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16.01.2003

20:18 Uhr

TV-Bericht bestätigt

Ärzte kassierten für tote Patienten

Die AOK ist einem neuem Abrechnungsschwindel auf die Schliche gekommen. Mediziner erfanden einfach Behandlungen, die gar nicht stattgefunden hatten.

dpa OLDENBURG/HANNOVER. Einem Ärzteskandal mit fingierten Behandlungen von Toten ist die AOK Niedersachsen auf der Spur. Mehrere Dutzend Ärzte stünden im Verdacht, Leistungen für Patienten abgerechnet zu haben, die bereits gestorben waren, sagte ein AOK- Sprecher. Er bestätigte damit einen Bericht des NDR-Fernsehmagazins "Panorama". Die Kasse habe bereits zwölf Strafanzeigen erstattet. Gegen einen Arzt aus Wilhelmshaven ermittelt die Staatsanwaltschaft Oldenburg bereits seit dem vergangenen Jahr.

Der Mediziner soll in großem Umfang Behandlungen erfunden haben - rund ein Viertel aller Leistungen allein im letzten Quartal 2002. Nach den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Oldenburg nutzte er dazu ein mobiles Lesegerät für Patienten-Chipkarten. Es wird bei Hausbesuchen und Notfalleinsätzen verwendet. Die einmal darin gespeicherten Daten habe der Arzt dann wiederholt für fiktive Behandlungen in seinen Praxis-Computer überspielt. Den damit verursachten Schaden schätzt die Staatsanwaltschaft auf rund 22 000 ?.

Bei einem vergleichbaren Fall in Celle hat ein beschuldigter Arzt freiwillig 75 000 ? als Schadens-Wiedergutmachung an die Kasse und an die Kassenärztliche Vereinigung zurück gezahlt, sagte AOK-Sprecher Klaus Altmann.

Nach den Angaben von Altmann hatten Ermittler der AOK bei ihren Untersuchungen in Niedersachsen alle Arztabrechnungen für das vierte Quartal 2001 per Computer mit ihren Versichertenlisten verglichen. Dabei habe der Rechner in 140 Fällen ein "ungeklärtes Versichertenverhältnis" gemeldet. In einem Fall sei ein angeblich behandelter Patient bereits seit zweieinhalb Jahren tot gewesen. "Wir müssen von einer sehr großen Dunkelziffer ausgehen", sagte Altmann.

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