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08.01.2001

19:00 Uhr

Trotz Putin-Aussage Schuldenverringerung erwartet

Analysten: Keine Sorge um Russland-Bonds

VonAnke Rezmer

Diskussionen über Russlands Schuldendienst kamen auf, nachdem Moskau kürzlich erklärt hatte, im ersten Quartal fällige Pariser-Club-Schulden über 1,5 Mrd. $ nicht zu begleichen.

FRANKFURT/M. Zwar hat Wladimir Putin dem deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder zugesagt, dass Russland seine internationalen Schulden ganz zurückzahlen will. Doch Anleihespezialisten rechnen damit, dass der russische Präsident mit den internationalen Gläubigerstaaten des Pariser Clubs weiter um eine Verringerung der Schulden ringen wird. Bis Ende des ersten Quartals erwarte man am Markt eine Umstrukturierung dieser Schulden in Höhe von rund 40 Mrd. $, sagt Caspar Melville-Murphy von Dresdner Kleinwort Benson. Die Schulden aus der UdSSR-Zeit gegenüber dem Pariser Club entsprechen knapp einem Drittel der russischen Auslandsschulden. Diskussionen über Russlands Schuldendienst kamen auf, nachdem Moskau kürzlich erklärt hatte, im ersten Quartal fällige Pariser-Club-Schulden über 1,5 Mrd. $ nicht zu begleichen.

Wer russische Eurobonds im Depot hat, braucht sich nach Ansicht von Bondexperten allerdings aktuell nicht zu sorgen: Diese Schulden Russlands stünden auf einem anderen Blatt. Deutsche Anleger haben vor allem in zwei D-Mark-Bonds mit Laufzeiten bis 2004 und 2005 im Volumen von insgesamt 2 Mrd. und 1,2 Mrd. DM investiert. "Diese Anleihen werden bedient", sagt Anja Bischoff von der Deutschen Bank. Die Kurse der DM-Bonds haben sich in den vergangenen Wochen kaum verändert. Ihre Renditen liegen stabil auf einem Niveau von gut 8 % über Bundeswertpapieren.

Im Umlauf befinden sich ferner US-$-Eurobonds über 13 Mrd. $ und in Eurobonds umgewandelte Schulden gegenüber dem Londoner Club westlicher Banken über 30 Mrd. $. Seit der Umwandlung sei das Risiko von Eurobonds theoretisch gestiegen, meint Janis Hübner von der DG Bank. Bei Zahlungsverzug oder-ausfall eines Eurobonds (Default) würden alle anderen fällig. Akute Default-Gefahr gebe es aber nicht.

Auch Hübner hält russische Eurobonds nach wie vor für attraktiv. Allerdings sei das Anlagerisiko fair eingepreist, die Titel keine Schnäppchen. Jedoch lohnten sich die Bonds für risikofreudige Anleger schon wegen der hohen Kupons der DM-Bonds von 9 bzw. 9,375 %. Den Ölpreis müssten sie zwar im Auge behalten, meint Bischoff. Solange ein Barrel Nordseeöl der Sorte Brent aber um 25 $ koste, brauchten sich Investoren nicht den Kopf um die Zahlungskraft Russlands zu zerbrechen, ergänzt Melville-Murphy. Bei Devisenreserven von rund 27 Mrd. $ dürfte es 2001 fällige Anleiheschulden von 3 Mrd. $ zahlen können, meint Hübner.

Die vergangenen Tage hätten aber erneut gezeigt, dass Russland kein vorbildlicher Schuldner sei. Es sollte nicht der Eindruck entstehen, dass es am Gutdünken Russlands hänge, ob es Schulden bediene, warnt er. Allerdings brauche das Land Kapital für Investitionen, die es großteils allein tragen müsse, da Auslandsinvestoren fehlten. Weil Russland zudem von Kapitalflucht geschwächt werde und am Ölpreis hänge, ist Hübner die Euphorie mancher aufgrund der Devisenreserven zu groß.

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