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04.01.2001

18:35 Uhr

Traditionelle Januar-Messe des US-Verbandes für Unterhaltungselektronik gewinnt an Bedeutung

PC-Branche setzt auf Messe in Las Vegas

VonRUDI KULZER

Nach dem enttäuschenden Weihnachtsgeschäft in den USA hofft die Computer-Industrie auf neue Umsätze aus der Unterhaltungselektronik. Denn dieser Markt ist in den Staaten wieder erstarkt.

LAS VEGAS. "Werft die Partyhüte und Tröten von der Silvesterfeier noch nicht weg", empfiehlt die Tageszeitung des Silicon Valley, die "San Jose Mercury News", diese Woche ihren Lesern. "Ihr braucht sie an diesem Wochenende noch auf der CES, der Consumer Electronics Show in Las Vegas."

Für Stimmung werden ab heute in der berühmten Spielerstadt in der Wüste von Nevada unter anderem die Blue Man Group, der Swing-Musiker Bog Bad Vodoo Daddy, der Komödiant Dennis Miller, der Sänger Lenny Kravitz und die Alternativ-Band Smash Mouth sorgen. Als Unterhalter aus dem Klan der Industriefürsten werden Microsoft-Gründer und Softwarearchitekt Bill Gates sowie Intel-Chef Craig Barrett, außerdem Palm-Boss Carl Yankowski und ein führender Manager von AOL erwartet.

Die Giganten der Unterhaltungselektronik aus Asien mit den Namen Sony oder Panasonic, Sega oder Nintendo sind nicht mehr allein auf dieser Spezialmesse, die in etwa mit der Funkausstellung in Berlin vergleichbar ist. Analyst Tim Bajarin von Creative Strategies aus Campbell im Silicon Valley ist überzeugt, dass "die PC-Jungs hier künftig als Big Player auftreten werden".

Die lange Zeit scharfe Trennung zwischen Computern und Geräten der Unterhaltungselektronik verwischt immer mehr, ohne dass der Computer das Fernsehgerät oder die Hifi-Anlage verdrängt. Diese Koexistenz zeigt derzeit am deutlichsten das Beispiel der DVD-Player. Die neuen Abspielgeräte für die Silberscheiben der Compact-Disk-Technik gibt es als Laufwerke für den Einbau in Personalcomputer ebenso wie als getrennte Geräte für das Unterhaltungszentrum im Wohnzimmer. Sie erlauben sowohl das Abspielen von Spielfilmen im DVD-Format wie auch das Hören von Musik von herkömmlichen CDs.

Im Gegensatz zur angeschlagenen PC-Industrie ist der Verband der Unterhaltungselektronik in den USA, die Consumer Electronics Association als Veranstalter der CES-Messe, guter Stimmung. Die Verbandsmanager rechnen nämlich damit, dass die Amerikaner im laufenden Jahr 2001 etwa 93 Mrd. $ für neue Fernsehgeräte und DVD-Player, Satelliten-TV-Empfänger und tragbare Musikplayer um MP3-Format ausgeben werden. Das würde eine Steigerung von 5 % gegenüber dem Umsatz von 88,5 Mrd. $ im Jahr 2000 bedeuten.

In diesem wieder erstarkten Markt der Unterhaltungselektronik, der in den 90er Jahren durch ein Tal der Tränen schreiten musste, will die derzeit gebeutelte PC-Industrie mitmischen. So hofft Microsoft die Entwickler von Spielesoftware für seine neue Videospiel-Konsole X-Box zu begeistern - angeblich soll die X-Box erstmals in Las Vegas vorgestellt werden.

Dies dürfte nach Ansicht von Branchenbeobachtern schwierig werden, liefern sich doch bereits die großen Drei der Spielebranche, Sony, Nintendo und Sega mit ihren neuen Supermaschinen, die für diese Anwendungen die Leistung von PC übertreffen, erbitterte Gefechte. Chipkönig Intel hat am Dienstag dieser Woche zum Erstaunen der Experten bekanntgegeben, dass man künftig als Hersteller von Musikplayern im MP3-Format auftreten werde. Nun wartet die Branche auf die Reaktion von Intels Chipkunden.

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