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05.06.2000

13:20 Uhr

Turbulente letzte Hauptversammlung

Arbeitnehmenvertreter lehnen neuen Mannesmann-Chef ab

Auf der voraussichtlich letzten Hauptversammlung ging es turbulent zu    

afp/Reuters DÜSSELDORF. Die voraussichtlich letzte Hauptversammlung der Mannesmann AG nahm am Montag in Düsseldorf den erwartet turbulenten Verlauf. Vertreter der Kleinaktionäre, die allerdings nur noch etwas mehr als ein Prozent der Anteile halten, richteten schwere Vorwürfe gegen die Unternehmensvorstände von Mannesmann und dem Mehrheitseigner Vodafone. Besonders irritierte, dass Vodafone-Chef Chris Gent als Vorsitzender des Mannesmann-Aufsichtsrats nicht an der Hauptversammlung in Düsseldorf teilnahm. Dies sei eine Brüskierung der Aktionäre und durch nichts zu rechtfertigen. Ein Aktionär nannte Gent einen «Drückeberger».

Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat des Mannesmann -Konzerns wollen den vom Mannesmann-Großaktionär Vodafone nominierten Julian Horn-Smith nicht zum neuen Mannesmann-Vorstandschef wählen. Das sagte IG-Metall-Chef Klaus Zwickel am Montag in Düsseldorf. Der 51jährige Brite Horn-Smith war vom neuen Mehrheitseigner des Mannesmann-Konzerns, der britisch-amerikanischen Mobilfunkgruppe Vodafone AirTouch, als Nachfolger von Klaus Esser vorgeschlagen worden. Rechtlich habe die Weigerung der Arbeitnehmervertreter keine Konsequenzen, wohl aber Auswirkungen auf die Stimmung, sagte ein Mannesmann-Sprecher. Horn-Smith könne auch mit den Stimmen der Arbeitgeberbank gewählt werden.

Als Grund für die Weigerung der Arbeitnehmer nannte IG Metall-Chef Zwickel die eigentlich vorgesehene Bestellung eines neuen Arbeitsdirektors in Düsseldorf. Dafür vorgesehen war Werner Bock, der Arbeitsdirektor bei den Mannesmann-Röhrenwerken. Zwickel sagte, Bock habe bei einem Gespräch in Großbritannien zu hören bekommen, das die Funktion eines Arbeitsdirektors entgegen der ursprünglichen Zusage von Vodafone-Chef Chris Gent nicht mehr notwendig sei.

Auch am Montagmorgen habe es auf der Aufsichtsratssitzung keine Einigung gegeben, sagte Zwickel, der mit der Hauptversammlung den Mannesmann-Aufsichtsrat verläßt. Aus diesem Grund blieben die Arbeitnehmervertreter der Hauptversammlung geschlossen fern. Im Kern gehe es um die Frage, ob der Standort Düsseldorf zu einer verlängerten Werkbank degradiert werde oder aber als Standort mit strategischen Kompetenzen erhalten bliebe und ausgebaut werde, fügte Zwickel hinzu.

Der ausscheidende Vorstandsvorsitzende Klaus Esser verteidigte sein Vorgehen in der Übernahmeschlacht mit der britischen Vodafone. «Am Ende» seien die Aktionäre von Mannesmann die Gewinner gewesen. In den 13 Wochen der Auseinandersetzung mit Vodafone ab Mitte Oktober hätten die Aktionäre eine Wertsteigerung von 100 Milliarden Euro oder 120 Prozent ihrer Anteile erlebt. Esser verteidigte auch die Werbeausgaben in Höhe von 29 Millionen Euro. Ziel sei es gewesen, bessere Konditionen für die Aktionäre zu schaffen, durch Fortführung der Mannesmann-Strategie oder durch ein höheres Angebot. Letzteres sei dann auch gelungen.

Der Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Jörg Pluta, warf Vodafone vor, eine «Zerschlagungsstrategie» zu fahren. Er kritisierte, die Sorgen bei der Übernahme durch Vodafone hätten sich in vollem Umfang bewahrheitet. Vodafone verkaufe momentan «alles, was nicht niet- und nagelfest ist». Vodafone mache sich des mehrfachen Wortbruchs schuldig.

Etliche Kleinaktionäre kritisierten die Höhe der Abfindungssumme für Esser in Höhe von geschätzten 60 Millionen Mark. Es sei zu fragen, weshalb «so viel Dilettantismus auch noch honoriert» werde. Andere Schutzvereinigungen verlangten eine gesonderte Hauptversammlung zum Verkauf von orange und atecs.

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