenen Jahres. Doch in jüngster Zeit steuert die Aktie auf Erholungskurs. Der extreme Pessimismus vieler Anleger lässt langsam nach.

cü/pga/tmo DÜSSELDORF. Dass die Börse zuweilen eine launische Diva ist, hat Telekom -Chef Ron Sommer schmerzhaft erlebt. Erst vergötterten die Investoren ihn geradezu und trieben die T-Aktie in schwindelnde Höhen. Dann folgte der Sturz in die Tiefe. Enttäuschte Anleger richteten ihren Zorn gegen Sommer und seine aggressiven Expansionsziele, die plötzlich weniger visionär als überzogen erschienen.

Nun dreht die Stimmung abermals: Gestern lieferte sich die T-Aktie ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Daimler-Chrysler um den Titel des Tagessiegers im Deutschen Aktienindex (Dax). Im Handelsverlauf ging zwar ein Teil der Tagesgewinne wieder verloren. Dennoch haben die Telekom-Titel seit dem Zwölf-Monats-Tief zum Jahresbeginn mehr als 20 % zugelegt.

"Die Stimmung dreht für die gesamte Branche", sagte ein Frankfurter Aktienhändler einer deutschen Großbank, "die Sorgen und Ängste der Anleger erscheinen wie weggeblasen". Die Aussicht auf fallende Zinsen beflügelt Händlern zufolge derzeit die gesamte Telekommunikationsbranche. Zudem hätten die Titel nach dem Einbruch im vergangenen Jahr Aufholpotenzial gegenüber anderen Branchen.

Die T-Aktie profitierte gestern auch von Unternehmensnachrichten, sagten Aktienhändler. So hat die US-Bundespolizei FBI keine Einwände gegen eine Übernahme des Mobilfunkanbieters Voicestream durch den deutschen Ex-Monopolisten. Damit hat Ron Sommer ein weiteres Hindernis auf dem Weg zur Voicestream-Eingliederung überwunden, obwohl die Zustimmung der US-Aufsichtsbehörde FCC noch aussteht. Analyst Ralf Hallmann von der Bankgesellschaft Berlin bewertet die Akquisitionsstrategie inzwischen positiv. Zunächst waren die Pläne an der Börse kritisch aufgenommen worden.

Als Pluspunkt sieht Analyst Klaus Natrop von der WGZ-Bank neue Geschäftszahlen der deutschen Mobilfunktochter T-Mobil. Dort seien die Gewinnmargen im vierten Quartal stabil geblieben. "Das spielt in den Kurs mit rein", sagte Natrop. Das vorläufige Konzernergebnis legt die Telekom am Dienstag vor. Von der Agentur VWD befragte Analysten erwarten einen Umsatz von 40 Mrd. bis 40,9 Mrd. Euro im Geschäftsjahr 2000 gegenüber 35,5 Mrd. Euro im Vorjahr. Der Jahresüberschuss soll den Schätzungen zufolge zwischen 8,1 Mrd. und 9,8 Mrd. Euro liegen (Vorjahr: 1,3 Mrd. Euro). Die angekündigten Eckdaten hält WGZ-Experte Natrop jedoch für wenig aussagekräftig. "Wichtig ist vor allem das operative Ergebnis, und das will die Telekom erst im April vorlegen", sagte er.

Der Agentur Bloomberg zufolge rät fast die Hälfte der Analysten zum Kauf der Titel. Neun Experten äußern sich aber negativ - besorgniserregend viele, weil Verkaufsempfehlungen sehr selten sind.

Die zwischenzeitlich extrem negative Stimmung gegenüber Telekommunikationswerten dürfte jedoch ihren Tiefpunkt überwunden haben, meint Mark Howdle, Aktienstratege bei Schroder Salomon Smith Barney. "Viele Hedge-Fonds spekulierten auf weiter fallende Kurse bei Telekoms, und Fonds hatten die Branche stark untergewichtet", sagt er. Nun schwenkten Fondsmanager auf eine neutrale Gewichtung um, und Leerverkäufer deckten ihre Short-Positionen.

Beides hilft der T-Aktie, bei der immer mehr Investoren nach Kursverlusten von mehr als 60 % seit dem Allzeithoch im vergangenen März die Abschläge für übertrieben halten. "Da werden Shorts eingedeckt, das treibt die Titel weiter nach oben", sagte ein Frankfurter Aktienhändler. Er berichtete außerdem von Käufen großer Investmentfonds. Diese schichteten Gelder um - weg von defensiven Branchen wie Chemie und wieder hin zu Wachstums-Sektoren wie Technologie und Telekommunikation. Ron Sommer wird?s freuen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×