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08.02.2002

19:17 Uhr

Trotz Mafiavorwürfen

Wimm-Bill-Dann: Erfolgreicher Start in New York

Dem größten russischen Lebensmittelkonzern – Wimm-Bill-Dann, Moskau, (WBD) – ist der Start an der New Yorker Börse gelungen.

mbr MOSKAU. Dem größten russischen Lebensmittelkonzern - Wimm-Bill-Dann, Moskau, (WBD) - ist der Start an der New Yorker Börse gelungen. Der Ausgabepreis der WBD-Aktien lag mit 19,50 $ in der unteren Mitte des zwischen 18,50 und 21,50 $ angepeilten Emissionspreises. Damit wurde offenbar den Informationen aus dem Börsenprospekt Rechnung getragen, dass die Hauptakionäre des führenden russischen Milchprodukte- und Saftproduzenten zumindest in der Vergangenheit Kontakte zur Moskauer Mafia hatten.

WBD ist nun der fünfte russische Konzern (nach dem Mobilfunker Vimpelcom, dem Telekomanbieter Rostelekom, dem Mobilfunkkonzern MTS und der Ölfirma Tatneft), dessen Aktien als Level3-ADR-Aktien an der New Yorker Börse gehandelt werden. Level 3 setzt besondere Transparenz voraus und ermöglicht als einzige der American Deposit Receipts-Formen (ADR) eine Kapitalerhöhung durch die Ausgabe neuer Aktien. Andere russische Firmen, die zwar auch ADRs ausgegeben hatten, haben den Schritt auf Level 3 bisher immer hinausgezögert, da damit die Aktionärsstruktur offengelegt und amerikanische Bilanzierungsmethoden angewendet werden müssen.

Nach Angaben WBDs ist es gelungen, wie geplant alle 10,6 Mill. Aktien zu platzieren, davon 3,1 Mill. von den bisherigen russischen Aktionären. WBD-Gründer und-Aufsichtsratschef David Jakobaschwili sagte, das Listing in den USA sei eine Ehre für sein Unternehmen und eine Anerkennung seiner Wachstumserfolge. "Die Platzierung ist ein gutes und starkes Zeichen für die Wiederbelebung der russischen Wirtschaft", so Jakobaschwili.

Analysten in Moskau hatten die Angaben der früheren Mafia-Verbindungen überwiegend gelobt: Das sei eine neue Offenheit der russischen Unternehmen. "Alle haben doch Dreck am Stecken, nicht zuletzt, da eine gesetzeskonforme Privatisierung doch gar nicht möglich war", sagte ein deutscher Banker in Moskau dem Handelsblatt unter der Bedingung der Anonymität. "Ich hoffe, WBD gibt auch anderen Unternehmen ein Beispiel, dass man mit Transparenz erfolgreich an die westlichen Kapitalmärkte gehen kann." Bis auf fünf hatten bisher alle russischen Unternehmen die volle Informations-Öffnung gegenüber westlichen Anlegern gescheut. Der Preis von 19,50$ beinhalte aber einen "Mafia-Abschlag" - "ohne die durch das Unternehmen selbst bekannt gegebenen Details aus der Vergangenheit hätte wohl etwas mehr erzielt werden können", so der deutsche Bankenvertreter.

Ein Misserfolg der New York-Pläne WBDs hätte seiner Meinung nach zur Folge gehabt, dass in diesem Jahr keine weiteren russischen Firmen versucht hätten, an West-Börsen zu kommen. Dabei will die russische Regierung in diesem Jahr erstmals seinen letzten, 5,9% großen Anteil an Lukoil - dem größten russischen Ölkonzern - direkt an die NYSE bringen und die Einnahmen daraus in den Haushalt fließen lassen.

WBD fließen durch den Verkauf von 7,5 Mill. Aktien netto 134 Mill. $ zu (der Erlös von 3,1 Mill. Papieren geht an die Altaktionäre). Mit dem Geld soll die Expansion des Unternehmens finanziert werden. So sollen die bisher elf Standorte in Russland, der Ukraine und Kirgisien ausgebaut und neue Unternehmen hinzu gekauft werden. In den ersten neun Monaten 2001 hatte das Moskauer Unternehmen seinen Umsatz von 465 auf 492 Mill. $ erhöhen können. Im Jahr 2000 wurden gut 21 Mill. $ Netto-Gewinne erzielt.

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