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26.03.2003

10:05 Uhr

Treue zu den USA soll sich in barer Münze auszahlen

London hofft auf den Tag danach

VonAndreas Hoffbauer (Handelsblatt)

Seit Tagen tobt eine leise Schlacht zwischen London und New York. Es geht um die lukrativen Milliardenaufträge, die beim Wiederaufbau des Iraks winken. Die britische Wirtschaft fürchtet, dass sie - wie schon nach dem letzten Golfkrieg - bei den Planungen der Amerikaner zu kurz kommt. Inzwischen wird das Thema auf höchster politischer Ebene diskutiert.

LONDON. Die britische Wirtschaftsministerin Patricia Hewitt hat sich eingeschaltet. Premierminister Tony Blair kündigte gestern an, er werde heute bei seinem Besuch in Camp David mit US-Präsident Bush auch über den Wiederaufbau des Iraks reden.

Dabei dürfte Blair seinem Freund George noch einmal sagen, was seine Ministerin bereits bei einem Telefonat der US-Seite deutlich gemacht hat. Die Briten wollen nicht nur als Soldaten im Irak an der Seite der Amerikaner marschieren. Als Standort für internationale Versorger und Bauriesen und unter Berücksichtigung des politischen Schulterschlusses dürfen nach Ansicht Londons britische Konzerne nicht nur als Subunternehmer am Irak-Aufbau beteiligt sein.

Nach Angaben des Londoner Ministeriums hat die zuständige US Agency for International Aid and Development (USAid) dies bei dem Telefonat Ministerin Hewitt zugesagt. Zwar können nach US-Recht die erwarteten Aufträge im Wert von zunächst 900 Mill. Dollar nur an heimische Unternehmen verteilt werden. Doch die US-Firmen sollen dann Großaufträge an britische Partner abgeben, heißt die neue Vorgabe.

Britische Baufirmen machen Druck

Daran allerdings glaubt auf der britischen Insel noch niemand so recht. Für den britischen Konzern P&O hat sich zumindest die Hoffnung zerschlagen. Das Unternehmen, einer der größten Betreiber von Containerhäfen weltweit, wollte den von amerikanisch-britischen Truppen eroberten einzigen irakischen Hafen Umm Kasr aufbauen und organisieren. Ein entsprechendes Angebot sei aber von der US-Seite abgelehnt worden, sagt Firmensprecher Peter Smith frustriert. Ohne Angaben von Gründen.

Diese Erfahrung wollen etwa die britischen Baufirmen Amec oder Balfour Beatty nicht machen. Sie setzen darum die Regierung in London kräftig unter Druck. Dem Telefonat von Ministerin Hewitt war ein Krisentreffen vorausgegangen. Als den Konzernen eröffnet wurde, dass für sie beim Irak-Aufbau keine Aufträge vorgesehen seien, beschwerten sie sich. Offiziell will sich keine der Firmen über die eigenen Interessen im Irak äußern. Doch dass man sich von den Amerikanern übergangen fühlt, klingt bei vielen Aussagen durch. An der Runde hat auch der Versorger Thames Water teilgenommen, der zum deutschen RWE-Konzern gehört. "Als der drittgrößte Wasserversorger der Welt können wir sicher dem irakischen Volk einige Hilfe anbieten", heißt es spitz.

"Wir hoffen natürlich sehr, dass britische Firmen am Aufbau des Iraks beteiligt werden", sagt auch eine Sprecherin des britischen Industrieverbandes CBI. Inzwischen fordern einige Firmen jedoch mehr: Die Chancen für Aufträge im Irak würden deutlich steigen, wenn die britische Regierung diese auch finanziell absichere. Doch da dürfte selbst bei Patriot Blair Schluss sein. Und Schatzkanzler Gordon Brown wird auf jeden Fall abwinken.

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