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25.07.2000

22:24 Uhr

Traditionskonzerne übernehmen neue Technologien mit Erfolg

Die Old Economy schlägt zurück

VonJoachim Hofer

Die Begeisterung für Neue-Markt-Unternehmen ist vorüber. Die Firmen müssen den Anlegern erklären, wo die Millionen aus den Börsengängen geblieben sind. Die so genannte Old Economy macht sich derweil fit für das Online-Zeitalter - und überholt vielfach die jungen Firmen.

MÜNCHEN. "Wir sind keine Internet-Company, sondern eine Beteiligungs-Gesellschaft." Die Botschaft klingt ziemlich gewagt, schließlich leitet Andreas Werb ein Unternehmen, das ausgerechnet Internet-Media-House heisst. Doch die Absicht von Werb ist klar: Er will das am Neuen Markt notierte Unternehmen aus der Internet-Ecke heraus holen. Denn nicht nur die Kurse von Firmen, deren Geschäfte am Internet hängen, schlitterten in den letzten Wochen in den Keller.

Viele der in den vergangenen Jahren während der Internet-Euphorie aufs Parkett gegangenen Unternehmen sind in Erklärungsnot geraten. Der Börsen-Boom ist vorüber, die Anleger wollen wissen, was mit ihrem Geld passiert. Zweifel kommen auf, ob die meist hoch gesteckten Ziele der so genannten New Economy erreicht werden können, bevor das Kapital aus dem Börsengang aufgebraucht ist.

Beispiel Computec: Das auf Computerspiel-Zeitschriften spezialisierte Verlagshaus hat in weniger als einem Jahr 60 Mill. DM für die Expansion in den USA ausgegeben - und ist gescheitert. Ursprünglich hatten die Magazin-Macher aus Nürnberg mit einem Aufwand von weniger als der Hälfte gerechnet und einen großen Erfolg vorhergesagt.



Anleger misstrauisch bei Ixos

Misstrauisch wurden die Anleger jüngst auch bei Ixos. Nachdem der Hersteller von Dokumenten-Management-Software entgegen den Erwartungen für das Quartal abermals rote Zahlen ankündigte, sackte die Aktie an einem Tag um fast 16 % ab. Finanzchef und Vertriebsvorstand mussten gehen.

Zahlreiche Studien kamen in den vergangenen Wochen zu dem Schluss, dass nur wenige der vielen jungen Online-Unternehmen jemals profitabel sein werden. Stattdessen könnten traditionelle Versandhäuser wie Otto von den neuen Medien profitieren.

Der Versender hat im vergangenen Jahr bereits 450 Mill. DM über das Netz umgesetzt, davon in Deutschland 120 Mill. Im laufenden Jahr soll sich der Betrag verdoppeln. Zum Vergleich: Der bekannteste Internet-Buchhändler Amazon setzte in Deutschland 1999 nach eigenen Angaben rund 200 Mill. DM um - bei roten Zahlen. Otto dagegen betonte, dass seine Online-Sparte mit Gewinn arbeite.



Traditionsreiche Banken online erfolgreich

Erfolgreich und profitabel können auch traditionsreiche Bankhäuser in die Online-Welt starten. Mit Comdirect hat die Frankfurter Commerzbank die in Deutschland führende Direkt-Bank gegründet, an die Börse gebracht und gegen Consors positioniert. Die Münchener Hypo-Vereinsbank hat ebenfalls mit großem Erfolg die Direkt Anlage Bank aufgebaut. Und Mannesmann, traditionell im Metall- und Stahlbereich beheimatet, hat sich so erfolgreich der vergleichsweise jungen Mobilfunk-Technologie verschrieben, dass der gesamte Düsseldorfer Konzern von Vodafone geschluckt wurde. Während die Kleinen Millionen-Verluste einfahren, verdienen die alten Industrien mit den neuen Technologien zum Teil eine Menge Geld. So erzielte die Kommunikations-Sparte von Siemens in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 1999/2000 (31.3.) ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 1,2 Mrd. DM, das sind 10 % vom Umsatz. Siemens gehört heute zu den größten Produzenten von Handys und steht in Europa bereits auf Platz drei.

Die Münchener geben sich mit einem wachsenden Marktanteil bei Handys aber nicht zufrieden: Mit Allianzen und riesigen Investitionen will sich der Konzern frühzeitig eine starke Stellung im M-Commerce, also dem Handel von Handys und mobilen Kleincomputern aus, sichern. Siemens setzt auch im Business-to-Consumer-Geschäft zum Sturm auf die vielen neu gegründeten Online-Händler an. Als nach eigenen Angaben erster industrieller Hersteller von Handys bietet der Münchener Konzern die Telefone direkt im Internet und über Wap zum Kauf an.



Auch Großkonzerne können im Internet-Zeitalter mithalten

Gewiss, in vielen Bereichen sind die kleinen, agilen Firmen des Neuen Marktes den Top-100 der deutschen Industrie technologisch und strategisch voraus. Beispiele wie Siemens, Otto, Commerzbank und Mannesmann zeigen aber, dass große Konzerne im Internet-Zeitalter mithalten können.

Nachdem die Industrie-Riesen in den vergangenen Jahren eine Schlankheits-Kur hinter sich gebracht haben, sind ihre Gewinnaussichten wesentlich klarer als die vieler Neuer-Markt-Firmen.

Internet-Media-House-Chef Werb will das "Internet" trotz Negativ-Image nicht aus dem Namen streichen. Die Strategie: Er setzt weltweit auf Beteiligungen an zukunftsträchtigten - und im Wert steigenden - Internet-Unternehmen. Werb ist überzeugt, dass auch die Internet-Firmen Geld verdienen werden: "Das ist ein langfristiges Geschäft."

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