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19.02.2002

18:15 Uhr

Tränen nach DSV-Fest

Silber für Sachenbacher und Schlickenrieder

Evi Sachenbacher weinte Tränen des Glücks, Peter Schlickenrieder hatte ebenfalls feuchte Augen: Bei der olympischen Sprint-Premiere feierten die deutschen Langläufer mit zwei Mal Silber innerhalb von wenigen Minuten ein unglaubliches Medaillen-Festival und den größten Erfolg seit dem Olympiasieg von Barbara Petzold 1980 in Lake Placid.

HB/dpa SALT LAKE CITY. Zwei Tage nach Staffel-Bronze für die Herren sorgten die beiden Bayern für ein weiteres unverhofftes Erfolgserlebnis bei den Winterspielen in Salt Lake City. Das hervorragende Abschneiden der DSV-Athleten komplettierten Claudia Künzel (Oberwiesenthal) als Vierte und Tobias Angerer (Vachendorf) als Siebter. Olympiasieger wurden die Russin Julia Tschepalowa und der Norweger Tor Arne Hetland.

"Ich habe vor dem Rennen gedacht, mal sehen was rauskommt. Dass es so wird, hätte ich nie für möglich gehalten", stammelte die in Tränen aufgelöste Evi Sachenbacher. Die 21-jährige Bayerin hatte im vergangenen Dezember mit dem ersten Weltcupsieg für Deutschland seit 1988 ihre Möglichkeiten angedeutet. Auf dem anspruchsvollen Kurs in Soldier Hollow gab sie sowohl in der Qualifikation als auch im Viertel- und Halbfinale eine souveräne Vorstellung. "Mir ist zu Gute gekommen, dass ich da etwas Kräfte sparen konnte."

Im Finale der besten Vier musste die 21-Jährige lediglich Julia Tschepalowa den Vortritt lassen, die mit einem Solo-Lauf zu Gold sprintete. "Zu Hause wird jetzt wahrscheinlich die Hölle los sein", meinte die Sportsoldatin aus Reit im Winkl.

Claudia Künzel, die sich mit dem Final-Einzug "einen Traum" erfüllte, verpasste nur knapp Bronze. Wegen einer Behinderung durch die drittplatzierte Norwegerin Anita Moen legte die deutsche Mannschaft Protest ein, teilte Langlauf-Koordinator Jochen Behle mit.

Peter Schlickenrieder krönte seine Laufbahn mit Platz zwei hinter Weltmeister Hetland. Der 32-jährige Familienvater wollte die Ski vor drei Jahren schon in die Ecke stellen, entschied sich nach der Einführung der Sprint-Disziplin dann aber doch zum Weitermachen. "Ich habe meiner Tochter versprochen, dass ich es nach Olympia sein lasse. Versprechen muss man halten", kündigte der WM-Sechste mit Tränen in den Augen seinen Rücktritt an. "Langlauf ist ein sehr stressiger Sport. Ich möchte meiner Familie und vor allem meiner Tochter Nina danken, dass sie das alles so lange mitgemacht hat."

Zum Erfolg der deutschen Läufer auf dem mit einem schweren Anstieg gespickten Kurs in Soldier Hollow trugen auch die Techniker bei. "Wir haben Raketen unter den Füßen", lobte Angerer die bestens präparierten Ski, "dadurch konnten wir am Berg taktisch laufen und brauchten keine Führungsarbeit zu verrichten."

Vier Damen und zwei Herren hatten sich in der Qualifikation einen Platz im Viertelfinale gesichert. Lediglich Rene Sommerfeldt (Oberwiesenthal), Olympia-Dritter mit der Staffel, verpasste als 20. den Sprung unter die besten 16. "Ich habe alles gegeben, aber am Ende sollte es nicht sein", meinte der 27-Jährige. Axel Teichmann (Lobenstein) musste wegen einer Bronchitis auf seinen Start verzichten.

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