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20.01.2003

08:41 Uhr

TV-Konzern Pro Sieben Sat 1 erwartet schlechtes erstes Quartal 2003

Sat 1 peilt wieder Gewinne an

VonC. Busse, J. Hofer

Urs Rohner ist alles andere als optimistisch. "Das erste Quartal wird noch einmal schlechter als im Vorjahr ausfallen", sagte der Vorstandschef der Pro Sieben Sat 1 Media AG dem Handelsblatt. Auch die gesamte Branche spricht von einem schlechten Start. "Danach sollte sich die Situation im TV-Werbemarkt aber langsam wieder entspannen", fügte der Schweizer vorsichtig hinzu. Er hofft darauf, dass es 2003 zumindest nicht zu einem weiteren Markteinbruch kommt.

MÜNCHEN. Deutschlands größter TV-Konzern hatte schon im vergangenen Jahr deutlich unter der Werbekrise zu leiden. Zahlen für 2002 gibt es zwar noch nicht. Der Umsatz von Pro Sieben Sat 1 Media dürfte aber um 3 bis 4 % auf unter 2 Mrd. Euro gefallen sein. Die letzte Gewinnprognose von 140 bis 160 Mill. Euro werde möglicherweise unterschritten, musste Rohner bereits Ende Dezember einräumen. Prognosen für 2003 gibt er nicht.

Mit seiner Zurückhaltung ist der TV-Manager nicht allein. Auch die Analysten von Credit Suisse First Boston (CSFB) sehen kein Ende der Werbekrise. Im Gegenteil: Ein Krieg gegen den Irak könnte die Werbeeinnahmen kurzfristig noch einmal kräftig drücken, fürchten die Marktbeobachter. Am schlimmsten würde es die TV-Sender treffen, insbesondere wenn die wichtige Osterzeit betroffen wäre. Darüber hinaus würden 2003 auch die großen Produkteinführungen fehlen, die zusätzlich Geld in die Kassen der Sender spülen könnten. Erst 2004 soll es nach CSFB-Schätzungen wieder stärker bergauf gehen. Wachstumsbringer könnte die Olympiade in Athen sein.

Größtes Problem Rohners ist nach wie vor der Sat 1. Allein in den ersten neun Monaten 2002 machte der Berliner Sender einen Verlust von über 115 Mill. Euro. Das Minus dürfte für das Gesamtjahr zwar geringer ausfallen. Aber auch 2003 gelang kein glänzender Start. Der Marktanteil liegt in den ersten Wochen bei nur 9 %, weit hinter Konkurrent RTL (15,5 %).

Fußball-WM 2002 brachte ein Minus von 25 Mill. Euro

Sinkende Einschaltquoten sowie Probleme im Vorabendprogramm machten Sat 1 zuletzt zu schaffen. Verluste bringt auch die Fußballberichterstattung: Die Fußball-WM 2002 brachte ein Minus von über 25 Mill. Euro, die Bundesliga ist ebenfalls "hochdefizitär". Derzeit zahlt der Sender etwa 80 Mill. Euro pro Saison. Die Verhandlungen über die nächste Saison laufen.

Rohner schickte im Herbst Konzernvorstand Ludwig Bauer zu Sat 1 nach Berlin, der die Sanierung überwachen soll. Sämtliche Kostenpositionen wurden überprüft. Sat 1 werde aber in keinem Fall "kaputtgespart". Konzernchef Rohner geht mittlerweile davon aus, dass die Wende geschafft ist: "Unter der Voraussetzung, dass der Werbemarkt stabil bleibt, bin ich davon überzeugt, dass Sat 1 im laufenden Jahr wieder in die Gewinnzone kommt." Analysten fürchten aber, dass die Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe im laufenden Jahr Marktanteile an RTL verliert, weil der Konkurrent sich zuletzt einige attraktive Spielfilmpakete sichern konnte.

Die Anleger sind ebenfalls skeptisch: Bei Kursen um sechs Euro kommt das Papier seit Monaten nicht vom Fleck. Unsicherheit verursacht dabei die nach wie vor offene Frage, wer künftig das Sagen im Konzern hat. Pro Sieben Sat 1 gehört mehrheitlich der insolventen Kirch Media, die seit mehreren Wochen über einen Verkauf ihrer Beteiligung an den Hamburger Bauer Verlag verhandelt. Die Gespräche, die bis März abgeschlossen sein sollen, laufen nach Angaben aus Bankenkreisen gut. Aber auch der US-Investor Haim Saban ist an einem Einstieg nach wie vor interessiert.

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