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09.01.2003

13:28 Uhr

Toppis Geduld mit Simak ist zu Ende

Viel Lärm um Bayer

Gelungenes Comeback von Jens Nowotny - Demontage von "Pflegefall" Jan Simak: Das Stimmungsbarometer im Trainingslager von Vizemeister Bayer 04 Leverkusen schwankt im sonnigen Florida zwischen den Extremen.

HB/dpa NAPLES/DÜSSELDORF. Hoffnung auf bessere Zeiten beim Tabellen-14. der Bundesliga gab die Rückkehr von Nationalspieler Nowotny, der nach acht Monaten Verletzungspause am Mittwoch (Ortszeit) in einem Testspiel gegen eine Stadtauswahl von Naples (11:0) erstmals wieder mitwirkte. "Es sieht gut aus mit ihm", sagte Toppmöller in einem dpa-Gespräch über seinen genesenen Abwehrchef.

Nowotny konnte beschwerdefrei eine Halbzeit spielen und schoss dabei sogar ein Tor. Die Rückkehr des am Samstag 29 Jahre alt werdenden Nowotnys, der sich am 30. April im Champions-League- Halbfinale gegen Manchester United einen Kreuzbandriss zugezogen hatte, soll Bayer zur Rückrunde einen neuen Schub geben. Dass der Kapitän zur Jahreswende seine Kollegen kräftig zur Brust genommen ("Die Mannschaft hat vieles vermissen lassen") hält Toppmöller für sinnvoll: "Es war richtig, absolut."

Für total falsch hält der 51-Jährige allerdings die Einstellung von Neuzugang Jan Simak. "Er ist ein Pflegefall. Ich hatte ja schon einige schwierige Typen, doch er ist schwieriger als alle anderen", kritisierte Toppmöller. Der 6,5 Mill. ? teure Einkauf vom Zweitligisten Hannover 96 scheue den Konkurrenzkampf und gehe allem aus dem Weg. "Meine Geduld mit ihm ist zu Ende", warnte der Chefcoach, der Simak aber (noch) nicht fallen lassen will, "weil er ein zu guter Fußball" sei. Doch klar sei auch: "Geredet wurde genug."

Überhaupt hat es bei keinem anderen der 18 Bundesligisten in der Winterpause so viel Lärm gegeben, wie bei Bayer. Erst las Trainer Klaus Toppmöller seinen enttäuschenden Profis die Leviten ("Ich sortiere gnadenlos aus"), dann ermahnte sie Manager Reiner Calmund ("Jammern darf nur, wem der Arzt das erlaubt") streng.

Toppmöller zeigt sich angesichts der Hinrunden-Misere aber auch selbstkritisch. "Auch ich habe Fehler gemacht. Vor allem habe ich zu lange an Spielern festgehalten, die in der vorherigen Saison noch Leistungsträger waren", sagte er, "dies wird es nicht mehr geben." Keinen Grund sieht er hingegen, sein zuletzt von einigen als zu nachsichtig betrachtetes Verhältnis zu den Profis zu überdenken: "Der Umgang mit den Spielern war immer hart und ehrlich."

Seine Spieler hätten dennoch die etwas anderen Töne gut verstanden und seien im Trainingslager mit Eifer dabei. "Es wird sehr aggressiv trainiert, die Jungs ziehen sehr gut mit", lobte er. Sogar einstige "spielerische Klasse ist manchmal wieder aufgeblinkt".

Dennoch will Toppmöller keinen Gedanken an einen vielleicht doch noch möglichen Uefa-Cup-Platz verschwenden: "Das wäre vermessen. Wir schauen, dass wir uns von den Abstiegsplätzen entfernen." Außerdem halte Bayer noch den "Trumpf DFB-Pokal" in der Hand. "Dies ist ein einfacherer Weg, um in einen internationalen Wettbewerb zu kommen."

Im Viertelfinale müssen die Rheinländer am 5. Februar zur SpVgg. Unterhaching. Keine Illusionen macht Toppmöller über die Chancen in der Champions-League-Zwischenrunde: "Es scheint fast unmöglich, noch unter die ersten zwei in unserer Gruppe zu kommen."

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