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27.06.2000

12:32 Uhr

Trotz Angebot mit Hyundai 233234

Schrempp schließt Kauf von Daewoo aus

Der Daimler-Chrysler-Chef lehnt eine Übernahme des hochverschuldeten koreanischen Autobauers ab - trotz des gemeinsamen Angebot mit Hyundai. Die Aktie des deutsch-amerikanischen Unternehmens legte daraufhin gegen den Trend zu.

Reuters FRANKFURT. Daimler-Chrysler will Daewoo Motor nicht übernehmen, obwohl der Konzern gemeinsam mit seinem neuen Partner Hyundai ein unverbindliches Angebot für den hochverschuldeten koreanischen Autohersteller abgegeben hat. "Ich habe schon früher gesagt, dass eine Übernahme von Daewoo für uns nicht in Frage kommt", sagte Vorstandschef Jürgen Schrempp in einem Zeitungsinterview. Durch die Allianz mit dem führenden koreanischen Hersteller Hyundai Motor habe Daimler-Chrysler seine strategische Position verbessert. Dies werde sich bald auch im Aktienkurs niederschlagen. Die zuletzt deutlich abgewertete Daimle-rChrysler-Aktie legte an der Börse bis zum Mittag gegen den Trend leicht zu.

Schrempp sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" weiter, das Interesse von Daimler-Chrysler in Korea gelte Hyundai. "Mit Hyundai haben wir die ausgezeichnete Position in Korea, die wir angestrebt haben", ergänzte er. Daewoo dagegen sei ein sehr schwieriger Fall. Gemeinsam mit Hyundai werde DaimlerChrysler an dem Bieterverfahren nur teilnehmen, um eventuell einzelne attraktive Teile des Unternehmens zu identifizieren. Daimler-Chrysler hatte am Montag gemeinsam mit Hyundai Motor ein unverbindliches Gebot Daewoo Motor abgegeben, die unter einer Schuldenlast von 16 Milliarden leidet. Um den Kauf von Daewoo bieten auch die US-Konzerne Ford sowie General Motors gemeinsam mit Fiat. Analysten rechnen damit, dass die Übernahme der Werte von Daewoo ein Gebot von bis zu acht Milliarden Dollar nötig machen könnte.

In Branchenkreisen hatte es bereits zuvor geheißen, Schrempp sei nicht besonders interessiert an Daewoo. Analysten gehen davon aus, dass Hyundai aus Furcht vor stärkerer Konkurrenz im Heimatmarkt mehr als sein neuer Partner Daimler-Chrysler an einem Daewoo-Einstieg interessiert ist.

"Investitionen in Asien ein Muß"

Bereits im März war Daimler-Chrysler eine Allianz mit dem viertgrößten japanischen Autohersteller Mitsubishi Motors eingegangen. "Die Investitionen in Asien sind für ein global operierendes Unternehmen ein absolutes Muss", sagte Schrempp zu den Kooperationen mit Mitsubishi und Hyundai. Alle Anzeichen sprächen dafür, dass Asien der Wachstumsmarkt der Zukunft sei. Und mit Hyundai und Mitsubishi habe DaimlerChrysler in Asien nun zwei Partner, die in ihren Heimatmärkten und im Ausland stark seien. Daimler-Chrysler könne dadurch vom Kleinwagen bis zum schweren Lkw alle Produkte auf allen Märkten anbieten. "Eine solche Produktpalette bietet weltweit nur einer an - nämlich wir", sagte Schrempp.

Diese Position von Daimler-Chrysler sowie die gute Ertragslage des Konzerns wird sich nach Schrempps Einschätzung künftig auch im Kurs der Daimler-Chrysler-Aktie niederschlagen, der zuletzt deutlich gesunken war. Seit dem Frühjahr 1999 hat die Aktie des größten europäischen Industriekonzerns mehr als ein Drittel an Wert verloren. Dieser Kursrückgang sei nicht ausschließlich ein DaimlerChrysler-Phänomen, sondern betreffe die gesamte Automobilbranche, sagte Schrempp.

Am Dienstag wurde die DaimlerChrysler-Aktie gegen Mittag im Xetra-Handel mit 56,40 Euro gehandelt und lag damit um rund 0,6 Prozent über dem Vortagesschluss. Der Gesamtmarkt lag zum gleichen Zeitpunkt gemessen am Dax um 0,44 Prozent im Minus. Im Frühjahr 1999 war die DaimlerChrysler-Aktie zeitweise mehr als 95 Euro wert gewesen. Analysten hatten den Kursrückgang zuletzt vor allem auf die erwartete Abkühlung der Autokonjunktur in den USA zurückgeführt.

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