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18.01.2001

21:40 Uhr

Tod des kongolesischen Präsidenten offiziell bestätigt

Das Verwirrspiel um den Tod Kabilas ist beendet

Ihr Verwirrspiel setzte die kongolesische Regierung in Kinshasa bis zum Ende fort. Während allerorten offen über den Tod von Präsident Laurent Kabila gesprochen wurde, zögerten seine Minister bis zur letzten Minute mit der offiziellen Bekanntgabe. Am Donnerstagabend, mehr als 48 Stunden nach dem Attentat, wurde der Tod Kabilas schließlich von einem Regierungssprecher offiziell bestätigt.

dpa NAIROBI. Dort, wo die Todesnachricht in der kongolesischen Hauptstadt durchgesickert war, löste sie eine Mischung aus Hoffnung und Zukunftsangst aus. Sie befreite jedoch viele Kongolesen von der quälenden Ungewissheit der vergangenen Tage.

Politische Beobachter erklären sich die Hinhaltetaktik der Interimsregierung mit der Verwirrung, die der plötzliche Tod ihres Staatsoberhaupts ausgelöst hat. Diese Verwirrung wiederum würde bestätigen, dass es sich tatsächlich um eine spontane Tat und nicht um ein lange vorbereitetes Komplott handelt. Das Verwirrspiel war für Kabilas Politiker ein Spiel auf Zeit.

Sie nutzten sie, um alle aus ihrer Sicht nötigen Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, die das Land vor einem zusätzlichen Chaos retten sollen. Die Notstandsregierung verlor auch keine Zeit, gegenüber Opposition wie Rebellen klare Verhältnisse zu schaffen und zu zeigen, dass die Macht in Kinshasa in den Händen der Famlilie Kabila bleiben soll.

"Alles ist wie im Film. Wir verstehen gar nichts mehr", kritisierte ein Mitarbeiter der kongolesischen Botschaft in der kenianischen Hauptstadt Nairobi die vorangegangene Informationsposse im Zeitalter des Internet. Für ihn war die Ernennung des Kabila- Sohnes Joseph zum "Thronfolger" bereits ein Eingeständnis für den Tod des Vaters.

Unklar ist, ob Joseph Kabila die Amtsgeschäfte tatsächlich nur für eine Zeit des Überganges übernehmen oder tatsächlich der Nachfolger seines Vaters werden soll. Der 31jährige Armee-Chef wird als eher scheuer und ruhiger Mann beschrieben. Er kämpfte an der Seite seines Vaters, als er sich 1997 auf den Platz von Diktator Mobutu Sese Seko putschte. Anschließend wurde er zur Militärausbildung nach China geschickt. Nach seiner Rückkehr erhielt er den Titel des Generalmajors und wurde Chef der kongolesischen Landstreitkräfte.

Die Entscheidung für ausgerechnet den Mann, dessen Hauptaufgabe in den letzten Jahren die militärische Schlacht gegen die Rebellen war, wirkt wie eine erneute Kampfansage an die Guerillas. Der älteste Sohn Kabilas, der während dessen Exil in Ostafrika geboren wurde, soll zudem ein enges Verhältnis zu seinen angolanischen Alliierten im Kampf gegen die Kongo-Rebellen haben.

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