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22.02.2002

18:08 Uhr

Typischer Freitag: Ruhiger Handel

Neuer Markt gerät wieder unter Druck

Die sehr schwachen Vorgaben der US-Technologiebörse Nasdaq haben den Neuen Markt zum Wochenausklang noch einmal kräftig belastet. Dennoch blicken viele Experten mit Optimismus in die kommende Woche.

HB/rtr/vwd/dpa. "Ohne positive Impulse aus den USA haben wir hier überwiegend Verkaufsneigung", sagte eine Aktienhändlerin. Insgesamt verlief das Geschäft bei dünnen Umsätzen sehr lustlos, sagten Börsianer. Seit Montag hat der Auswahlindex Nemax 50 mehr als sechs Prozent eingebüßt. Bei Börsenschluss steht der Nemax 50 bei 962 Punkten, ein Minus von 1,9 Prozent bzw. ein Abschlag von 19 Punkten. Der Nemax All Share verliert 1,3 Prozent oder 13 Punkte auf 959 Zähler.

Dennoch sind die meisten Marktteilnehmer für die nächste Woche positiv gestimmt. Der von der Deutschen Börse und Cognitrend ermittelte Stimmungsindikator für den Neuen Markt weist immer noch deutlich mehr Optimisten als Pessimisten aus. Jedoch sei die Zahl der Pessimisten besonders unter den Privatanlegern in dieser Woche gestiegen. Eine Düsseldorfer Aktienhändlerin sagte, der Markt werde sich ohne bessere Vorgaben aus den USA auch in der kommenden Woche nicht sonderlich erholen.

Im Mittelpunkt des Nemax-Handels standen auch am Freitag die Sorgenkinder der vergangenen Handelstage: D.Logistics verlieren 4,35 Prozent auf 1,98 Euro; Comroad sogar 14,66 Prozent auf 1,98 Euro. Anhaltende Sorgen und Spekulationen um die Zukunft der beiden Unternehmen lasteten weiter auf den Kursen, sagten Händler. Comroad hatte in den vergangenen Tagen wegen Sorgen um Bilanz-Unregelmäßigkeiten massiv verloren. Ob die von Comroad am Mittwoch dieser Woche veröffentlichte Ad-hoc Meldung zu spät kam, prüft derzeit das Bundesaufsichtsamt für Wertpapierhandel (BaWe). In dieser Meldung hatte Comroad die Trennung von KPMG als Wirtschaftsprüfer gemeldet. KPMG hatte ihr Prüfmandat niedergelegt und wiederum mitgeteilt, dass "berechtigte Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit Comroads" bestünden. Die Börsenaufsicht in Hessen hat eine Strafanzeige gegen das Comroad-Management gestellt.

Die Fantastic Corp. hat im vierten Quartal 2001 einen enttäuschenden Umsatz von 1,5 Millionen Dollar erwirtschaftet und damit das Vorjahresergebnis von 2,1 Millionen Dollar um 26 Prozent verfehlt. Aufgrund drastischer Kostensenkungs-Maßnahmen reduzierte das Unternehmen eigenen Angaben zufolge den Ebitda-Verlust vor Einmal-Effekten um 58 Prozent von 14,9 auf 6,3 Millionen Dollar. Der Nettoverlust verminderte sich um 14 Prozent auf 11,6 Millionen Dollar, womit der Verlust pro Aktie bei 0,09 nach 0,11 Dollar im Vorjahr läge. Im Geschäftsjahr 2001 wurde ein Umsatz von 7,1 Millionen Dollar nach 17,1 Millionen Dollar in 2000 erzielt. Der Ebitda-Verlust vor Einmaleffekten verbesserte sich um 20 Prozent von 43,0 auf 34,3 Millionen Dollar. Der Nettoverlust stieg um neun Prozent von 60,2 auf 65,8 Millionen Dollar. Der Verlust pro Aktie nahm demnach von 0,50 auf 0,53 Dollar zu. Wie am 30. Januar 2002 angekündigt, hat Fantastic von der Firma Digital Pipe aus Foster City eine Nutzungslizenz für die Netzdistributions-Software Corecast sowie neun Entwickler übernommen, die am selben Standort weiterbeschäftigt werden. Zur unternehmensweiten Rationalisierung der eigenen Produktentwicklung will Fantastic 22 Stellen in der Schweiz abbauen und dafür die Mitarbeiter in Foster City sowie die Outsourcing-Partner in Indien stärker einbinden. Die Aktie notiert mit einem Abschlag von 7,41 Prozent bei 0,25 Euro.

Behalten die vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2001 recht, so konnte die Hunzinger AG schwarze Zahlen schreiben. Der Gewinn vor Steuern beläuft sich auf 0,31 Millionen Euro, im Vorjahreszeitraum lag dieser noch bei minus 4,8 Millionen Euro. Gleichzeitig konnte der Umsatz gegen den Trend auf 23,9 Millionen Euro von 22,9 Millionen Euro gesteigert werden. Ein Großteil des Umsatzanstiegs sei jedoch auf die Tochtergesellschaften action Press und infas zurückzuführen, so die Gesellschaft. Für das gute Vorsteuerergebnis seien unter anderem auch die Kostensparmaßnahmen verantwortlich. Die Kosten der Holding konnten um gut die Hälfte auf eine Million Euro gesenkt werden. Durch den geplanten Wechsel in den Geregelten Markt sollen diese Kosten nochmals gesenkt werden können. Die Aktie gewinnt 8,78 Prozent und schließt bei 1,61 Euro.

Die CPU Softwarehouse AG weist nach vorläufigen Zahlen einen Umsatz von 12,3 Millionen Euro und ein Ebitda-SO von minus 5,3 Millionen Euro aus. Noch im Vorjahr belief sich das Ebitda-SO auf minus 19,2 Millionen Euro. Damit wurde der Umsatz um 2,0 Millionen Euro oder 19 Prozent gesteigert und das Ergebnis auf Ebitda-SO-Basis um 13,9 Millionen Euro oder 72 Prozent. Die endgültigen Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2001 veröffentlicht das Unternehmen am 21. März 2002. Das Papier gewinnt 3,13 Prozent auf 1,32 Euro.

Gegen den schwächeren Trend erholten sich Mobilcom -Titel, die um 3,64 Prozent auf 12,25 Euro anzogen. Ein Händler sagte, das sei eine technische Erholung auf die starken Kursverluste der Vortage. Seit Wochenbeginn hat Mobilcom wegen eines offen ausgebrochenen Streits mit dem Großaktionär France Telecom mehr als 31 Prozent an Wert eingebüßt.

Die US-Vorgaben belasteten auch den Biotechnologie-Sektor. Qiagen, BB Biotech und Evotec gaben Gewinne des Vortages wieder ab. Qiagen-Aktien sanken um 3,20 Prozent auf 19,05 Euro, und BB Biotech-Papiere gaben um 3,15 Prozent auf 66,50 Euro ab. Die Aktien von Evotec, die an den beiden vergangenen Handelstagen um fast sechs Prozent zugelegt hatten, verloren 4,54 Prozent auf 7,78 Euro.

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