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26.07.2000

17:36 Uhr

Trauerfeier für Opfer des Flugzeug-Absturzes

Triebwerkschaden verursachte offenbar Concorde-Absturz

Kurz vor dem Start waren noch Reparaturarbeiten an dem Motor vorgenommen worden. Bis auf weiteres wurden alle Concorde-Flüge ausgesetzt.

ap/dpa PARIS. Ein Schaden am Triebwerk Nummer zwei hat offenbar den tragischen Absturz der Concorde bei Paris verursacht. Air France erklärte am Mittwoch, dass kurz vor dem Start Reparaturarbeiten an dem Motor vorgenommen worden seien: Die Schubumkehr habe nicht funktioniert. Bis auf weiteres wurden alle Concorde-Flüge in Frankreich ausgesetzt. In Paris trafen die ersten Angehörigen der knapp 100 Toten aus Deutschland ein. Die sterblichen Überreste der insgesamt 113 Opfer sollten zwei Tage lang in Gonesse nördlich der Hauptstadt aufgebahrt werden. Dort war außerdem eine Trauerfeier geplant, an der auch Staatspräsident Jacques Chirac teilnehmen wollte.

Air France zufolge war die Concorde bereits mit dem Schaden an der Schubumkehr am 24. Juli aus New York gekommen. Der Pilot habe angesichts der vollbesetzten Maschine darauf bestanden, dass das Problem beseitigt werde, hieß es. Deshalb habe man das defekte Teil mit einem aus einer anderen Concorde ausgetauscht. Der Vorgang habe etwa eine halbe Stunde gedauert und sei zum Teil dafür verantwortlich, dass die Maschine am Dienstag mit über einer Stunde Verspätung gestartet sei.

Noch während des Abhebemanövers, so berichtete Staatsanwältin Elisabeth Senot, habe der Pilot weitere Probleme mit dem Triebwerk Nummer zwei gemeldet. Dies gehe aus Gesprächen mit dem Tower hervor. Dort habe man den Piloten über ein Feuer im hinteren Teil des Flugzeugs informiert und ihm auch mitgeteilt, dass die Flammen immer größer würden. Der Pilot habe geantwortet, ein Anhalten der Maschine sei nicht mehr möglich. Die Concorde habe abgehoben und im Cockpit habe jemand gegenüber dem Tower angedeutet, man werde versuchen, auf dem nahe gelegenen Flughafen Le Bourget zu landen.

Die genaue Absturzursache soll mit Hilfe des Flugschreibers und des Stimmenrekorders ermittelt werden, dessen Auswertung nach Worten von Verkehrsminister Jean-Claude Gayssot zwei bis drei Tage dauern wird. Gayssot kündigte ferner an, dass während der Ermittlungen die Concorde-Flüge ausgesetzt würden. Er schloss nicht aus, dass bei entsprechenden Untersuchungsergebnissen alle Triebwerke der Concorde-Maschinen ausgetauscht werden müssten. Grundsätzlich bekannte er sich aber zur Idee des Überschallflugzeugs. British Airways, die zweite Fluggesellschaft neben Air France, die Concordes besitzt, setzte ihre Flüge fort.

Schwierige Identifizierung der Opfer

Auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle wurden Angehörige der 96 Opfer aus Deutschland von Psychologen und Medizinern betreut. Auch Bundesverkehrsminister Reinhard Klimmt war dort. Er habe mit einigen der Angehörigen gesprochen, sagte Klimmt vor Journalisten. Sie befänden sich in einem Schockzustand. Mehr wollte der Minister nicht sagen: "Meine Gespräche mit ihnen sind privat." Die Familienmitglieder wurden von der Öffentlichkeit abgeschirmt. Der Zugang zur Unglücksstelle nahe des Flughafens wurde ihnen von den französischen Behörden verwehrt.

Dort waren Helfer weiterhin damit beschäftigt, die Opfer aus den Trümmern zu bergen. Sie sollten anschließend zur Identifizierung ins Gerichtsmedizinische Institut nach Paris gebracht werden. In der Concorde befanden sich neben 96 Deutschen zwei Dänen, eine Österreicherin und ein Amerikaner; die Besatzung war französischer Nationalität; in dem Hotel, auf das das Flugzeug kurz nach dem Start stürzte, kamen ein Brite, eine Französin und zwei Polen ums Leben.

Am Absturzort der Air-France-Concorde in Gonesse bei Paris hat am Mittwoch eine ökumenische Trauerfeier für die 113 Opfer der Flugzeugkatastrophe begonnen. Die Trauergemeinde versammelte sich in der Gemeindehalle der kleinen Ortschaft, wo die Unglücksmaschine am Dienstagnachmittag abgestürzt war. Unter der Trauergästen waren neben Angehörigen der Opfer auch Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac und Bundesverkehrsminister Reinhard Klimmt (SPD).

Hinterbliebene kamen mit dem Auto

Dutzende von deutschen Angehörigen hatten sich, viele weinend und schluchzend, in der für diesen Anlass hergerichteten Mehrzweckhalle "Jacques Brel" eingefunden. Zahlreiche Hinterbliebene hatten sich entschieden, mit dem Auto und nicht im Flugzeug nach Paris zu kommen.

Nach Angaben Klimmts sollen die Angehörigen der Toten - darunter 96 Deutsche - zwei Tage lang Gelegenheit haben, Abschied zu nehmen. Am Donnerstag soll daher ein zweiter Trauergottesdienst für jene Familien stattfinden, die noch nicht in Paris eingetroffen sind.

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