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03.01.2003

09:13 Uhr

Titel aus MDax und SDax bieten auch im neuen Jahr gute Chancen

In der zweiten Reihe bleibt es spannend

VonChristian Schnell

So unterschiedlich die Einschätzungen der Banken zur Aktienentwicklung im kommenden Jahr auch sein mögen, in einem sind sich alle Analysten einig: Tiefer als im vergangenen Jahr können die Kurse kaum noch sinken. "Ein starkes Jahr ist in Sicht - aber kein neuer Bullenmarkt", glaubt beispielsweise Richard Davidson von Morgan Stanley. Für den deutschen Aktienmarkt stellt sich deshalb die Frage: Werden die im vergangenen Jahr gefragten Werte aus MDax und SDax bis auf wenige Ausnahmen wieder in der Bedeutungslosigkeit verschwinden und statt dessen die zuletzt gebeutelten Titel aus dem Deutschen Aktienindex (Dax) erneut gefragt sein?

FRANKFURT/M. Auf den ersten Blick scheint es so, trotzdem sprechen auch im Jahr 2003 etliche Gründe für Werte aus der zweiten Reihe. Beispielsweise weisen Aktien aus dem MDax durchschnittlich ein geringeres Risiko hinsichtlich drohender Goodwill-Abschreibungen auf als Dax-Unternehmen. 22 % - so haben die Experten von HSBC Trinkaus & Burkhardt errechnet - beträgt der Anteil der Goodwill-Positionen bei einem durchschnittlichen Dax-Wert, 10,8 % sind es hingegen nur bei MDax-Unternehmen. Zudem ist auch das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bei Werten der zweiten Reihe im letzten halben Jahr noch einmal zurück gegangen, was ihre Bewertung noch attraktiver erscheinen lässt. Betrug es Anfang Juli noch 14,7, so liegt es gegenwärtig bei 11,7. Zu schaffen macht den Werten aus den MDax hingegen ihre starke Abhängigkeit von der Inlandsnachfrage. Durchschnittlich 49,3 % beträgt ihr Umsatzanteil in Deutschland, nur 36,8 % sind es bei Dax-Unternehmen. Die schwache Inlandsnachfrage und eine mögliche Schwächung durch neue Steuer- und Abgabenpläne der Bundesregierung stellen nach Ansicht der Trinkaus & Burkhardt-Experten Risiken dar.

Für reichlich Bewegung in der zweiten und dritten Reihe könnte bereits zu Jahresbeginn die Neusegmentierung der Aktienindizes an der Deutschen Börse sorgen. Entscheidend für eine Aufnahme in MDax, TecDax und SDax sind Börsenumsätze und Marktkapitalisierung im Monat Januar. Wegen der Reduzierung der enthaltenen Werte könnten die beiden künftigen Auswahlindizes MDax und TecDax bei Investoren verstärkte Beachtung finden, sagen Experten der Bankgesellschaft Berlin. Die Bedeutung des SDax schätzen sie hingegen weiter gering ein.

Vier Gruppen könnten zu Gewinnern zählen

Die Gewinner der Neusegmentierung lassen sich nach Ansicht von Volker Borghoff von Trinkaus & Burkhardt in vier Gruppen einteilen. Zum einen sind es bisherige Nemax 50-Titel wie Medion, Thiel Logistik und Teleplan, die Chancen auf eine MDax-Aufnahme haben. Zum anderen gehören die Titel aus dem Nemax 50 dazu, die in den TecDax aufgenommen und in der Gesellschaft solcher Werte wie Epcos oder Jenoptik aufgewertet werden könnten. Weiterhin profitieren Unternehmen, die bisher in keinem Auswahlindex vertreten waren und nun in den SDax aufgenommen werden. Mögliche Kandidaten sind Grenke Leasing, Bertrandt, W.E.T. Automotive, AIG International Real Estate, Boewe Systec, Deutz und Nürnberger Beteiligungen. Als vierte Gruppe könnten nach Ansicht von Borghoff Unternehmen an Bedeutung gewinnen, die bisher schon im SDax vertreten waren und nun im neuen SDax auf ein gesteigertes Investoreninteresse treffen dürften.

Unabhängig von der Indexzugehörigkeit zählen für Investoren im kommenden Jahr vor allem verbesserte Unternehmensgewinne. Am Neuen Markt fielen bereits in den letzten Monaten FJA, Grenke Leasing, IDS Scheer, SAP SI und T-Online positiv auf, im MDax überzeugten die Gewinne des Gabelstapler- Hersteller Jungheinrich. Diese Werte haben die Analysten von West LB Panmure zuletzt hoch gestuft.

Zu den Top-Empfehlungen des Bankhauses Sal. Oppenheim zählen im Mid-Cap-Segment Fresenius, die Aareal Bank, Schwarz Pharma, Südzucker und Funkwerk. Vor allem zu Papieren mit einer hohen Dividendenrendite rät Aktienstratege Matthias Joerss. Es verblüfft nicht, dass sich unter den von den Banken empfohlenen Titeln durchweg um Namen handelt, die als solide gelten. Schließlich haben viele Anleger in den letzten Jahren mit spekulativen Titeln viel Geld verloren. Entsprechend unspektakulär liest sich auch die Liste von HSBC Trinkaus & Burkhardt: Die Anlageexperten empfehlen W.E.T. Automotive, FJA, Leoni, Rheinmetall und Krones.

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